Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Nitratbelastung könnte hohe Kosten verursachen
Mehr Welt Panorama Nitratbelastung könnte hohe Kosten verursachen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 15.06.2017
„Ich bin fest überzeugt, dass die Nitratwerte wieder besser werden“: Eine neue Düngeverordnung soll verhindern, dass das Grundwasser in Kläranlagen künftig noch aufwendiger aufbereitet werden muss. Quelle: dpa
Hannover

Wenn das Trinkwasser aus großer Tiefe nach oben gepumpt wird, dann sei das meiste schon getan, sagt Gunnar Meister. „Wir müssen es noch auf natürlichem Weg enteisen und entmanganisieren“ - dann kann es in die Haushalte weitergeleitet werden zum Kochen, Trinken, Waschen.

Und Nitrat? Meister winkt ab: „Bei uns spielt Nitrat keine Rolle“, betont der Sprecher der Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserversorgung (OOWV). Noch jedenfalls, denn alles deutet darauf hin, dass sich das in Zukunft dramatisch ändern kann. Sollte weiter so viel Dünger in den Boden einsickern wie in den vergangenen Jahrzehnten, werde die Aufbereitung von Trinkwasser auch für den Verbraucher deutlich teurer werden, warnte jetzt das Umweltbundesamt. Eine vierköpfige Familie müsste bis zu 134 Euro mehr pro Jahr bezahlen.

Eine Warnung, die vor allem Niedersachsen betrifft, denn zwischen Emden und Einbeck sind die Böden mit am stärksten belastet. Bei Messungen des Wasserschutzamts NLWKN sind zuletzt bei 41 Prozent der oberflächennahen Grundwasser Nitratbelastungen von über 50 Milligramm pro Liter gemessen worden. Vor allem die Agrarregionen im Westen Niedersachsens sind betroffen, aber auch die Kreise Rotenburg, Celle und die Region Hannover.

Es kommt irgendwann unten an

Ein Problem, das im Wortsinne vielschichtig ist: Die Messungen des NLWKN werden in oberflächennahen Grundwassern in bis zu 20 Metern Tiefe gemacht. Trinkwasser wird aber aus 60 bis 100 Meter gefördert. Dort sind die Werte besser, aber grundsätzlich gilt: Was oben reinsickert, kommt irgendwann unten an. Nicht eins zu eins, aber es verschwindet auch nicht einfach. Die EU-Kommission hat im vergangenen Herbst Deutschland wegen seines mangelnden Grundwasserschutzes verklagt. Es drohen Milliarden-Strafzahlungen. Wobei nicht immer ein gesamtes Grundwassergebiet belastet sein muss: In Extremfällen genügt es, dass einzelne Messstellen stark verunreinigt sind, dann wird das ganze Gebiet als belastet eingestuft, auch wenn an der Mehrzahl der Messstellen die Grenzwerte eingehalten werden.

Auf der Suche nach der Ursache landet man immer wieder bei der Landwirtschaft: Mancherorts machten sich jetzt erst die Sünden systematischer Überdüngung seit den Siebzigerjahren bemerkbar, heißt es in einer Erklärung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) fordert ein Umdenken in der Agrarpolitik: „Wir wollen verstärkte Kontrollen“, sagte er. Der Trinkwasserschutz sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der sich auch die Landwirtschaft verpflichtet fühlen müsse.

Gärreste verhageln die Bilanz

Volker Hahn, Vorsitzender des Landvolks in der Region Hannover, sieht die Bauern zu Unrecht an den Pranger gestellt. Es sei „eine Milchmädchenrechnung“, die Landwirtschaft alleine für die Belastung verantwortlich zu machen. So seien seit den Neunzigerjahren die Nitratwerte für etwa zehn Jahre gesunken.

Doch 2006 setzte der Biogas-Boom ein - und die Gärreste aus den Bottichen kamen ebenfalls auf die Felder. Diese Reste sind genauso nährstoffreich wie Dünger, tauchten aber nicht in der Bilanz auf - und das führte vielerorts zur Überdüngung, weil die Gülle natürlich trotzdem ausgebracht wurde, bestätigt OOWV-Sprecher Meister.

Mit einer strengen Düngeverordnung, die Länder und Bund ausgehandelt haben, soll dem jetzt ein Riegel vorgeschoben werden: Über Gärreste und Dünger muss seit Mai sauber Buch geführt werden: Wer mehr Dünger auf seine Felder kippt als erlaubt oder den Verbleib von Gärresten nicht erklären kann, dem drohen Strafen. Das soll nicht nur zu einer besseren Verteilung, sondern auch zu einer Reduktion führen. „Es wird in den Überschussregionen einen Rückgang der Tierzahlen geben müssen“, sagt Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) mit Blick auf die viehreichen Regionen im Westen Niedersachsens.

Für Landwirt Hahn ist das im Kern der entscheidende Schritt: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mit dieser Verordnung einen großen Schritt dahin machen werden, dass die Nitratwerte wieder besser werden.“ Meyer ist zurückhaltender: „Das ist ein erster Schritt. Ob es einen verbesserten Schutz gibt, muss man abwarten. Bis man eine Verbesserung erreichen kann, wird es viele Jahre dauern.“

Das Scheitern der geplanten Klinikfusion zwischen Emden, Aurich und Norden hat in der Region unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Ein Sprecher der Stadt Emden bedauerte den Ausgang des Bürgerentscheids von Sonntagabend. In Aurich hatte sich dagegen eine Mehrheit für die Fusion ausgesprochen.

12.06.2017
Panorama Ermittlungen wegen Tierquälerei - Drei Rehkitze von Mähfahrzeugen getötet

Bei Mäharbeiten sind am Montag im Landkreis Wittmund drei Rehkitze getötet worden. Die Tiere hatten sich im Gras versteckt. Trotz Warnungen der Järgerschaft seien die Mähmaschinen ohne vorherige Kontrolle über das Feld gefahren. Es wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Tierquälerei eingeleitet. 

12.06.2017

Damit haben die Teilnehmer eines Rennens im amerikanischen Colorado nicht gerechnet: Während sie sich schwitzend über die Strecke quälen, quert ein nicht eingeladener Gast die Straße.

12.06.2017