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Panorama Baustellen bremsen Autobahn-Verkehr
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11:54 16.08.2014
Baustellen sorgen für Stress und werden zum Teil zur Gefahr. Quelle: dpa
München

Das bayerische Dorf Allershausen ist für viele Autofahrer ein Synonym für Mega-Autobahnstau. Seit Monaten ärgern sich tausende Pendler über die Engstelle - und zur Ferienzeit stecken auch unzählige Urlauber fest. 17 Kilometer lang ist die Baustelle an der A9 in Richtung Nürnberg, zeitweise staut sich der Verkehr bis nach München zurück. Die Autobahn ist - wie viele andere in Deutschland - in die Jahre gekommen. Bis zu 300 Arbeiter bauen sie nun aus - jeden Tag rund um die Uhr. Ein gefährlicher Job, für den sie von genervten Autofahrern oft beschimpft werden.

„Die Arbeiter haben einen extrem stressigen Job - und sie arbeiten für die Allgemeinheit“, sagt Josef Seebacher, Sprecher der Autobahndirektion Südbayern. Er appelliert an das Verständnis der Autofahrer. Bis zu 150 000 Fahrzeuge passieren täglich bei Allershausen die Baustelle. Um die Arbeiter zu schützen, sei das Tempo hier auf 60 Stundenkilometer gedrosselt worden. Zudem werde von der Polizei intensiv kontrolliert und geblitzt. Anders ließen sich viele Autofahrer nicht bremsen, sagt Seebacher. „Am Steuer bricht irgendwie das Schlechte im Menschen durch.“

Ein großer Teil der Autobahnen wurde in den 70er- und 80er-Jahren gebaut. Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von 30 Jahren seien sie nun alle in einem kritischen Alter, erklärt Seebacher. Brücken hätten eine Haltbarkeit von bis zu 80 Jahren und müssten nach etwa 30 bis 40 Jahren instand gesetzt werden. „Wenn das zu teuer wird, reißen wir eine Brücke ab und bauen neu.“
Auf die Autofahrer kommen also in den nächsten Jahren noch mehr Baustellen zu. „Warum soll ich mich aufregen?“, fragt die Unternehmerin Gabriele Lippert. Sie fährt mehrmals im Monat aus dem sächsischen Vogtland nach München, die Handwerker ihres Betriebes pendeln jede Woche. „Wir wollen ja, dass gebaut wird, damit man dann schneller vorankommt.“ Bis zwei Stunden länger dauere die Fahrt zurzeit. „Wir hoffen einfach, dass die Baustelle bald vorbei ist.“

Immer öfter geht die Autobahndirektion dazu über, eine große Baustelle über einen längeren Streckenabschnitt einzurichten, statt vieler kleiner. In dieser einen Großbaustelle wird gleich alles Notwendige erledigt - auch eine Brücke, die vielleicht erst in zwei Jahren fällig wäre. Da passiert es Seebacher zufolge auch, dass nicht gleichzeitig in jedem Baustellenabschnitt gearbeitet wird. Worüber sich manche Autofahrer vielleicht ärgern.

Auf den 17 Kilometern bei Allershausen werden innerhalb von sechs Monaten der Standstreifen zu einer vierten Spur ausgebaut und 27 Brücken saniert. Standstreifen sind dünner gebaut, weil sie weniger belastet werden. Um sie für Lastwagen freigeben zu können, müssen sie erneuert werden. 2015 folgt das gleiche Projekt in der Gegenrichtung.

„Wir wollen den Verkehr so wenig möglich behindern“, sagt Seebacher. „Wir können es uns nicht leisten, die Hauptverkehrsadern unnötig lange zu unterbrechen.“ Getrödelt wird auf den Baustellen nicht. Allein die Nachtarbeit erhöhe die Baukosten um 25 Prozent. Wenn Baufirmen Termine nicht einhalten, müssen sie Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) zufolge Strafe zahlen. Rund 450 Millionen Euro investiere der Freistaat 2014 in die Autobahnen.

Bruno Seufert ist meist dabei, wenn es in Bayern eine Autobahn-Großbaustelle gibt. Der 54-Jährige ist bei Allershausen einer der Projektleiter. Mit einer orangefarbenen Warnweste geht er die Baustelle entlang. Etwas entfernt rollen Bagger über den sandigen Untergrund und verschwinden fast in einer Staubwolke. Im Hintergrund reiht sich Auto an Auto, Lastwagen an Lastwagen.

Der Baubereich reicht direkt an die Autobahn heran, Sattelzüge rollen vorbei - trotz der Tempobeschränkung wirkt es aus der Nähe, als würden sie rasen. „Sicherheitsabstand ist mindestens 80 Zentimeter“, sagt Seufert. Manchmal müssen die Arbeiter noch näher ran an die Autos. „Wenn ein Lkw den Außenspiegel tief hängen hat, kann es eng werden.“ Deswegen ist höchste Konzentration gefordert. Die Arbeiter müssen den Verkehr immer mit im Blick haben - und auch mal zur Seite springen. „Die Gefahr ist immer da, an sie gewöhnt man sich nie - und das ist auch gut so.“

dpa

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