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Panorama „In Hamburg harr dat böös Krawall geven“
Mehr Welt Panorama „In Hamburg harr dat böös Krawall geven“
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00:15 30.07.2017
Leitet das Plattdeutsch-Team bei Radio Bremen: Gesine Reichstein.
Bremen

Seit 40 Jahren versorgt die kleinste ARD-Anstalt ihr Publikum auf dem platten Land mit diesem Zusatzservice.

1977 war RB der erste Sender in Deutschland, der sich an regelmäßige Nachrichten für die plattdeutsche Minderheit heranwagte, in Zusammenarbeit mit dem Bremer „Institut für niederdeutsche Sprache“. Da heißt dann die Bundeskanzlerin „de Kanzlersche“, bei VW tobt ein „Afgas-Schandaal“, und in Hamburg „harr dat böös Krawall geven bi de Proteste vun G-20-Gegnern“. Der Wind kommt nicht „aus unterschiedlichen Richtungen“, sondern „maal vun hier, maal vun daar“, und wenn es hin und wieder regnet, „pladdert dat immer mol wedder“.

Zunächst wurden zweimal pro Woche kurzerhand die regulären 10-Uhr-Nachrichten durch die Mundart-Fassung ersetzt. Wer kein Platt verstand, hatte dann eben Pech. Erst 1995 bekamen „De Plattdüütschen Nahrichten“ ihren eigenen Sendeplatz: montags bis freitags um 10.30 Uhr, also nicht mehr als Ersatz, sondern als Ergänzung zu den regulären Nachrichten.

Auch der NDR sendet im Übrigen plattdeutsche Nachrichten - auf der Hamburger Welle 90,3 „maandaags bit sünnavends Klock 9.30“. Bei NDR Niedersachsen moderieren Ilka Brüggemann und Hedwig Ahrens freitags von 19.05 Uhr bis 20 Uhr das Magazin „Düt un Dat op Platt“ mit Neuigkeiten aus den Regionen auf Plattdeutsch.

Das werktägliche Spezialangebot von Radio Bremen erfreut nicht nur die vom Aussterben bedrohte Spezies der „Plattsnackers“, sondern auch sprachinteressierte Hochdeutsche, die das Besondere des Plattdeutschen lieben: Es klingt menschlicher und anschaulicher als die oft hochgestochene und floskelhafte Sprache herkömmlicher Nachrichtensendungen. Als mal im Bremer Umland eine Kutsche verunglückte, „güng se öber Kopp“, und als ein Wirtschaftsprofessor die ernste Finanzlage der Hansestadt beklagte, umschrieb die Platt-Redaktion das mit den Worten, „dat Jan Mangel un Peter Knapp wieder dat Regiment in Bremen hebbt“.

Ausgewählt werden die Meldungen zunächst von der regulären Nachrichtenredaktion, und danach macht sich reihum einer der hauseigenen oder externen Plattspezialisten ans Übersetzen - auch für auswärtige Sprachliebhaber, die die Sendungen im Internet anhören oder nachlesen können. Leiterin des sechsköpfigen Teams ist die langjährige RB-Redakteurin Gesine Reichstein. „Plattdeutsch ist bei mir Muttersprache, Hochdeutsch habe ich in der Schule gelernt“, erzählt sie. Allerdings musste sie vor ihrem Einsatz bei RB erst noch etwas umschulen: Das Platt ihrer niedersächsischen Heimat Bad Bentheim klang nicht bremisch genug.

Von Eckhard Stengel

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