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20:00 02.02.2014
Obst und Gemüse wird am häufigsten geschmuggelt: SB-Kasse in Deutschland. Quelle: dpa
Hannover

Dass Technik den Menschen verändert, ist eine weit verbreitete Erfahrung. Die Universität Cambridge hat sie nun in einer repräsentativen Studie untermauert: Demnach macht die zunehmende Zahl von SB-Kassen in Geschäften Kunden mehr und mehr zu Ladendieben. Jeder Fünfte der in Großbritannien Befragten gab an, Waren ohne zu scannen an SB-Kassen vorbeizuschmuggeln. Monatlich spare jeder von ihnen dadurch im Schnitt umgerechnet rund 18 Euro.

Was auf den ersten Blick wie eine Bagatelle anmutet, verursacht einen Schaden von nicht unbeträchtlicher Höhe: Hochgerechnet auf die Bevölkerung fehlen dem britischen Einzelhandel durch Selbstbedienungsdiebe Einnahmen von jährlich rund 1,6 Milliarden Pfund (knapp zwei Milliarden Euro).

Crispian Strachan vom Institut für Kriminologie der Universität Cambridge warnte im „Daily Telegraph“ vor einer Verharmlosung der SB-Kassen-Betrüger: Diese Form des Ladendiebstahls sei keineswegs anders als etwa ein Portemonnaie zu klauen.

Das Abrutschen in die Kriminalität erfolgt in diesen Fällen offenbar schleichend: 57 Prozent der Befragten erklärten, mit dem Nichtbezahlen erst begonnen zu haben, als der Scanner einer SB-Kasse einzelne Waren nicht erkannt habe. Nur sechs Prozent gaben an, Produkte aus Versehen nicht gescannt zu haben. Dagegen räumten 51 Prozent ein, Waren an SB-Kassen vorbeizuschmuggeln, weil sie dort schlichtweg weniger oft erwischt würden als bei Kassierern.

Dabei legen Ladendiebe offenbar Wert auf gesunde Ernährung: Am häufigsten werden der Studie zufolge Obst und Gemüse an SB-Kassen vorbeigeschmuggelt. 67 Prozent der Befragten gaben an, solche Produkte nicht zu scannen, gefolgt von Backwaren mit 41 Prozent.

Großbritannien ist einer der weltweit führenden Märkte für SB-Kassen, bei denen Kunden ihre Waren selbst über einen Scanner ziehen und anschließend per Kreditkarte oder Bargeld am Automaten bezahlen. Tesco, die größte Supermarktkette des Landes und die drittgrößte der Welt, macht bereits ein Viertel des Umsatzes an SB-Kassen. Der Vorteil liegt für die Unternehmen in geringeren Personalkosten. Fast 30 Prozent davon entfallen auf Kassierer. Außerdem ist der Platzbedarf geringer: Auf der Fläche einer üblichen Kasse lassen sich zwei SB-Kassen aufstellen. In Deutschland haben sich diese Bezahlsysteme bislang nicht durchsetzen können. Bei real und Ikea gibt es SB-Kassen, auch Rewe und Edeka haben die Scanner in einzelnen Filialen getestet. Der große Erfolg blieb jedoch bislang aus.

Die Polizei der Grafschaft Cambridgeshire hat derweil auf die zunehmende Zahl von Ladendieben reagiert: Sie schickt Wiederholungstätern Postkarten. „We’re watching you“, ist darauf zu lesen – „wir beobachten euch“.

Von Michael Pohl

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