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Panorama TiHo Hannover bekommt Pottwal-Skelett
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21:32 10.02.2016
Die Knochen von drei Pottwalen werden in Stralsund präpariert. Ein Skelett ist für die Tierärztliche Hochschule Hannover bestimmt Quelle: Bernd Wüstneck/ZB
Stralsund

Strenger Verwesungsgeruch steigt aus dem Container, als Mitarbeiter des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund am Mittwoch die Plane auf dem Transportbehälter mit den Überresten von drei Pottwalen zurückrollen. Die Zuschauer rümpfen bei dem beißenden Gestank die Nasen.

16 Pottwale strandeten in Deutschland

Chefpräparator Uwe Beese zeigt sich indes ungerührt und richtet den Blick auf die mit Fleischresten behangenen Riesenknochen. "Der Zustand der Knochen ist gut. Die Jungs haben super vorgearbeitet." Seit dem 8. Januar strandeten nach Angaben der Schutzstation Wattenmeer insgesamt 28 junge Pottwale in der südlichen Nordsee, 16 davon in Deutschland, je 6 in den Niederlanden und in Großbritannien.

Drei der Skelette werden nun von den Walexperten des Meeresmuseums für Ausstellungen und die Wissenschaft vorbereitet. Abnehmer sind die Tierärztliche Hochschule Hannover und die Universität Rostock. Ein Skelett bleibt in Stralsund. "Es ist ein trauriger Anlass, dass wir die Wale bekommen", sagt der Kurator für Meeressäuger, Michael Dähne. Als Mensch berühre ihn das Schicksal, als Wissenschaftler sehe er in den Pottwalen jedoch ein interessantes Forschungsobjekt.

Studenten sollen an den Knochen lernen

Die Skelette seien ein "Archiv der Natur", repräsentierten die biologische Vielfalt. An ihnen können künftig Studenten lernen. Gewebeproben werden an den Knochen nicht mehr genommen. Die Proben sind bereits in verschiedenen Forschungseinrichtungen und werden dort ausgewertet.

Über die Ursachen für das Massensterben der Pottwale liegen bislang nur Vermutungen vor. Die Forscher gehen davon aus, dass die Jungbullen bei ihrer jährlichen Reise in südliche Gefilde des Atlantiks bei Schottland nach Osten abgebogen und in der Nordsee gelandet sind. Dort strandeten sie in flachen Gewässern.

Tiere wählten den falschen Weg

Eine Verschiebung der Nahrungsgründe, Störungen im Erdmagnetfeld, zunehmender Lärm oder auch Infektionen, die den Orientierungssinn der Wale beeinflussen, könnten die Ursachen dafür sein, dass die Tiere den falschen Weg nach Süden wählten, sagt Dähne. Dass die Tiere verhungert seien, schließt Dähne angesichts des Nahrungszustandes aus. "In einigen Mägen fanden sich Reste von Tintenfischen, auch ist die Speckdicke in Ordnung."

Bevor die jeweils 140 Einzelknochen zu einem Skelett zusammengesetzt werden können, müssen die Knochen in einem aufwendigen Verfahren entblutet und entfettet werden. "Das Fett macht rund ein Drittel des Knochengewichtes aus", erklärt Chefpräparator Beese.

Bakterien leisten einen Knochenjob

Vor rund 15 Jahren baute das Meeresmuseum für die Reinigung von Knochen eine so genannte Mazerationsanlage, nachdem die natürliche Verwesung im Wasser oder in einer Kiesgrube nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte. "Das Museum hat mit der beheizbaren Containeranlage gute Erfahrungen gemacht", sagt Beese. Die Skelette von dreizehn Walen, darunter neun Pottwale, zwei Finn- und zwei Zwergwale, wurden bislang in der Anlage bearbeitet.

Damit das Blut in den Knochen nicht gerinnt, werden die Skelettteile zunächst über acht bis zehn Wochen in kaltem Wasser gelagert und gewaschen, wie der Chefpräparator berichtet. Nachdem das Blut ausgewaschen ist, übernehmen Fäulnisbakterien die Arbeit. Die Mikroben befreien bei 40 Grad Wassertemperatur die Knochen von kleinsten Fleischresten. Dem schließt sich die dritte Stufe, die Entfettung an. "Die Fettsäuren würden die Struktur der Knochen zerstören", sagt Beese. Der gesamte Prozess wird rund ein halbes Jahr dauern.

Die Tierärztliche Hochschule Hannover und die Universität Rostock erhalten danach die gereinigten Knochen, wo Präparatoren die Skelette wieder zusammensetzen. Wo im Meeresmuseum das Skelett ausgestellt werden soll, ist bislang noch nicht geklärt.

dpa

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