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21:13 03.02.2016
Verspätungen, Zugausfälle, abgenutzte Räder: Das Bahnunternehmen Erixx kommt aus den Problemen nicht heraus. Quelle: dpa
Hannover

Wegen zahlreicher Verspätungen und Zugausfällen drohen dem Bahnbetreiber auch deutliche Geldkürzungen seitens der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen.

Seit vier Jahren fährt der sogenannte Heidesprinter zwischen Hannover, Uelzen, Buchholz (Nordheide) und Bremen. Vergangenen Sommer hat das Unternehmen außerdem die Linien von Hannover nach Bad Harzburg sowie von Braunschweig nach Bad Harzburg übernommen. Zum Betriebsstart fehlten damals Lokführer, zahlreiche Züge fielen deswegen aus. Erixx besserte nach, doch im Dezember machte das Unternehmen erneut Schlagzeilen: Weil die Klimaanlagen in einigen Zügen zu stark kühlten, kündigte das Unternehmen an, 4000 Decken in den Waggons zu verteilen. Aus der Idee ist aber nichts geworden. Heute betont Erixx-Sprecher Björn Pamperin: „Die Decken sind nie verteilt worden.“ Das Netz spottete trotzdem kräftig.

Und nun die ungewöhnlich stark abgenutzten Räder bei den Zügen von Hannover und Braunschweig Richtung Harz. Ein seltsamer Fall, da diese Züge erst eineinhalb Jahre alt sind. „Wir würden auch gerne wissen, was es damit auf sich hat“, meint Rainer Peters, Sprecher der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG). Die LNVG ist Besitzerin der Züge und hat diese nach der Ausschreibung an Erixx vermietet. „Es kann durchaus sein, dass mit dem Messverfahren etwas nicht in Ordnung ist“, vermutet Peters. Das aber müsse die Untersuchung in der Werkstatt klären.

Ein anderer Punkt macht der LNVG viel mehr Sorgen: „Wir sind, was die Pünktlichkeit von Erixx angeht, nicht zufrieden. Auch mit der Fahrzeugplanung nicht“, sagt Peters. „Wir haben bereits diverse Gespräche geführt und erwarten, dass sich das bessert.“ Die LNVG hat dabei ein großes Druckmittel in der Hand: Durch den Ticketverkauf decken Bahnunternehmen nur gut ein Drittel ihrer Kosten, die restlichen 60 bis 70 Prozent kommen aus Steuermitteln über die LNVG herein. Die Landesgesellschaft zahlt für jede gefahrene Bahn ein sogenanntes Besteller-Entgelt. Bei Unpünktlichkeit aber gibt es Abzüge, bei ausgefallenen Zügen gar kein Geld. Wie hoch der Geldabzug ausfällt, wird für das gesamte abgelaufene Jahr ermittelt. Die Schlussrechnung für 2015 sei noch nicht fertig, aber es werde für Erixx „in einem nicht geringfügigen Umfang zu Kürzungen kommen“, deutet Peters an. Andere Privatbahnen wie Metronom oder Westfalenbahn seien dagegen unauffällig.

„Zufrieden sind wir mit der Situation nicht“, räumt Erixx-Sprecher Pamperin ein. Die Züge hätten im vergangenen Jahr eine Pünktlichkeitsquote von 80 Prozent gehabt. Die LNVG verlange 95 Prozent, Metronom schaffe 98 Prozent - da wolle man auch mit Erixx hin. Die meisten Verspätungen allerdings seien in dem schlechten Zustand der Gleise begründet, so Pamperin. Die LNVG kürze zu Recht die Entgelte an Erixx, das Bahnunternehmen werde aber seinerseits mit der DB Netz AG „hart ins Gericht“ gehen, so Pamperin.

Wem gehört Erixx eigentlich?

In der Bahnwelt wird gerne zwischen privaten und staatlichen Bahnen unterschieden. Bei genauerem Hinsehen ist das aber so eindeutig nicht aufrechtzuerhalten. Das Unternehmen Erixx etwa ist genau wie seine Schwestergesellschaft Metronom im Besitz der Osthannoverschen Eisenbahngesellschaft AG (OHE), hinter der wiederum Netinera steht – ein Konsortium unter der Leitung der staatlichen italienischen Eisenbahngesellschaft Ferrovie dello State Italiane. An der Westfalenbahn mit Sitz in Bielefeld wiederum ist mit 25 Prozent die Abellio GmbH beteiligt, eine Tochtergesellschaft der niederländischen Staatseisenbahn. Auch die Deutsche Bahn AG besitzt über ihre Tochter DB Arriva unter anderem Privatbahnen in Großbritannien und Dänemark sowie die größte Fernbuslinie in Italien.

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