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Panorama Schülerin springt aus Fenster – Polizei ermittelt
Mehr Welt Panorama Schülerin springt aus Fenster – Polizei ermittelt
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20:03 23.08.2017
Die Oberschule am Wasserturm in Lüneburg: Warum sprang das elfjährige Mädchen hier aus dem Fenster? Quelle: George
Lüneburg

Die Sonne lässt die prächtige Fassade aus dem 19. Jahrhundert noch gelber leuchten als sonst an diesem Mittwoch in Lüneburg. Doch hinter den Mauern hat sich ein Drama abgespielt. Ein Mädchen hat sich am Vortag aus dem Fenster seiner Klasse gestürzt, ist aus dem dritten Stock auf den Steinboden des Schulhofs gesprungen.

Das Kind erlitt dabei komplizierte Brüche an Armen und Beinen. Es wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik für Unfallchirurgie nach Hamburg geflogen. Wenige Tage zuvor soll es sich islamistisch geäußert haben. Jetzt ermittelt die Polizei, ob eine Radikalisierung des Mädchens Hintergrund des Sprunges ist.

Klassenkonferenz drohte

Laut Akten ist das Mädchen elf Jahre alt, doch wie alt es tatsächlich ist, weiß an der Schule niemand. Geflüchtete Eltern geben die Geburtsdaten in der Regel mit dem 1. Januar an, häufig werden die Kinder auch jünger gemacht, als sie tatsächlich sind. Die Familie ist vor wenigen Jahren vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen, das Mädchen besucht eine spezielle Klasse für Deutsch als Zweitsprache an der Oberschule am Wasserturm.

Besondere Klassen für Schüler mit ausländischen Wurzeln, die erst Deutsch lernen müssen, haben an dieser Schule eine lange Tradition: Seit den Achtzigerjahren gehören sie zum Selbstverständnis der Bildungseinrichtung, die nicht nur in Sachen Integration, sondern auch beim Übergang in den Beruf als vorbildlich in der Region gilt. Aus rund zehn verschiedenen Staatsangehörigkeiten setzen sich die 450 Schülerinnen und Schüler zusammen, Kopftücher gehören hier zum normalen bunten Bild – früher auch im Kollegium. Und die Schüler der Zweitsprache-Klassen gelten bei den Lehrern als besonders dankbar: dafür, dass sie lernen dürfen.

Doch wenige Tage nach den Sommerferien äußert sich eine Schülerin radikal. „Ich freue mich, bald ein Kopftuch zu tragen, ich gehe nach Syrien und werde Kriegerin.“ So zitiert die „Landeszeitung“ die Schülerin. Vor dem Sprung soll die Schulleitung das Mädchen auf kritische Aussagen und eine mögliche islamistische Radikalisierung angesprochen haben.

Psychologen kommen an Schule

Es stand offenbar eine Klassenkonferenz im Raum, möglich wäre als letzte Konsequenz auch der Ausschluss vom Unterricht gewesen. Bereits vorher habe es Schwierigkeiten mit dem Mädchen gegeben, es sei auffällig gewesen, schreibt die Zeitung weiter. Die Schülerin habe im Unterricht nicht mitgearbeitet und andere geschlagen. Auch eine Klassenkonferenz habe es in der Vergangenheit schon gegeben.
Seelsorge durch den Pastor der nahen Gemeinde, Hilfe durch das Kriseninterventionsteam sowie psychologische Betreuung und Unterstützung von der Landesschulbehörde: All das hat die Schule noch am Dienstag bekommen, die Psychologen der Behörde werden auch weiterhin nach Lüneburg kommen. In den Klassen selbst sprechen die Lehrkräfte mit den Schülern, um das Geschehene zu verarbeiten.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben keine Hinweise auf ein Fremdverschulden. Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge drückte am Mittwoch dem Mädchen und seiner Familie sein tiefes Mitgefühl aus. „Was immer sich genau an der Schule und im Kopf des Mädchens abgespielt hat, das zu erfassen ist in erster Linie die Aufgabe der Schulbehörde und der Polizei.“     

Carolin George

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