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Panorama Arbeiten auf der tiefsten Baustelle des Landes
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09:07 21.08.2017
Ein Großlader fährt auf der 3. Sohle in 1.000 Metern Tiefe. Quelle: Silas Stein/dpa
Salzgitter

Mit vier Metern pro Sekunde rauscht der Fahrstuhl in die dunkle Tiefe. Der Druckausgleich ist über die Ohren deutlich zu spüren. Nach etwa vier Minuten erreicht man in rund 1000 Meter die wohl tiefste Baustelle des Landes: Schacht Konrad. Arbeitsplatz für etwa 800 Menschen. Einer davon ist der 40-jährige Christian Fuchs. Dass er stolz auf seinen Job ist, lässt sich auf den ersten Blick erkennen. Deshalb nimmt er auch gern Gäste mit unter Tage, um ihnen das beeindruckende Tunnelsystem näher zu bringen und vor allem die Arbeit vor Ort zu erläutern.

Mit einem speziellen Geländewagen geht es rein in das frühere Eisenerzbergwerk. Durch die Erdwärme faucht einem an manchen Stellen ein Hitzeschwall ins Gesicht. "Wetter" sagt der Bergmann zu der Luft unter Tage, und manchmal sind die Wetter eben heiß. Schnell wird klar, dass hier unter besonderen Bedingungen gearbeitet wird. Voraussetzung für den Dienst ist eine bescheinigte Grubentauglichkeit. Regelmäßig müssen die Bergleute ihre Gesundheit und Fitness beim Belastungs-EKG nachweisen. Aber auch sonst wirken die Bedingungen ohne Tageslicht, mit viel Staub, der Lautstärke und dem Schichtsystem sehr hart.

Der Besucher trägt Helm und Overall komplett in rot. "Er würde als erster gerettet, wenn mal was ist", erklärt Fuchs beruhigend. Ein etwa fünf Kilo schwerer sogenannter "Retter" garantiert im Notfall die Versorgung mit Sauerstoff. Sicherheit wird groß geschrieben in dem für Laien undurchschaubar wirkendem Tunnelgeflecht. Schon nach kurzer Fahrt und einigen Rampen ist Orientierung verloren. "Geparkt wird immer in Fluchtrichtung", ist so eine Sicherheitsfloskel, die jeder hier unten runterbeten kann.

"Mich fasziniert das Thema Endlagerung", lautet Fuchs' einfache Erklärung für die Freude an seinen Job. Deshalb zog es den verheirateten Vater von drei Kindern nach dem Studium an der Uni Clausthal zur Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern (DBE).

Deren Auftrag ist es seit 1979, die deutschen Atom-Endlagerprojekte und Bergwerke in Gorleben, Morsleben und eben Salzgitter zu erkunden, zu errichten und zu betreiben. Konrad wird als Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle ausgebaut, 2022 soll es in Betrieb gehen. Seit Jahrzehnten wird der Ausbau von Atomkraftgegnern kritisch begleitet. Bergbauingenieur Fuchs ist aber überzeugt von dem, was er tut und findet es auch richtig.

Denselben Elan versprühen auch die Kumpel überall auf der Anlage. Jeder einzelne wird mit dem obligatorischen "Glückauf" gegrüßt. "Für viele ist der Job an dieser einzigartigen Baustelle mit sehr viel Stolz verbunden", sagt Fuchs. Auch nach außen ist Konrad durch den denkmalgeschützten Förderturm sichtbar. Das imposante Bauwerk gilt als Wahrzeichen über die Region hinaus. "Für das, was wir hier machen, gibt es nirgendwo einen Vergleich", betont Fuchs. Schacht Konrad sei weltweit das erste nach Atomrecht genehmigte Endlager. Seit Anfang 2007 liegt der Planfeststellungsbeschluss vor – nach einem etwa 20 Jahre dauernden Verfahren.

Aktuell wird das frühere Eisenerzbergwerk an verschiedenen Stellen für die künftige Nutzung vorbereitet. Fuchs zeigt eine Werkstatt, für die gerade der Boden gepflastert wird. Alles wirkt überdimensioniert, muss aber Platz für Fahrzeuge wie Großlader bieten. Fuchs führt noch durch den entstehenden Kontrollbereich und einen Schutzraum, der etwa 200 Mitarbeitern im Notfall oder bei einer Evakuierung Platz bietet. Etwas dramatisch Schlimmes sei aber noch nicht passiert, sagt er.

Die Gegner des Atommülllagers wiederholen in diesen Tagen ihre Kritik. Widerstand wird etwa durch die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad organisiert, die Ende August Jubiläum feiert. "Wir haben in den vergangenen dreißig Jahren gemeinsam mit anderen Menschen viel bewegt: das Aus für die Atomkraftwerke, das Ende der Einlagerung von Atommüll in Morsleben oder die Entscheidung, den Müll aus der Asse zurückzuholen", fasst Ludwig Wasmus vom Vorstand der AG zusammen. "Und wir haben es geschafft, die Gefährlichkeit des völlig veralteten Projekts Schacht Konrad wieder auf die Tagesordnung zu setzen."

Kritik und Dialog würden helfen, die Arbeit zu verbessern, sagt Monika Hotopp, die Sprecherin der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Dass Unternehmen und Bürgerinitiativen dabei nicht immer einer Meinung sind, liege auf der Hand.

Von Christian Brahmann, dpa

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