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Panorama Tepco leitet radioaktives Wasser aus Fukushima ins Meer
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18:58 04.04.2011
Der Energiekonzern Tepco begann am Montag damit, 11.500 Tonnen Abwasser in den Pazifik zu pumpen. Quelle: dpa

In der Atomruine von Fukushima steht inzwischen so viel Wasser, dass der Betreiber Teile der radioaktiven Brühe ins Meer ableiten muss. Der Energiekonzern Tepco begann am Montag damit, 11.500 Tonnen Abwasser in den Pazifik zu pumpen, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Es sei nur leicht verstrahlt, versicherte das Unternehmen. Gleichzeitig kämpfen die Arbeiter weiter gegen ein Leck, aus dem unkontrolliert stark verseuchtes Wasser in den Ozean strömt.

Wie der Energiekonzern mitteilte, soll in einer Speicheranlage auf dem Kraftwerksgelände Platz geschaffen werden, um stärker strahlendes Abwasser lagern zu können. Dies sei nötig, weil vor allem im Turbinenraum von Block 2 sehr viel Flüssigkeit stehe, erklärte Tepco. Aus dem Block konnte die giftige Brühe bisher nicht abgepumpt werden, weil es an Tanks fehlt. Dies wiederum hindert die Arbeiter an weiteren Versuchen, die Lage in Fukushima in den Griff zu bekommen. Die Helfer stehen vor einem Dilemma: Sie leiten immer mehr Wasser zum Kühlen der Reaktoren ein, wissen dann aber nicht, wohin damit.

Regierungssprecher Yukio Edano bezeichnete das Ablassen des Wassers ins Meer als alternativlos. Größere Gesundheitsrisiken befürchte die Regierung nicht. Der Professor für Reaktorsicherheit an der Uni Aachen, Hans-Josef Allelein, kritisierte hingegen das Vorgehen. „Wir sind jetzt in der dritten Woche nach dem Störfall. Da hätte man auf dem Gelände Betontanks bauen können, in denen das Wasser zumindest zwischenzeitlich lagern könnt“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die 11.500 Tonnen entsprechen 11,5 Millionen Liter.

Zudem macht den unter Lebensgefahr arbeitenden Helfern undichte Stellen zu schaffen, über die hoch radioaktives Wasser unkontrolliert ins Meer strömt. Wasser hatte sich im Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 2 sowie in einem tunnelförmigen Verbindungsrohr angesammelt. In dem Reaktor war es an den Brennstäben zu einer Kernschmelze gekommen. Die Verstrahlung des Wassers mit Jod-131 liegt laut Tepco um das 10.000-Fache über der gesetzlichen Höchstgrenze.

Zunächst war versucht worden, einen am Wochenende entdeckten 20 Zentimeter langen Riss mit Zement zu schließen. Als dies nichts brachte, gossen die Männer das Bindemittel, das zusätzlich mit Sägemehl und geschredderten Zeitungen angereichert wurde, durch ein Loch in das Verbindungsrohr.

Als auch dies nicht wirkte, kippten die Arbeiter am Montag ein weißes Färbemittel in das Wasser, um seinen genauen Verlauf in der Anlage festzustellen. Doch das gefärbte Wasser kam nicht bei den Abflussausgängen an. Nun wird befürchtet, dass das Wasser aus Gesteinschichten heraus sickere, berichtete die Agentur Jiji unter Berufung auf Tepco.

Während die Suche nach dem genauen Wasserlauf weitergeht, erwägt Tepco, im Meer Barrieren zu errichten, um eine Ausbreitung radioaktiver Partikel in den Pazifischen Ozean einzudämmen. Dies wird laut Atomaufsichtsbehörde vermutlich einige Tage dauern.

Mit einem Spezialschiff will Russland beim Abpumpen von verstrahltem Wasser helfen. Die schwimmende Aufbereitungsanlage „Landysch“ (Maiglöckchen) war vor zehn Jahren für etwa 35 Millionen US-Dollar (heute rund 25 Millionen Euro) von Japan finanziert worden, um Abfall von ausgemusterten russischen Atom-U-Booten unschädlich zu machen.

Kritik an Tepco kommt nun auch von der Internationalen Atomenergiebehörde. „Rückblickend betrachtet waren die Maßnahmen des Betreibers nicht ausreichend, um diesen Unfall zu verhindern“, sagte IAEA-Chef Yukiya Amano am Montag in Wien. In seiner ersten Reaktion am 14. März hatte Amano noch kaum kontrollierbare Naturkräfte für den Unfall in Fukushima verantwortlich gemacht - und nicht etwa menschliches Versagen.

Offensichtlich entweicht nicht nur über das Wasser Radioaktivität in die Umwelt, sondern auch über die Luft. Auch mehrere Gemüsesorten sind bereits verstrahlt und dürfen auf Weisung der Behörden nicht mehr verkauft werden. Das trifft die Landwirtschaft schwer. In der Unglücksprovinz Fukushima, wo auch das havarierte Kernkraft liegt, sind nun auch in Shiitake-Pilzen radioaktive Substanzen gefunden worden.

Das Kraftwerk Fukushima Eins wurde bei dem Erdbeben vom 11. März stark beschädigt. Seitdem kämpfen die Arbeiter darum, die Kontrolle über die Atomruine zurückzugewinnen. Nach dem Beben der Stärke 9,0 und dem anschließenden Tsunami gelten 28.000 Menschen als tot oder vermisst. Die Zahl der bestätigten Todesfälle liegt inzwischen bei rund 12.260, wie der Fernsehsender NHK unter Berufung auf die Polizei meldete.

Wegen der ungelösten Atomkrise in Fukushima zweifelt die japanische Regierung inzwischen an den eigenen Klimaschutzzielen. Es könne sein, dass das Ziel einer Reduzierung der CO2-Emissionen um 25 Prozent im Vergleich zum Stand von 1990 überdacht werden muss, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Atomenergie ist weitgehend CO2-frei und war daher für die Klimaziele fest eingeplant.

dpa

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