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Panorama Vorwürfe gegen Loveparade-Organisatoren werden lauter
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17:43 26.07.2010
Am Sonnabend sind bei einer Massenpanik auf der Loveparade 19 Menschen ums Leben gekommen. Quelle: dpa

Nach der Loveparade-Tragödie mit 19 Toten werden die wütenden Vorwürfe gegen die Verantwortlichen immer lauter. Zudem verdichteten sich Hinweise, dass die Katastrophe absehbar war. Es wurden auch 342 Menschen zum Teil schwer verletzt. Am Montag galten noch 1138 Gäste offiziell als vermisst. Die Stadt Duisburg will sich erst später zu den Vorwürfen äußern und plant unterdessen die Trauerfeier. Veranstalter anderer Großveranstaltungen reagierten mit Fassungslosigkeit auf das Duisburger Loveparade-Konzept.

Für Deutschlands führenden Konzertveranstalter Marek Lieberberg führten Profilierungssucht der Stadt Duisburg und eine amateurhafte Organisation zu der tödlichen Katastrophe. Das „war keine höhere Gewalt wie ein Treppeneinsturz oder ein Unwetter, sondern das Ergebnis eines verhängnisvollen Zusammenwirkens von völlig überforderten Behörden und inkompetenten Organisatoren, die weder mit derartigen Großveranstaltungen vertraut noch in der Lage waren, auf Notsituationen zu reagieren“, teilte Lieberberg mit.

Aus seiner Sicht war das Konzept mit einem einzigen Ein- und Ausgang „eine Todesfalle“. „Ein einziger Eingang über einen Tunnel ist nach der Gesetzeslage eigentlich überhaupt nicht zulassungsfähig. Aber offensichtlich wollten die Verantwortlichen der Stadt Duisburg die Veranstaltung um jeden Preis und haben deshalb offensichtlich über alle notwendigen Sicherheitserwägungen hinweggesehen.“

Die Bundesregierung zeigte sich offen für Konsequenzen, warnte aber vor voreiligen Schlüssen. Möglicherweise werden sich die Innenminister der Länder in der Innenministerkonferenz auch mit dem Thema befassen, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm.

Es seien keine Verletzten mehr in Lebensgefahr, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag mit. 40 Polizisten waren am Montag noch damit beschäftigt, die ursprünglich 2367 Vermisstenanzeigen abzuarbeiten. Möglicherweise sei schon ein großer Teil der Vermissten wieder daheim, teilte die Polizei weiter mit.

Unterdessen liefen in Duisburg die Planungen für die Trauerfeier für die 19 Toten an. Zudem sollte ein Kondolenzbuch ausgelegt werden, sagte Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland im WDR. Der CDU- Politiker war am Sonntag von Trauernden körperlich angegriffen worden. Er wurde ausgebuht, beschimpft, ein Mann habe ihn mit Müll beworfen und an der Jacke getroffen, berichtete die „Bild“-Zeitung. „Das waren Menschen, die trauern, die ihren Emotionen freien Lauf gelassen haben und das verstehe ich“, sagte Sauerland.

Gegen Sauerland, leitende Beamten der Stadt und die Veranstalter erstattete der ehemalige Bochumer Polizeipräsident Thomas Wenner (62) unterdessen Anzeige, wie er der dpa bestätigte. Eine solche Veranstaltung hätte in Duisburg nie realisiert werden dürfen. Wenner hatte 2009 als amtierender Polizeipräsident die für Bochum geplante Loveparade abgesagt.

Sauerland versicherte, dass er sich angesichts der scharfen öffentlichen Kritik der Frage nach seiner persönlichen Verantwortung stellen wolle. Zunächst müssten jedoch die Geschehnisse aufgeklärt sein, sagte er mit Blick auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung.

Ein internes Verwaltungsdokument aus Duisburg belegt nach Informationen von „Spiegel Online“ die Schwachstellen des Sicherheitskonzepts bei der Großveranstaltung mit insgesamt bis zu 1,4 Millionen Besuchern. So habe der Veranstalter nicht die sonst vorgeschriebene Breite der Fluchtwege einhalten müssen. Zugleich sei das Gelände ausdrücklich nur für 250.000 Menschen zugelassen gewesen.

Die Stadt Gelsenkirchen - ursprünglich als Austragungsort der Loveparade 2011 vorgesehen - begrüßte die Absage der Veranstaltung. „Es ist definitiv richtig, dass die Loveparade nach der Katastrophe von Duisburg nicht mehr stattfindet. Sie wäre in Zukunft immer von diesem Unglück belastet gewesen“, sagte Stadt-Sprecher Martin Schulman. Die Veranstalter hatten am Sonntag angekündigt, dass es nie mehr eine Loveparade geben wird.

dpa

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