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Panorama Scouts sollen für Ordnung bei Kohltouren sorgen
Mehr Welt Panorama Scouts sollen für Ordnung bei Kohltouren sorgen
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09:45 01.02.2016
Oliver Schulz (v. re.) und Julia Webner appellieren an die Vernunft der Ausflügler. Quelle: dpa
Bremen

Schnapsgläschen um den Hals, Flaschen in den Bollerwagen, und los geht die Kohltour. Vor allem im Nordwesten des Landes ist das ein Riesenspaß für viele Menschen. Doch der Müll bleibt oft auf der Strecke liegen. In Bremen ist das jetzt ein Fall für die Kohl-Scouts. Die beiden Studenten Julia Webner und Oliver Schulz fahren jeden Sonnabend den Werdersee mit dem Fahrrad ab und appellieren an die Vernunft der zahlreichen Ausflügler. Sie verteilen Müllbeutel, machen auf Papierkörbe und Toiletten aufmerksam.

Der Bremer Werdersee ist bei Kohltouren besonders beliebt. Wo eine Gruppe langgezogen ist, verrät oft die Spur des Mülls: zerbrochene Flaschen, leere Plastikbecher, Taschentücher und Teebeutel – denn diese müssen für den Weitwurf herhalten, einen der vielen amüsanten Wettkämpfe. Auch laute Musik und Betrunkene, die in Kleingärten pinkeln, machen den Anwohnern zu schaffen. Dann spätestens sind Webner und Schulz gefragt. „Kohl-Scout“ steht in grüner Schrift auf ihren weißen Leibchen. „Beim Müll sind die Leute schon einsichtig“, kann Webner berichten. „Die Lautstärke der Musik ist dagegen noch ein Problem.“ Am Ende hänge natürlich alles vom Alkoholpegel ab. „Je später es wird, umso mehr blöde Sprüche kommen.“

Ein Flyer soll Verhaltensregeln vermitteln – aber bloß nicht mit erhobenem Zeigefinger, das ist Gerhard Bomhoff wichtig. Die Kohl-Scouts waren eine Idee des Werdersee-Vereins, dessen Vorsitzender Bomhoff ist. An einem Sonnabend sind schon mal bis zu 80 Kohltouren unterwegs. „Das ist wie eine Heuschreckenplage“, sagt Bomhoff. Spielverderber oder eine Art Sittenpolizei wollen er und sein Verein trotzdem nicht sein. Die Scouts sollen lediglich um mehr Rücksichtnahme bitten.

Im privat finanzierten Bürgerpark dagegen gilt seit Oktober Alkoholverbot. „Das hat im letzten Jahr Ausmaße angenommen, die nicht mehr tolerierbar waren“, sagt Direktor Tim Großmann.

Eine solche Handhabe hat die Stadt am Werdersee nicht. Silke Küker von der Leitstelle „Saubere Stadt“ kämpft schon gegen die Müllberge, die in der Grillsaison anfallen. Nun werde auch die Wintersaison zunehmend zum Problem, sagt sie. Mit diesem Eindruck ist sie nicht allein. „Früher waren die Kohlfahrten gesitteter. Es fließt schon sehr viel Alkohol“, sagt die Wirtin Angela Giese. In ihrem Lokal Der Kuhhirte kehren viele Gruppen nach ihrer Bollerwagentour zum Grünkohlessen ein. In den Restaurants und bei den Bollerwagenverleihern können die Kohlfahrer ihren Müll abgeben. Doch am Ende hängt alles von der Einsicht der Kohlgesellschaft ab.

dpa

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