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Panorama Sexuelle Übergriffe zwischen Jugendlichen und Kindern auf Sommerfreizeit
Mehr Welt Panorama Sexuelle Übergriffe zwischen Jugendlichen und Kindern auf Sommerfreizeit
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22:06 21.07.2010
Von Karl Doeleke
Ein niederländisches Kamerateam filmt am Mittwoch (21.07.2010) vor dem umgebauten Bauernhof in Buren auf der Westfriesischen Insel Ameland. Quelle: dpa

Ameland/Osnabrück. Sie kamen in der Nacht aus dem oberen Stockwerk. Sie waren fünf bis acht Jugendliche. Und sie waren vermutlich größer und stärker. Ihre Opfer, 13 und 14 Jahre alte Jungen, wurden von ihren Peinigern aus den Etagenbetten gezerrt und in die Mitte des großen Raumes gezwungen. Dort rissen die Jugendlichen den Kindern die Unterhosen vom Leib und führten ihnen Gegenstände wie Cola-Flaschen aus Plastik ein. So werden Szenen aus dem Schlafsaal einer Ferienfreizeit auf der niederländischen Insel Ameland von der Staatsanwaltschaft in Osnabrück geschildert. So wurde demnach aus fröhlichen Sommerferien ein Horrortrip. Weitere Missbrauchsversuche sind offenbar nur daran gescheitert, dass sich die Opfer „verzweifelt an ihren Betten festgekrallt haben, über Feuerleitern geflüchtet sind oder erheblichen Widerstand geleistet haben“, zitierte gestern die „Neue Osnabrücker Zeitung“ einen Polizeibeamten.

„Ein Gruppe von fünf bis acht“ Kindern und Jugendlichen soll eine „ähnliche Opferzahl“ von Jungen im Ferien­lager des Stadtsportbundes Osnabrück auf Ameland schwer misshandelt haben. Die mutmaßlichen Täter: 13 bis 16 Jahre alt. Ihre Opfer: Kinder. Zwei 13-Jährige sollen, bevor sie später handgreiflich wurden, zunächst selbst misshandelt worden sein. Bisher ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die möglichen Täter, deren genaue Zahl noch offen ist. „Es sind wahrscheinlich acht“, sagt Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer. Sie sollen, so formuliert es der Staatsanwalt, sich „planmäßig vorgenommen haben, andere Kinder zu misshandeln“.

Vieles von dem, was zwischen dem 25. Juni und dem 8. Juli in dem alten Bauernhaus auf der Nordseeinsel geschah, ist noch unklar. 25 der 170 Teilnehmer an der Ferienfreizeit hat eine Sonderkommission bisher vernommen; darunter einige der bisher bekannten Opfer, Zeugen und auch drei der mutmaßlichen Täter. „Alle drei haben die Taten eingeräumt“, sagt Georg Linke, Sprecher der Osnabrücker Polizei.

Tausende Kinder schicken der Landessportbund und seine Unterorganisationen in jedem Sommer in Hunderte von Ferienlager. 48 Kreis- und Stadtsportbünde gibt es in Niedersachsen, und alle bieten solche Freizeiten an. „Noch nie“ seien Kinder in dieser Weise zu Tätern geworden, beteuert Reinhard Rawe, der Direktor des Landessportbundes. Jedenfalls nicht in den 28 Jahren, in denen sich Rawe bei dem gemeinnützigen Verband engagiert. Eine der vielen offenen Fragen ist darum die, warum keines der Opfer sich an einen der 39 Betreuer gewandt hat. Andere wollen wissen, warum keine der Begleitpersonen etwas von den grausigen Nächten im Schlafsaal mitbekommen hat – oder warum die Betreuer nicht eingegriffen haben. Auch der Leiter des Sommerlagers hat nach seiner Darstellung nicht von den Vorgängen gewusst. Er ist inzwischen von seinem Ehrenamt zurückgetreten.

