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00:17 14.12.2017
Das Miteinander zählt: Familie am Strand in Cuxhaven. Quelle: dpa
Hannover/Gütersloh

Jetzt ist es amtlich: Die Niedersachsen verstehen sich als Gemeinschaft. Mehr als die Bewohnern anderer Bundesländer. Und auch dort ist der Zusammenhalt besser, als viel Deutsche es glauben. 

Die Bertelsmann-Stiftung hat untersucht, wie es um den Gemeinsinn in der Bundesrepublik steht.  Bei Veröffentlichung der Studie am Montag in Gütersloh wurde vermeldet: Die höchsten Zusammenhaltswerte trafen die Forscher im Saarland, in Baden-Württemberg und Bayern an. Der niedrigste Wert findet sich mit 57,06 in Sachsen. Niedersachsen erreichte einen Gesamtindex von 62,14 Punkten, was über dem Schnitt der Bundesländer (61,37) liegt. Der schlechtestmögliche Wert wäre 0 gewesen, der beste 100. 

Nur bei Fragen nach den sozialen Netzen, also dem Kontakt zu Freunden, Nachbarn und Kollegen, und beim Gerechtigkeitsempfinden lagen die Werte in Niedersachsen unter dem deutschen Schnitt. Damit sieht es aber generell nicht gut aus: Nur ein sehr kleiner Teil der Befragten ist der Meinung, dass es bei der Verteilung wirtschaftlicher Güter gerecht zugeht.

Hohe Akzeptanz anderer Werte

Besonders gut ist in Niedersachsen mit 80,53 der Umfragewert in puncto gesellschaftliche Vielfalt ausgefallen –  sprich: das Akzeptieren von Menschen mit anderen Wertvorstellungen. In ganz Deutschland liegt der Zustimmungswert in diesem Bereich bei 79 Punkten, was wiederum das beste Ergebnis der Befragung in allen Punkten war. 

Die besten Werte für Zusammenhalt erreichte innerhalb Niedersachsens die Region rund um Braunschweig, Salzgitter, Wolfsburg, Gifhorn, Helmstedt, Peine und Wolfenbüttel. Der niedrigste Wert findet sich in der Gegend um Harburg, Lüneburg, Rotenburg (Wümme) und Stade.

Grundsätzlich, vermerkt die Stiftung, tue sich „eine deutliche Spaltung beim sozialen Miteinander“ auf, und zwar „zwischen strukturschwachen und wohlhabenden Regionen“ sowie zwischen Ost und West. In den ostdeutschen Bundesländern sei das Gemeinschaftsgefühl schwächer, was vor allem an dem geringeren wirtschaftlichen Wachstum sowie an höheren Armuts- und Arbeitslosigkeitsraten liege.  

Ausländeranteil spielt keine Rolle

Wie viele Ausländer und Migranten in einer Region oder einem Bundesland leben, spielt nach Ergebnissen der Studie für den Zusammenhalt  aber keine Rolle. Besonders herausgestrichen haben die Wissenschaftler, dass insgesamt eine zunehmende kulturelle Vielfalt im Land – sprich: Menschen, die anders aussehen, denken oder leben als die Mehrheit – das Miteinander in Deutschland nicht schwäche.

Trotz des insgesamt guten Ergebnisses haben die Umfragen ergeben, dass etwa drei Viertel der Befragten den gesellschaftlichen Zusammenhalt zumindest teilweise als gefährdet ansehen. Die Gründe auch hier: Arbeitslosigkeit und Armut. Zugleich schätzten bundesweit 68 Prozent der Befragten das Miteinander in ihrem eigenen Umfeld als gut ein. Lediglich sieben Prozent beurteilen es als schlecht. „Die konkreten Alltagserfahrungen der Menschen sind besser als das, was sie für das gesamte Land vermuten“, sagte dazu Stephan Vopel, Programmleiter der Bertelsmann-Stiftung. „Oder“, fügte er an, „was ihnen öffentliche Debatten dazu spiegeln.“ 

Für die Studie mit dem Titel "Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt" wurden im Frühjahr mehr als 5000 Menschen durch das Sozialforschungsinstitut infas befragt.  Die Bertelsmann-Stiftung hatte verschiedene Kriterien für gesellschaftlichen Zusammenhalt aufgestellt. Dabei ging es um Dinge wie den Glauben an staatliche Institutionen, um das Vertrauen in Mitmenschen, die Identifikation mit der Gemeinschaft oder das Gerechtigkeitsempfinden. Dann wurde anhand dieser Kriterien die Stimmung in Deutschland abgefragt.  Alle deutschen Bundesländer zusammen erreichten Werte zwischen 57 und 63 von 100 möglichen Punkten. 

Was tun für den Zusammenhalt?

Überall da, wo ernste wirtschaftliche Probleme herrschen, identifizieren sich die Menschen nicht sehr gut mit ihrem Umfeld. Das gilt für Regionen, in denen viele Arbeitslose und arme oder von Armut bedrohte Menschen leben, ebenso für Regionen mit einem hohen Anteil von Schulabgängern ohne Hauptschulabschluss. Aber auch Landstriche, die durch eine überalterte Bevölkerung gekennzeichnet ist, fallen in dieses Problemfeld. 

Aber wie ändert man das? Der Bertelsmann-Experte Kai Unzicker hat ermittelt, dass ein positives Gemeinschaftsbild besser für den Zusammenhalt ist als eine negative Identifikation. Gruppen, die sich für etwas einsetzen, erreichen mehr als Gruppen, die gegen etwas sind und sich von anderen (etwa Ausländern) abgrenzen. Um den Zusammenhalt zu stärken, empfiehlt der Soziologe daher  mehr Engagement für soziale Gleichheit und gegen Armut.

Auch die wirtschaftliche Situation in den ostdeutschen Bundesländern müsse verbessert werden, sagte Unzicker. Vor allem auf lokaler Ebene sollte es zusätzliche Maßnahmen geben, um die Mitwirkung der Menschen an Problemlösungen und den Kontakt zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen. Auch die Förderung des Ehrenamts und der Ausbau einer zivilgesellschaftlichen Infrastruktur seien wichtige Bausteine für starken Zusammenhalt. 

Von Bert Strebe

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