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So will Bleckende dem Starkregen trotzen

Hochwasser So will Bleckende dem Starkregen trotzen

Was tun, wenn der Regen kommt? Die Kleinstadt Bleckede ist Hochwasser durch die Fluten der Elbe gewohnt. Jetzt wird der Ort von neuen Deichen geschützt, dafür setzt zunehmender Starkregen die Straßen immer öfter unter Wasser. Mit einer einzigartigen Kooperation sucht die Stadt nach Lösungen..

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Hochwasser ist schon immer ein Thema in Bleckede – durch die Fluten der Elbe (oben) oder immer häufiger ausgelöst durch Starkregen. Bürgermeister Jens Böther (kl. Bild, links) hat jetzt den Wissenschaftler Markus Groth um Rat gebeten.

Quelle: Fotos: dpa, HZG/Christian Schmid

Bleckede. Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller: Daran haben sich die Bewohner der Stadt Bleckede (Kreis Lüneburg) gewöhnt. Immer wieder muss die Feuerwehr Wasser abpumpen, obwohl seit 2014 neue Deiche den Ort vor Hochwasser schützen. Doch neuerdings sind nicht mehr die Fluten der nahen Elbe das Problem der Kleinstadt, es ist der Starkregen, der immer häufiger für nasse Füße sorgt. Der Bürgermeister hat darum einen Wissenschaftler um eine Einschätzung gebeten, was noch zukommen könnte auf seine Gemeinde.

„Hier, da und dort“, sagt Jens Böther und deutet auf rote und blaue Flecken auf einer Karte seiner Stadt. Die Farben zeigen, welche Bereiche Bleckedes bei Starkregen überflutet werden. Worauf der Verwaltungschef da zeigt, ist zwar nur eine Simulation. Doch Jens Böther hat schon oft genug erlebt, wie das Szenario aus dem Computer zur Wirklichkeit ganz in der Nähe des Rathauses wurde.

„Starkregen ist für uns zum wichtigen Thema geworden“, sagt Böther. Im vergangenen Jahr habe es so häufig wie noch nie so kräftig geschüttet, dass Straßen überflutet waren und die Feuerwehr Keller leer pumpen musste. „Das Wasser floss einfach nicht ab“, sagt der Bürgermeister. Am Marktplatz lief Wasser in ein Café, und im Ortsteil Alt Garge waren 2017 zum ersten Mal die Regenwasserrohre durch Sand von den Äckern verstopft. „Wir mussten für viel Geld die gesamte Kanalisation freispülen.“

Um so etwas in Zukunft zu vermeiden, hat sich der Bürgermeister an die Forschung gewandt. Bereits im April 2015 hatte die Stadt den Wirtschaftswissenschaftler Markus Groth vom Climate Service Center im schleswig-holsteinischen Geesthacht eingeladen, um an der Elbe über die Folgen des Klimawandels für die Region zu referieren. Aus dem Vortrag wurde eine niedersachsenweit einmalige Kooperation: Die Verwaltung ließ sich von dem am Helmholtz-Zentrum angesiedelten Institut beraten, wie sie ihre Stadtentwicklung den Folgen des Klimawandels anpassen kann und zukünftig mit dem Thema Überflutung durch Starkregen umgehen sollte.

„Wir haben die Stadt als Modell am Computer nachgebaut und in einer Simulation mit 60 Litern Wasser pro Quadratmeter volllaufen lassen“, erklärt Groth. „Dann haben wir beobachtet, wo sich das Wasser sammelt und wo es ablaufen kann. Außerdem haben wir die Bevölkerung zu ihren Erfahrungen befragt und die Einsätze der Feuerwehr ausgewertet.“ Das Ergebnis: Die Problemzonen im Modell stimmten exakt mit den Bereichen überein, in denen in den vergangenen Jahren tatsächlich häufig Straßen und Keller unter Wasser standen.

Neue Dimensionen

Als Hauptursache haben die Forscher einen häufig dicht bewachsenen Graben ausfindig gemacht, über den bislang die gesamte Stadt entwässert. „Diesem Graben müssen wir mehr Aufmerksamkeit widmen“, sagt Böther. „Wenn wir während der Brut- und Setzzeit nicht mähen dürfen, ist der Abfluss schwieriger. Das ist deutlich zu merken.“

Aber die bessere Pflege des zen­tralen Grabens ist nur ein Punkt. Zudem wird die Verwaltung den Querschnitt der Regenwasserrohre überprüfen. „Wir brauchen heute andere Dimensionen als in den vergangenen Jahrzehnten“, sagt Böther. Bei Neubaugebieten wolle man den Bau zusätzlicher Regenrückhaltebecken prüfen und dafür sorgen, dass weniger Flächen versiegelt würden. „Die vorgeschriebene Versickerung auf dem Grundstück funktioniert nicht immer.“ Und in Alt Garge hat die Stadt mehrere Tausend Quadratmeter Land angekauft, um einen Sandfang anzulegen.

Als letzten Schritt der Kooperation mit den Forschern soll im Frühjahr ein Informationsblatt für die Grundstücksbesitzer zum Thema Starkregen entstehen. Darin soll es nicht nur darum gehen, wie sich mögliche Schäden vermeiden lassen und wie Eigentümer es ermöglichen können, dass mehr Wasser auf ihren Grundstücken versickern kann, sondern auch um ganz pragmatische Fragen: zum Beispiel die, welche Versicherung für einen durch Starkregen verursachten Schaden aufkommt.

Von Carolin George

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