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Panorama Sorge um Japans Atomkraftwerke steigt nach neuem Beben
Mehr Welt Panorama Sorge um Japans Atomkraftwerke steigt nach neuem Beben
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14:38 08.04.2011
Nach dem schweren Erdbeben in Japan sind im abgeschalteten Atomkraftwerk Onagawa mehrere Lecks entdeckt worden. In allen drei Reaktoren sei Wasser auf den Boden geschwappt, teilte der Betreiber Tohoku Electric Power am Freitag mit. Quelle: dpa

Nach dem neuen schweren Erdbeben in Japan richten sich die bangen Blicke auf das AKW Onagawa, in dem radioaktiv verseuchtes Wasser in einem Abklingbecken Sorge bereitet. Bei den Erdstößen der Stärke 7,1 schwappte eine kleine Menge des leicht verstrahlten Wassers aus einem Becken für Brennstäbe. Außerdem wurden Lecks an acht Stellen in der Anlage gefunden, wie der Fernsehsender NHK unter Berufung auf den Betreiber berichtete. Die Strahlung rund um den Meiler, 180 Kilometer nördlich vom Krisen-AKW Fukushima, sei aber nicht erhöht. In mehreren Kernkraftwerken im Nordosten des Landes gibt es Probleme mit dem Strom, die Notversorgung funktioniert aber.

Die Anlagen in Onagawa sind zwar seit dem verheerenden Erdbeben der Stärke 9,0 und dem Tsunami vor vier Wochen abgeschaltet. Die Brennelemente müssen aber weiter gekühlt werden. Dafür wird Strom gebraucht. Die Kühlung setzte nach dem Nachbeben kurzzeitig aus, berichtet der Sender NHK. Mittlerweile funktioniere sie aber wieder. Teile der externen Stromversorgung sind ausgefallen, eine übriggebliebene Energiequelle versorgt die Anlage dem Bericht zufolge aber ausreichend.

Probleme bereitet den Technikern in dem Werk des Betreibers Tohoku Electric Power neben den Lecks vor allem ein beschädigtes Teil in einen Turbinengebäude, das den Druck kontrollieren soll.
Im AKW Higashidori in der Präfektur Aomori und in der Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho wurde die externe Stromversorgung unterbrochen, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Notversorgung funktioniere aber an beiden Orten.

Das Katastrophen-Kraftwerk Fukushima Eins, das durch das Beben und den Tsunami am 11. März massiv beschädigt wurde, blieb diesmal dagegen verschont. Es habe keine neuen Schäden gegeben, wie der Betreiber Tepco mitteilte. Techniker kämpfen dort seit Wochen gegen einen drohenden Super-GAU.

Die Kühlung der Reaktoren mit Wasser funktioniere auch nach dem Beben weiter, berichtete die Agentur Kyodo. Es wurde nach Angaben von Tepco auch weiter Stickstoff in das Reaktorgehäuse am Block 1 eingeleitet. Die Maßnahme läuft seit Donnerstag. Das Gas soll das brisante Luftgemisch im Innern verdünnen und so verhindern, dass es zu neuen Wasserstoff-Explosionen wie kurz nach der Havarie kommt. Kyodo meldete, der Energiekonzern wolle über sechs Tage fast 6000 Kubikmeter Stickstoff zuführen. Die Reaktorblöcke 2 und 3 könnten folgen.

Unterdessen denkt die japanische Regierung über eine Erweiterung der Evakuierungszone um den Katastrophenreaktor nach. Japanische Medien berichteten, die Regierung könnte auch den Bewohnern außerhalb eines 30-Kilometer-Radius’ um Fukushima raten, das Gebiet zu verlassen.

Bei dem schweren Nachbeben in der Nacht zum Freitag starben mindestens vier Menschen, 140 weitere wurden verletzt, berichtete die Nachrichtenagentur Jiji Press. Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS in einer Tiefe von etwa 40 Kilometern in der Präfektur Miyagi, 66 Kilometer östlich von Sendai, das bereits bei der Katastrophe am 11. März verwüstet worden war.

Die neuen Erdstöße lösten zahlreiche Brände aus. Straßen wurden gesperrt und Züge angehalten. Unzählige Haushalte waren ohne Wasser und Strom. Vereinzelt fielen Telefonnetze aus. Die Behörden warnten vor möglichen weiteren schweren Nachbeben in der Region.

Gute Nachrichten gab es dagegen aus der Autoindustrie: Der japanische Hersteller Toyota will die Fertigung in allen seinen heimischen Fahrzeugwerken wieder anfahren. Zwischen dem 18. und 27. April sollen die Werke die Produktion mit rund 50 Prozent der ursprünglich geplanten Stückzahlen aufnehmen, wie Toyota ankündigte. Toyota hatte die Produktion nach der Katastrophe wegen mangelnder Zulieferteile stoppen müssen.

dpa

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