Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Tresorraub entlarvt internationale Bande
Mehr Welt Panorama Tresorraub entlarvt internationale Bande
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:57 14.10.2016
In Hildesheim gestohlen, in Göttingen in der Grone versenkt: Ein geknackter Tresor. Quelle: dpa
Hildesheim

Inzwischen wird mit 16 Haftbefehlen nach einer Bundmetallbande gesucht, größtenteils europaweit. Sie stehen im Verdacht, seit 2014 in großen Stil vor allem im norddeutschen Raum erst Lastwagen und Anhänger, dann massenweise Buntmetall zu stehlen, das sie im Ruhrgebiet und am Niederrhein versilbern. Der Schaden liegt nach Schätzung der Ermittler im Millionenbereich. Die Bandenmitglieder sollen aus Bosnien-Herzegowina stammen und zur Volksgruppe der Roma gehören. Unter Verweis auf Verfolgung in ihrer Heimat haben sie in Deutschland Asyl beantragt und Duldungspapiere bekommen.

Zwei Tresore samt 8000 Euro Münzgeld gestohlen

Ausgerechnet ein kurioser Einbruch in einem Hildesheimer Freibad hat den Polizisten bei ihrer Arbeit entscheidend weitergeholfen. So sollen fünf Bandenmitglieder im Juli vergangenen Jahres das Kassenhäuschen des Jobads geknackt und zwei Tresore samt 8000 Euro Münzgeld gestohlen haben. Die Beute transportieren sie zu Komplizen nach Göttingen, wo sie die Panzerschränke auftrennten und danach in das Flüsschen Grone warfen. Dabei fielen sie jedoch Zeugen auf, die das Nummernschild ihres Autos der Polizei meldeten.

21,8 Kilogramm Münzen

Der Wagen mit mehreren Insassen wurde Stunden später im 250 Kilometer entfernten Bremervörde von der Polizei gestoppt - wegen aggressiver Fahrweise. Die Gruppe - vier Männer und eine Frau - hatte auffällig viele Münzen dabei, exakt 2226,69 Euro. Das Geld wog satte 21,8 Kilogramm und war zum Teil noch in Rollen eingepackt. Dass es aus dem Einbruch stammte, konnten die Polizisten in Bremervörde allerdings nicht wissen. Auch nicht, was die Ermittler in Hildesheim später herausfanden: Einige der Bandenmitglieder waren mit der Frau nach Bremervörde gefahren, um deren dort inhaftierten Ehemann mit dem gerade erbeuteten Geld auszulösen.

Obwohl es in Bremervörde für einen Haftbefehl nicht reichte und die mutmaßlichen Tresorknacker an jenem Tag wieder auf freien Fuß kamen, wurde die Luft für sie nun deutlich dünner. Durch die Tresor-Eskapade erfuhren die Hildesheimer Ermittler von der Zentralen Kriminalinspektion deutlich mehr über den Familienclan und seine Arbeitsweise.

Richtlinie: "Man zahlt nicht für Benzin"

Bei den Verdächtigen handelt es sich um Täter, die in der Vergangenheit bereits in Italien, Spanien, Frankreich und Benelux aufgefallen waren. Die Liste ihrer Straftaten reicht von Betrug über Fälschungsdelikte und Unterschlagung bis zu groß angelegtem Diebstahl. „Man zahlt nicht für Benzin“, habe eine der Richtlinien des zwielichtigen Unternehmens gelautet, berichtet einer der Ermittler. „Und wenn man im Kassenbereich der Tankstellen aufgetaucht ist, dann höchstens, um etwas zu stehlen.“ Auch Europol und Interpol lieferten Erkenntnisse. Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat jetzt eine Reihe von Haftbefehlen erwirkt. Festnahmen stehen allerdings noch aus.

Ermittlungen sind schwierig

Die Ermittlungen gegen die Bande sind schwierig, bis zu zehn Ermittler arbeiten mit der Staatsanwaltschaft Göttingen an dem Tatkomplex. Dolmetscher sind vonnöten und alles, was die moderne Kriminaltechnik hergibt. Die Bandenmitglieder ändern ihre Namen, ihr Aussehen, Bärte, Haare, Brillen, alles was geht. Doch da sind auch Fingerabdrücke und DNA-Treffer in den internationalen Datenbanken, und die lügen nicht. Und dann gibt es Lichtblicke - wie die Sache mit den Tresoren aus dem Freibad und der Kontrolle vorm Gefängnis. Weil sie den Ermittlern Antworten auf drei zentrale Fragen geben: Wer? Was? Und: Mit wem?

So wachsen Schritt für Schritt die Erkenntnisse über die Bande. Familienstammbäume, Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen, Täterbiografien inklusive. „Ich vermute, unser Ermittlungsführer hat schon von denen geträumt“, sagt Matthias Schroweg, der Chef der Zentralen Kriminalinspektion.

Von Christian Wolters

Bau-Posse in Northeim: Mehrere Parkplätze verschwinden plötzlich und werden in eine Grünfläche umgewandelt. Als Anwohner bei der Stadt nachhaken, werden die Baumaßnahmen schnell wieder rückgängig gemacht. Kosten: 11.000 Euro. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Stadtverwaltung.

14.10.2016
Panorama Messerangriff in Schweden - Grusel-Clowns erreichen Europa

Seit Wochen terrorisieren vermeintliche Spaßvögel mit Clownsmasken die Menschen in den USA. Nun schwappt der Trend nach Europa. Aus dem Spaß wurde in Schweden bitterer Ernst. Ein Jugendlicher wurde mit einem Messer verletzt.

14.10.2016

Diese Wende im Fall Peggy stellt die Ermittler vor neue Rätsel. Hat der NSU-Terrorist Böhnhardt die neunjährige Peggy getötet? Wurden die DNA-Proben im Labor verwechselt? Ein Überblick der drängendsten Fragen.

14.10.2016