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08:51 27.12.2017
Da Großstädte als attraktivere Wohn- und Arbeitsorte gelten als das Land, suchen Experten seit Jahren nach Wegen, junge Mediziner wieder in die Kleinstädte und Dörfer zu bekommen. Quelle: Armin Weigel
Hannover

  Die Versorgung mit Ärzten ist derzeit in Niedersachsen noch gut - es gibt nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) noch kein Gebiet, das statistisch gesehen unterversorgt ist. Dennoch sei damit zu rechnen, dass in den kommenden zehn Jahren viele Ärzte auf dem Land in den Ruhestand gehen und nicht jede Praxis wieder besetzt werden könne. Da Großstädte als attraktivere Wohn- und Arbeitsorte gelten als das Land, suchen Experten seit Jahren nach Wegen, junge Mediziner wieder in die Kleinstädte und Dörfer zu bekommen.

Wie ist es derzeit um die Hausarztversorgung im Land bestellt?

In Niedersachsen gibt es derzeit nach Ministeriumsangaben 354,5 freie Hausarztsitze. Dennoch sehen Experten derzeit keine Unterversorgung. Davon spricht man, wenn der Versorgungsgrad in einem Planungsbereich unter 75 Prozent fällt. Da gibt es zwar zahlreiche Städte und Kreise, wo er unter 100 Prozent liegt - in Bremerhaven etwa bei derzeit 78,5 Prozent. Es gibt aber auch viele Regionen, wo der Versorgungsgrad bei deutlich über 100 Prozent liegt - zum Beispiel in Einbeck mit 134,1 Prozent. „Überwiegend sieht es noch relativ gut aus“, sagt dazu der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Uwe Köster. 

Wo sieht es denn besonders schlecht aus?

Schwierige Versorgungssituationen mit einem Versorgungsgrad von weniger als 90 Prozent gibt es außer in Bremerhaven in Bremerhaven-Nord, Buxtehude, Harburg-Nord, Leer-Süd, Melle, Nienburg, Stadthagen, Stolzenau, Syke und Wolfsburg-Umland. 

Was ist bislang umgesetzt?, etwa bei dem Vorhaben, mehr Medizin-Studienplätze zu schaffen?

 Die Landesregierung hat im Koalitionsvertrag vereinbart, dass die Anzahl der Medizinstudienplätze um bis zu 200 zusätzliche in Niedersachsen deutlich erhöht werden soll. Das soll mit dem Ausbau der Hochschulmedizin in Oldenburg geschehen und mit der Umwandlung der Teilstudienplätze in Vollstudienplätze in Göttingen. In Oldenburg wird dabei auch eng mit der Uni im niederländischen Groningen kooperiert. In Göttingen werden erste Sondierungsgespräche mit dem Kinikum in Braunschweig für eine Kooperation geführt. In Braunschweig könnte ein zusätzlicher klinischer Campus entstehen. 

Es gibt auch ein Stipendienprogramm des Landes und der Kassenärztlichen Vereinigung, wie stark wird das abgerufen?

Bei dem Programm erhalten Studenten bis zu vier Jahre lang 400 Euro monatlich, wenn sie sich im Gegenzug dazu verpflichten, nach ihrem Studium eine gewisse Zeit als Hausarzt auf dem Land in Niedersachsen zu arbeiten. Aktuell laufen 16 Stipendien, 3 weitere wurden beantragt und die Förderung wird voraussichtlich in Kürze starten können. Somit sind laut KVN 2018 insgesamt 19 Studierende mit einem Stipendium bedacht. Die Antragssteller kommen unter anderem von Hochschulen und Unis in Hannover, Bochum, Leipzig oder Hamburg. 

Der Landkreis Emsland hat 2014 ein eigenes Förderprogramm für Nachwuchsmediziner aufgelegt und bislang - vom 1. August 2014 bis zum 31.10.2017 - an sechs Stipendiaten 77.000 Euro gezahlt. Sie bekommen 500 Euro im Monat für die Regelstudienzeit von 75 Monaten. Gelder flossen auch an Studierende, die ihre Famulatur und ihr Praktisches Jahr im Emsland absolviert haben, aber auch an Ärzte, die sich zum Facharzt für Allgemeinmedizin weitergebildet haben. Insgesamt investierte der Landkreis in dem Zeitraum rund 400.000 Euro in die Gewinnung von Nachwuchsmedizinern. Der Landkreis hat auch ein Förderprogramm für die Niederlassung von Hausärzten.  

Im Wahlkampf hatte Ministerpräsident Stephan Weil (CDU) eine „Landarztquote“ gefordert – wie weit ist sie gediehen?

Die Landarztquote, bei der ein Teil der Studienplätze an Studierende vergeben wird, die sich verpflichten, nach dem Examen Landarzt zu werden, ist Teil des „Masterplans Medizinstudium 2020“. Darauf hatten sich Bund und Länder im Frühjahr geeinigt. In Niedersachsen ist davon die Rede, dass zehn Prozent der neu geschaffenen Medizinstudienplätze für die Quote vorgesehen sind. Allerdings: Erst müssen die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen und mit den anderen Bundesländern abgestimmt werden. Das Land setze in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung auf zahlreiche Anreize zur Ansiedelung von Landärzten. Nach zwei Jahren solle geschaut werden, ob und welche Instrumente wirken, sagt dazu Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann. „Gegebenenfalls müssen wir dann weitere Maßnahmen ergreifen. Dazu gehört als Option dann sicher auch die Landarztquote.“ 

Von  Elmar Stephan/dpa

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