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Panorama So tickt Europas Jugend
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11:31 05.04.2017
Zwei Frauen auf einer sonntäglichen „Pulse of Europe“-Zusammenkunft. Quelle: imago/Martin Müller
Mainz

Die jungen Europäer stehen hinter Europa, aber nicht hinter der Politik der europäischen Politiker. Das ist kurzgefasst das wichtigste Ergebnis einer der größten europäischen Jugendstudien. Fast eine Millionen junge Leute zwischen 18 und 35 Jahren haben sich an der Umfrage beteiligt, die vor einem Jahr online gegangen ist. Das Sinus-Institut hat im Auftrag der Europäische Rundfunkunion (EBU) den jungen Europäern auch gleich einen Namen gegeben: „Generation What?“.

Die Umfragemacher zeichnen das Bild einer jungen Generation, die sich Gedanken über soziale Ungleichheiten macht und zugleich der Politik und anderen Institutionen nicht zutraut, gesellschaftliche Probleme zu lösen. Laut Abschlussbericht haben 82 Prozent der jungen Menschen in Europa kein Vertrauen in die Politik (45 Prozent haben „überhaupt keines“ und 37 Prozent haben „eher keines“).

In Deutschland sind es lediglich 23 Prozent, die überhaupt kein Vertrauen in die Politik haben. Das ist im Europavergleich der niedrigste Wert. Am kritischsten sind die jungen Griechen (67 Prozent), Franzosen (62 Prozent) und Italiener (60 Prozent).

Je niedriger die Bildung, desto größer das Misstrauen

Eine weitere Erkenntnis: je niedriger die Bildung, desto größer ist das Misstrauen. Während europaweit 50 Prozent der Befragten mit niedrigem Bildungsniveau der Politik völlig misstrauen, sind es bei den Hochgebildeten „nur“ 41 Prozent. Auch das Alter spielt bei der Einschätzung eine Rolle, ob man der Politik vertrauen kann oder nicht. Bei den 18- und 19-Jährigen sind es „nur“ 37 Prozent, die der Politik völlig misstrauen, bei den 30- bis 34-Jährigen sind es dagegen 50 Prozent. Ein möglicher Grund für das Misstrauen: Fast neun von zehn Befragten nehmen eine wachsende soziale Ungleichheit in ihrem jeweiligen Land wahr. Dieser Befund zieht sich durch alle Teilnehmerländer.

Europas Jugend will aber nicht die Hände in den Schoß liegen. “Generation What“ will sich aktiv einzubringen – zum Beispiel in einer politischen Institution: Neun Prozent aller jungen Europäer geben an, hier bereits positive Erfahrungen gemacht zu haben. Für 31 Prozent ist institutionalisiertes politisches Engagement zwar Neuland, aber durchaus eine Überlegung wert.

Nur jeder Sechste will aus der EU

Die Bereitschaft, in politischen Organisationen aktiv zu werden, ist in Deutschland mit Abstand am stärksten (44 Prozent) und am niedrigsten in Griechenland (13 Prozent). Unter den deutschen Befragten ist auch der Anteil derer am niedrigsten, die politisches Engagement grundsätzlich für sich ausschließen (32 versus 52 Prozent europaweit).

Trotz der allgemeinen Skepsis: Europakritische Bewegungen am rechten Rand der Gesellschaft – Pegida und Co. – können bei Europas Jugend nicht punkten. Nicht mal jeder sechste junge Mensch in Europa spricht sich für einen EU-Austritt des eigenen Landes aus.

Von RND/dpa/aks