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Panorama Tierschützer laufen Sturm gegen neue Gänsejagd
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21:59 15.09.2014
Von Michael B. Berger
Wildgänse sind vielen Landwirten ein Dorn im Auge - Umweltverbände wollen sie dagegen schützen. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Hannover

Mit einem Entgegenkommen wollte Agrarminister Christian Meyer (Grüne) die aufgehitzte Diskussion um eine neue Jagdzeitenverordnung beruhigen. Doch Meyers Signal kommt nur bei wenigen an. In der Frage, inwieweit man künftig Gänse innerhalb und außerhalb von Vogelschutzgebieten jagen dürfe, prallen die Meinungsgegensätze immer noch hart gegeneinander. In einer gemeinsamen Erklärung lehnen die beiden großen Umweltverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Nabu Meyers Pläne zur Wasservogeljagd in EU-Vogelschutzgebieten ab. Die Landesjägerschaft sowie der Zentralverband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden (ZJEN) fordern hingegen eine Ausweitung der Jagd. Es soll alles beim Alten bleiben.

Wenigstens um die Bejagung des Schalenwildes, zu dem Wildschweine, aber auch Hirsche und Rehe gehören, hat sich die Aufregung etwas gelegt. Meyer ist von seinem ursprünglichen Plan abgerückt, die Jagd auf Wildschweine schon am 15. Januar zu beenden. Gerade die letzten beiden Januarwochen seien dafür besonders wichtig. „Das ist wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Hans-Heinrich Ehlen, der für die 270.000 Mitglieder der Jagdgenossenschaften spricht. Doch das Zugeständnis sei zu klein, bei den Gänsen tue sich viel zu wenig. Für die von Meyer vorgeschlagenen „Intervalljagden“ finde sich überhaupt keine sachliche Begründung.

Meyer hatte ausgeführt, dass er bei der Jagd auf die Wildgänse „eine stärkere Differenzierung bei Jagd- und Ruhezonen für Gänse einführen“ wolle. So sollten die Jagdzeiten außerhalb der Vogelschutzgebiete bleiben wie sie sind, während innerhalb der Vogelschutzgebiete die Jagdzeit auf Gänse vom 15. Januar auf den 30. November verkürzt werden sollte. „Ab dem nächsten Jahr soll es innerhalb der Vogelschutzgebiete dann eine Aufteilung in Jagd- und Ruhezonen für Gänse geben“, kündigte der Minister im HAZ-Gespräch an.

Damit hat er die Tierschützer gegen sich aufgebracht. „Es kann doch nicht sein, dass in Gebieten, die zum Schutz von rastenden Vögeln ausgewiesen wurden, auch nach der geplanten neuen Jagdzeitenverordnung weiterhin in den Rastzeiten Jagd auf Gänse, Enten und Schwäne gemacht werden soll“, kritisiert Nabu-Landesvorsitzender Holger Buschmann. Die geplante Intervalljagd mit zweiwöchig wechselnden Schutzgebieten mache für die beiden Naturschutzverbände die Sache nicht besser. „Dass die Tiere an ihrer Zufluchtsstätte buchstäblich hin- und hergejagt werden, entspricht nicht den Vorstellungen, die wir vom Schutz rastender Vögel haben“, findet Reinhard Löhmer, stellvertretender BUND-Landesvorsitzender. Jagdpächter Heiner Ehlen hingegen meint, die Gänse müssten noch wesentlich stärker bejagt werden, da sie sich prächtig vermehrten und großen Schaden anrichteten. „Es gibt Landwirte an der Küste, die ernten nur noch Sondermüll – von Gänsen verkotete Pflanzen, die als Tierfutter nicht mehr zu gebrauchen sind.“

Nur in einem sind sich alle Meyer-Kritiker einig, egal, ob Jäger oder Naturschutzfreund. Seine Bemerkung, wonach die Intervalljagd in Schutzgebieten bei „fast allen Seiten“ auf „Wohlwollen“ stoße, hat alle irritiert. Die beiden größten Naturschutzverbände protestieren. Und auch Jann Bengen vom Verband für Naturschutz und ökologische Jagd in Ostfriesland widerspricht aufs Heftigste.

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