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Panorama Stahlwände sollen Pazifik vor Radioaktivität schützen
Mehr Welt Panorama Stahlwände sollen Pazifik vor Radioaktivität schützen
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17:29 09.04.2011
Quelle: dpa

Am zerstörten Atomkraftwerk Fukushima will der Betreiber Tepco mit Stahlwänden eine schlimmere Verseuchung des Pazifiks verhindern. Arbeiter begannen am Samstag, die Barrieren an einem Kanal zwischen dem Meer und Reaktorblock 2 zu errichten. Im 180 Kilometer nördlich gelegenen Kernkraftwerk Onagawa blieb die Lage ruhig. Dort war beim Nachbeben der Stärke 7,1 verseuchtes Wasser übergeschwappt. Nach den bisher heftigsten Erdstößen seit dem Mega-Beben vom 11. März sind noch immer fast 270.000 Haushalte im Nordosten Japans ohne Strom.

Wie der staatliche Nachrichtensender NHK unter Berufung auf den Kraftwerksbetreiber berichtete, ging die Strahlung im Meerwasser vor Fukushima zuletzt wieder deutlich nach oben. In Proben vom Donnerstag war die Jod-Belastung demnach um das 2800-Fache erhöht. Einen Tag zuvor hatte die Strahlung die zulässigen Werte um das 1000-Fache überschritten.

Tagelang war aus Block 2 eine hochgiftige Brühe unkontrolliert in den Ozean geströmt - bis das Leck nach mehreren gescheiterten Versuchen endlich gestopft werden konnte. Doch die Sorge um den Pazifik blieb.

Mit sieben Stahlplatten will der Energiekonzern Tepco nun die Meerwasser-Ansaugleitung an dem Meiler umschließen, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Der Zulauf war schon vor der Katastrophe vom 11. März zwecks Wartungsarbeiten mit Stahlplatten verschlossen worden. Der Tsunami spülte sie aber weg. Auf 120 Metern plant Tepco nun zudem eine Barriere aus Schlamm. Zunächst blieb offen, ob die Sperren am Ufer oder direkt im Meer errichtet werden sollen.

Vom Atomkraftwerk Onagawa gab es bis Samstagnachmittag (Ortszeit) keine neuen Meldungen. Die Anlage, die 180 Kilometer nördlich der Krisenreaktoren von Fukushima gelegen ist, war beim kräftigen Nachbeben in der Nacht von Donnerstag auf Freitag getroffen worden. Einige Liter radioaktiv verseuchten Wassers schwappten aus Abklingbecken für Brennstäbe. Die Kühlung in den drei Reaktoren setzte bis zu 80 Minuten aus, Teile der externen Stromversorgung versagten.

Derweil bezogen in der verwüsteten Stadt Rikuzentakatadie erste Überlebende der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe behelfsmäßig errichtete Häuser. Einer von ihnen ist Eiki Kumagai, dessen Bar von der gigantischen Wasserwalze weggespült worden war. „Ich bin glücklich“, sagte er der Agentur Kyodo. „Als nächstes werde ich nach neuer Arbeit suchen.“

Immer noch harren 150.000 Menschen in den 2400 Notunterkünften aus. Wahrscheinlich starben fast 28.000 Menschen. 15.000 davon gelten weiter als vermisst. In den Trümmern der vom Tsunami getroffenen Regionen fanden die Japaner inzwischen Bargeld in Millionenhöhe. Wie Kyodo berichtete, werden etwa in den Präfekturen Iwate und Miyagi täglich Hunderte Wertgegenstände bei der Polizei abgegeben, darunter Portemonnaies mit Geld. Weil die Behörden es in den meisten Fällen für unmöglich halten, die Besitzer aufzuspüren, fordern Überlebende, das Geld zum Wiederaufbau der verwüsteten Regionen zu verwenden.

Erstmals wollte sich ein Mitglied des japanischen Kabinetts am Samstag an der Atomruine Fukushima Eins ein Bild der Lage verschaffen. Mit seinem Besuch wolle Wirtschafts- und Industrieminister Banri Kaieda den unter Lebensgefahr schuftenden Technikern Mut machen, berichtete Kyodo.

Die Arbeiter füllen weiter Stickstoff ins Reaktorgehäuse von Block 1, um die Gefahr einer Wasserstoff-Explosion wie kurz nach der Havarie zu bannen. Eine weitere Aktion stand kurz vor ihrem Ende. Seit Tagen hatte Tepco Millionen von Litern leicht verstrahlten Wassers ins Meer gepumpt. Damit sollten Tanks frei werden, um dort später wesentlich stärker verseuchte Brühe sicher speichern zu können.

Auf internationalem Parkett versucht die japanische Regierung, Ängste der Nachbarn vor radioaktiv belasteten Lebensmitteln zu zerstreuen. Produkte aus Nippon seien weiter sicher - mit dieser Botschaft reiste Außenminister Takeaki Matsumoto zu einem Ministertreffen der südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN nach Jakarta.

dpa

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