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Panorama Telefon von Stasi-Chef Mielke wieder gefunden
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21:41 24.02.2015
Schnörkellose Zentrale: Hier griff Stasi-Chef Mielke gerne mal zum weißen
 Telefon (im Bild hinten links). Quelle: dpa
Berlin

Zu den ungelösten Rätseln der untergegangenen DDR zählt die Menge der Orden, Ehrenzeichen und Auszeichnungen von Erich Mielke. Niemand kann exakt aufzählen, wie viel Blech sich der ewige Stasi-Chef theoretisch an die Brust hätte heften können. Vermutlich wäre auch der Rücken nötig gewesen, denn mehr als 200 Auszeichnungen waren es bestimmt. Die DDR war ja ohnehin mit Orden und Ehrenzeichen überreichlich gesegnet. Konnte man seinen Bürgern schon kein richtiges Geld für richtige Arbeit bieten, gab es immerhin Blech für verdientes Mittun im
Kollektiv – wie etwa den Ehrentitel
Verdienter Werktätiger der Nahrungsgüterindustrie der Deutschen Demokratischen Republik.

Im Fall Mielke mussten seine Genossen in den späteren Jahren der Existenz des realsozialistischen Ordensparadieses auf die Praxis zurückfallen, ihrem Herrn bereits erhaltene Orden zum zweiten (Verdienter Angehöriger der Grenztruppen, 1987), vierten (Lenin-Orden, zum 80. Geburtstag) oder gar siebten Mal (Karl-Marx-Orden) zu verleihen.

Nippes des Schreckens

Andere Werktätige waren deutlich kreativer und beehrten den Chef von „Horch und Guck“ mit ästhetisch grenzwertigen, aber propagandistisch einwandfreien Mitbringseln. In Mielkes Arbeitszimmer fanden sich Geschenke aus dem Lausitzer Tagebau: ein Brikett mit der Prägung „30 Jahre DDR“ und Kohlestücke mit der Prägung „25 Jahre MfS“. Derartige DDR-Grotesken fanden auch Diebe interessant, die 2007 und 2008 die stellenweise eben doch lückenhafte Überwachung im Spätkapitalismus ausnutzten und ins Stasi-Museum in Berlin-Hohenschönhausen einbrachen. Sie verschleppten die Briketts, einen Eishockeyschläger aus Moskau, einen Holzteller mit Lenin-Porträt – und Mielkes weißes Diensttelefon.

Wer auch immer diesen Nippes mit der Aura des Schreckens entwendet
hatte – jetzt ist er ihn wieder los. Die Berliner Polizei war kürzlich auf der Spur eines 32-Jährigen, der wegen Kircheneinbrüchen gesucht worden war. In
 einem Neuköllner Keller fanden sie zwischen den gesuchten sakralen Gegenständen auch den verstaubten Stasi-Kitsch aus dem Mielke-Büro. Allein das Lenin-Holzbrett fehlt. Möglicherweise dient es heute revolutionären Träumern als Frühstücksbrettchen.     

Jan Sternberg

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