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Panorama Wiesenhof will Schlachterei aufbauen
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19:51 06.04.2016
Von Karl Doeleke
„Ein gutes Signal“: Ministerpräsident Stephan Weil (2. v. li.) und Wirtschaftsminister Olaf Lies (li.) vor der Brandruine. Quelle: dpa
Lohne

Der Wind bläst hin und wieder etwas Asche herüber, und es riecht noch immer nach Feuer. Vor verrosteten Stahlgerippen, die bis Ostermontag die Hähnchenschlachterei von Wiesenhof in Lohne zusammengehalten haben, stehen zehn Tage nach dem Großbrand Ministerpräsident Stephan Weil und sein Wirtschaftsminister Olaf Lies (beide SPD). Sie haben soeben mit Vertretern der Eigentümerfamilie Wesjohann über die Zukunft des Schlachthofes im Kreis Vechta gesprochen, und Weil kann immerhin eine positive Nachricht verkünden: Wiesenhof habe zugesagt, den Schlachthof wieder aufzubauen. Das sei ein gutes Signal.

„Der Brand war ein schlimmer Schlag für das Unternehmen und die Menschen im Unternehmen“, sagt Weil. Die Nachricht vom Wiederaufbau könnte den 750  Festangestellten und 450 Leih- und Werkvertragsarbeitern also Hoffnung geben, doch auch am Mittwoch bleibt große Unsicherheit, was mit ihnen geschehen wird. Denn es wird dauern, bis der Schlachthof wieder steht. Allein der Abriss wird nach Angaben des Bauleiters Klaus Theisen sicherlich drei Monate brauchen. Bis zur Wiederaufnahme des Betriebs, dürften zwei Jahre vergehen.

Was wird solange aus den Beschäftigten? Die Angaben zu den Mitarbeiterzahlen bei Wiesenhof und den geretteten Jobs purzeln an diesem Mittwoch etwas durcheinander. Von 750 Menschen spricht Weil, die weiter Arbeit hätten, das sei die Hälfte der 1500 Mitarbeiter bei Wiesenhof. Das Unternehmen hatte bisher immer von 1200 Menschen gesprochen, die in Lohne beschäftigt seien. Und von 350, die ab Mitte Mai wieder in der Zerlegung und Verpackung arbeiten könnten.

Sie haben beide recht. 1500 Menschen arbeiten insgesamt auf dem Gelände. 1200 sind es in der vom Brand betroffenen Geflügelfleischproduktion. Wenn ab Mitte Mai in Möckern in Sachsen-Anhalt geschlachtete Hähnchen in Lohne zerlegt und verpackt werden, gibt das 350 Menschen in der Produktion Arbeit. Hinzu kommen weitere Menschen in Verwaltung, Reinigung und anderen Bereichen, die nicht vom Brand betroffen sind. Am Ende dürften es 750 Menschen sein, die nach dem Brand noch bei Wiesenhof Arbeit haben.

Und die anderen? Ihr Schicksal ist offen. Von Wiesenhof hat sich am Mittwoch niemand zu Wort gemeldet. Bereits am Dienstag hatte sich Peter Wes­johann, der Vorstandsvorsitzende der PHW-Gruppe, zu der Wiesenhof gehört, entschuldigt: Auch am Tag des Besuchs aus Hannover werde er noch nicht verbindlich sagen können, wie viele Arbeitsplätze in Lohne dauerhaft erhalten bleiben.

100 Leiharbeiter arbeitslos gemeldet

Das muss man als aktuellen Stand festhalten. Bisher sei keinem Festangestellten gekündigt worden, heißt es am Mittwoch nach einem Runden Tisch mit Wirtschaftsminister Lies, Betriebsrat, Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), der Arbeitsagentur Vechta und weiteren im Lohner Rathaus. Etwa 100 Leiharbeiter sind derzeit bei der Arbeitsagentur Vechta arbeitslos gemeldet. Die Arbeitsagentur ist zuversichtlich, ihnen neue Jobs vermitteln zu können. Einer der großen Subunternehmer hat angekündigt, seine Werkvertragsarbeiter vorerst weiter zu bezahlen. Er ist offenbar gegen Betriebsausfall versichert.

Ob auch Wiesenhof eine solche Versicherung hat, bleibt an diesem Tag unklar – sehr zum Missmut von Wirtschaftsminister Lies und dem Gewerkschaftssekretär Matthias Brümmer von der NGG. Bevor nicht klar sei, ob es eine solche Versicherung gebe, die Löhne und Gehälter weiter abdecke, werde die NGG nicht über einen Sozialplan verhandeln. „Solange muss Wiesenhof die Gehälter weiter bezahlen“, sagt Brümmer.

Die Gewerkschaft will sich in erster Linie um die Festangestellten kümmern. Sie stört, dass 40 Prozent der geretteten Jobs an Leiharbeiter gehen sollen, einer Betriebsvereinbarung bei Wiesenhof entsprechend. Die NGG will einen größeren Anteil Festangestellte. Lies will das auch: „Wir streben ein Verhältnis von 80 zu 20 an.“

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