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Panorama Rosa München lockt Touristen
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09:49 23.08.2014
Ein homosexuelles Paar küsst sich beim Christopher Street Day vor dem Rathaus in München. Quelle: Felix Hörhager/dpa
München

Reise- und feierfreudig, aber nicht zu laut. Freundlich, höflich – und vor allem kaufkräftig: Schwule und lesbische Touristen haben einen hervorragenden Ruf. „Double income, no kids“ (doppeltes Einkommen, keine Kinder), bringt der Sprecher des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), Frank-Ulrich John, die Vorzüge aus Gastgebersicht auf den Punkt. „In der Regel handelt es sich um sehr angenehme Gäste. Sie geben Geld aus, wollen gerne genießen, wollen feiern, sind dabei aber keine lauten Gäste und keine, die Probleme machen.“

Die Deutsche Zentrale für Tourismus in Frankfurt sieht ebenfalls ein „relativ gutes Ausgabeverhalten“. Und Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV), sagt: „Für die deutschen Reiseveranstalter spielt die Zielgruppe eine immer wichtigere Rolle.“

Weil das so ist, will die Stadt München ein größeres Stück vom rosa Kuchen abbekommen und setzt verstärkt auf das sogenannte Gay-Marketing, das neben Schwulen und Lesben auch Bi- und Transsexuelle zur Zielgruppe erklärt. LGBT heißt dieses Marktsegment abgekürzt: Lesbian Gay Bisexual Transgender. „Wir schätzen, dass bis zu zehn Prozent der Gäste in unserer Stadt zu dieser Gruppe zählen“, sagt Münchens zweiter Bürgermeister Josef Schmid (CSU). Und dieser Prozentsatz kann seiner Ansicht nach ruhig steigen.

Mit einer Umfrage will die Stadt herausfinden, wie ihr Image bei eben dieser Zielgruppe ist – und ob sie vielleicht das Potenzial hat, ähnlich wie San Francisco zu so etwas wie einer rosa Metropole zu werden. „LGBT-Reisen sind ein Markt mit Wachstumspotenzial“ heißt es zur Begründung im entsprechenden Stadtratsbeschluss. Darum soll der Online-Fragebogen zeigen, wie das „Reiseverhalten schwul-lesbischer Gäste“ aussieht.

Gefragt wird zum Beispiel, wie wichtig Städtereisen sind, mit wem man auf Reisen geht oder welches Image München hat. Die möglichen Antworten bewegen sich von konservativ oder langweilig über teuer bis weltoffen oder aufstrebend. Auch offene Fragen gibt es: „Was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie an München denken?“

Nach Ansicht des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD) ist das, was den meisten dabei in den Sinn kommt, schon jetzt gar nicht so schlecht. „Die deutschen Großstädte Hamburg, Berlin, Köln und München gelten schon als tolerant, und sie haben auch eine Infrastruktur für diese Zielgruppe“, sagt LSVD-Sprecher Markus Ulrich in Berlin. Nachholbedarf für die Hauptstadt des überwiegend katholischen Bayern sieht er eigentlich nicht, obwohl er ein gewisses Nord-Süd-Gefälle ausmacht. Die Münchner Umfrage hält er für sinnvoll.

Die bayerische Landeshauptstadt liegt bei den Übernachtungszahlen deutschlandweit hinter Berlin auf Platz zwei und sieht sich mit seiner bunten Schwulenszene rund um den Gärtnerplatz schon jetzt auf einem guten Weg. „Versäumt haben wir da gar nichts“, sagt Bürgermeister Schmid, der auch das Münchner Wirtschaftsreferat leitet. „Mit dem Gärtnerplatzviertel haben wir die besten Voraussetzungen.“ Neben dem Oktoberfest wolle die Stadt künftig vor allem auch auf den Kulturtourismus setzen. „Das spricht diese allgemein kulturaffine Gruppe natürlich auch an.“

Seit vielen Jahren sei die Stadt „im Marktsegment der LGBT-Reisen aktiv“. Der Oberbürgermeister ist seit 20 Jahren Schirmherr des Christopher Street Day in der Stadt, die zentrale Party dazu findet in den Sälen des Rathauses statt: „Rathaus Clubbing“.

Das Nürnberger Reisebüro Pinktours, das sich auf schwule und lesbische Touristen spezialisiert hat, hat verschiedene Münchner Hotels im Angebot – darunter die berühmte „Deutsche Eiche“. Das Hotel gilt als einer der ältesten Treffpunkte der schwul-lesbischen Szene. Auch Queen-Sänger Freddie Mercury soll sich dort einst gerne aufgehalten haben.

Auch, dass die Stadt als besonders teuer gilt, passt ganz gut in das Konzept des „Gay-Marketings“. DRV-Sprecher Schäfer sagt: „Zwei Männer ohne Kinder können meist mehr Geld ausgeben als eine Familie mit Kindern. Und sie sind auch noch flexibler, weil sie sich nicht an die Schulferien halten müssen.“

Von Britta Schultejans, dpa

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