„Es ist erschütternd“, sagt der Vorsitzende des Stadtsportbundes Osnabrück, ein ehemaliger Polizist, der selbst nicht mit auf die Insel gefahren war. Wolfgang Wellmann hat am 9. Juli, einen Tag nach der Heimkehr der Kinder, einen Anruf einer Mutter erhalten. „Mir ist der Hörer aus der Hand gefallen“, sagt er. Wellmann hat die Mutter zur Polizei geschickt. Am Montag darauf wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Der Mutter sei aufgefallen, dass ihr Kind, 13 Jahre alt, wesensverändert aus der Freizeit zurückgekehrt sei, sagt Oberstaatsanwalt Retemeyer. Als sie den Jungen zur Rede stellte, berichtete er von den Misshandlungen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach den Worten ihres Sprechers gegen die Jungen wegen schweren sexuellen Missbrauchs. „Wegen des Einführens kommt auch Vergewaltigung in Betracht.“ Nach Erwachsenenstrafrecht stünden darauf mindestens zwei Jahre Haft. Dafür müsste das Motiv der Peiniger „einen sexuellen Hintergrund“ gehabt haben, sagt Polizeisprecher Linke. Die Ermittler schwanken noch. „Wenn es ausschließlich um die Erniedrigung der Opfer ging, bliebe als Tatvorwurf gefährliche Körperverletzung.“

Stadtsportbund-Chef Wellmann sagt, er habe keine Erklärung dafür, was nach den Schilderungen in dem Ferienlager passiert ist. Seit 1968 schickt der Stadtsportbund Kinder in Sommerfreizeiten. Nur zwei Tage nach dem letzten Schultag in Niedersachsen waren 170 Jungen und Mädchen aus Osnabrück nach Ameland aufgebrochen. Ihr Ziel waren drei frühere Bauernhäuser im kleinen Ort Buren, nur zwei Kilometer vom breiten, weißen Sandstrand und den Dünen Amelands entfernt. Auf dem Ferienplan standen Treckerfahrten, Radtouren, eine Nachtwanderung, eine Strandolympiade, und unter Betreuung sollten die Kinder auch im Meer baden dürfen – ein harmloses Programm.

Ob den Betreuern ein Vorwurf gemacht werden kann, ist noch offen. „Es ist aber durchaus möglich, dass wir gegen Begleiter ermitteln“, sagt Retemeyer. In Betracht käme der Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung. Wellmann sagt, Kinder seien zu den Erwachsenen gekommen und hätten davon berichtet, dass ältere Jugendliche die jüngeren „ärgern“ würden. Die Betreuer hätten die älteren Teilnehmer daraufhin zurechtgewiesen. „Einen Hinweis auf sexuelle Handlungen hat es nicht gegeben.“

Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ hingegen schildert anderes aus dem Pressegespräch, zu dem Staatsanwaltschaft und Polizei am Dienstag eingeladen hatten: Die Betreuer seien nicht eingeschritten, obwohl sie von Kindern um Hilfe gebeten worden seien. „Wenn das stimmt“, sagt Wellmann, „dann haben unsere Betreuer nicht richtig gehandelt.“ Die 39 Männer und Frauen seien allesamt volljährig, jeder Dritte hat in Schulungen des Landessportbundes die sogenannte Jugendleitercard erworben. Die übrigen hätten entweder „jahrelange Erfahrung“ oder seien Studenten der Pädagogik an der Universität Osnabrück gewesen.

Beim Landessportbund in Hannover sucht auch Direktor Rawe nach einer Erklärung. Es habe in der Vergangenheit „eine Handvoll“ sexuelle Übergriffe von Erwachsenen auf Kinder gegeben, alle seien angezeigt worden, sagt Rawe. Der Verband habe die Konsequenzen daraus gezogen und bringe künftigen Betreuern „alles, was man über Jugendschutz, Kindeswohlgefährdung und Sexualstrafrecht wissen muss“, bei. Und seit diesem Jahr arbeite der Verband unter anderem mit dem Kinderschutzbund zusammen, um Kinder besser „vor Schaden an Leib und Seele zu schützen“. Nach Schulen und Kirchen hat wohl jetzt auch der Sport seinen Missbrauchsskandal.

Der Artikel wurde aktualisiert.

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