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Panorama Vor 75 Jahren entstand die Kraft-durch-Freude-Stadt
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16:03 29.06.2013
Stadt mit dunkler Vergangenheit: Vor 75 Jahren legte Adolf Hitler (Mitte) den Grundstein für Wolfsburg, danach besichtigte er die Käferproduktion im Volkswagenwerk. Quelle: dpa
Wolfsburg

Eine der jüngsten Großstädte Europas wird 75 Jahre alt - Wolfsburg. Geht es um die niedersächsische Stadt, geht es fast immer auch um Volkswagen. Schließlich war VW der einzige Grund für die Stadtneugründung. Für die Arbeiter der geplanten Autofabrik mussten Wohnungen gebaut werden. Bis heute sind Stadt und VW mehr als Nachbarn, sie sind enge Verwandte.

An diesem Wochenende wird das Jubiläum gefeiert - mit mehr als 100 Veranstaltungen. Mehrere Konzerte sind darunter, ein Bürgerfrühstück, und der Käferklub Wolfsburg will einen langen Autokorso durch die Stadt schicken.

Bereits 1937 hatten die Nationalsozialisten in Berlin das Volkswagenwerk gegründet, im Mai 1938 legte Adolf Hitler dann den Grundstein für das Werk auf der grünen Wiese im heutigen Wolfsburg. Der Volkswagen - also der spätere Käfer - sollte dort in großer Stückzahl gefertigt werden. Unter dem sperrigen Namen „Stadt des Kraft-durch-Freude-Wagens bei Fallersleben“ oder kurz „KDF-Stadt“ folgte die Stadtgründung. Viel mehr als 2200 Wohnungen in eher an Kasernen erinnernden Steinhäusern, etliche Baracken und einige kleine Dörfer waren es aber nicht, die dann 1945 den Namen Wolfsburg erhielten - benannt nach dem alten Schloss an der Aller.

„Erst die Entscheidung der britischen Militärregierung, die Käferfertigung im Dezember 1945 anlaufen zu lassen, gab Unternehmen und Stadt neue Perspektiven“, erläutert VW-Unternehmenshistoriker Manfred Grieger. In den fünfziger Jahren schaffte es der VW-Käfer zum Symbol des deutschen Wirtschaftswunders. Noch 1955, als der einmillionste VW vom Band lief, hatte die Stadt weder Rathaus noch Bahnhof.

Ob es um Freizeit, Wohnen, Arbeit oder Stadtentwicklungen geht - Wolfsburg gilt als „Soziallabor“: Die Vier-Tage-Woche in den neunziger Jahren, eine in den vergangenen Jahren zurückgebaute Trabantenstadt oder der Strukturwandel von der Industriestadt zum touristischen Ziel sind einige Beispiele.

Derzeit leben rund 120.000 Menschen in Wolfsburg. „Kaum eine Familie stammt tatsächlich von hier“, sagt Michael Strauß vom städtischen Institut für Zeitgeschichte. Zunächst waren es Zwangsarbeiter und Flüchtlinge, die sich niederließen. Weil VW Arbeit und gute Löhne bot, kamen dann aus ganz Deutschland Menschen und ab 1962 Gastarbeiter aus Italien.

Ohne VW wäre der VfL kaum in der Fußball-Bundesliga. Und die VW-Autostadt holt jährlich internationale Künstler in die Stadt, um einige jüngere Beispiele zu nennen. „VW war und ist ein Garant dafür, dass es Wolfsburg und der Region gut geht“, sagt Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD). Doch auch der Autoriese braucht Wolfsburg: „Beim Kampf um die besten Arbeitskräfte ist VW auf einen attraktiven Wohnort angewiesen“, sagt Mohrs. Mit einem Sprung soll Wolfsburg nun drittgrößte Stadt Niedersachsens werden: Die kreisfreie Stadt möchte mit dem angrenzenden Landkreis Helmstedt fusionieren. VW hätte sicher nichts dagegen - längst ist die Stadt zu klein, viele der 50000 VW-Beschäftigten leben im Kreis Helmstedt. dpa

Anita Pöhling

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