Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Polizei jagt mutmaßlichen Bombenbauer
Mehr Welt Panorama Polizei jagt mutmaßlichen Bombenbauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:57 09.10.2016
Polizisten sichern das Haus in Chemnitz, das von Spezialeinsatzkräften gestürmt wurde. Quelle: dpa
Chemnitz/Leipzig/Hannover

Die Polizei fahndet mit Hochdruck bundesweit nach Jaber Albakr. Der 22-jährige Mann aus Syrien wird verdächtigt, einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant und vorbereitet zu haben. Das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen veröffentlichte ein Foto des Mannes und bat um Hinweise. Doch auch am frühen Sonntagmorgen hat die Polizei noch keine heiße Spur zu Albakr. Über 80 Hinweisen gingen die Beamten nach, heißt es von der Polizei Sachsen. Die Präsenz im Stadtgebiet ist nach wie vor hoch.

„Sollte die Person von irgendjemanden gesehen werden: Seien Sie vorsichtig, informieren Sie die Polizei – keine Heldentaten“, sagte LKA-Sprecher Tom Bernhardt auf Facebook. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Person gefährlich ist.“ Auf Twitter warnte die Polizei die Menschen: „Seid vorsichtig.“

Terror-Experte Elmar Theveßen warnte im ZDF eindringlich: „Er ist auf der Flucht, er hat nichts mehr zu verlieren, das macht ihn besonders gefährlich.“

Polizei stürmt Wohnung in Chemnitz

Am Sonnabend hatte die Polizei die Wohnung des mutmaßlichen Islamisten in Chemnitz gestürmt. Vom Bundesamt für Verfassungsschutz habe es den Hinweis gegeben, dass der Syrer einen Sprengstoffanschlag vorbereite und „es zu einer ernsthaften Gefährdung kommen könnte“, sagte LKA-Sprecher Bernhardt. Ermittlungen zufolge plante der 22-Jährige einen Anschlag auf einen deutschen Flughafen. Er stand schon länger unter Beobachtung.

Mutmaßlicher Bombenbauer Die Polizei sucht den 22 Jahre alten Jaber Albakr (alternative Schreibweise: Dschaber al-Bakr). Quelle: Polizei Sachsen

Daher die Frage: Wieso lief der Einsatz schief. Die Polizei weiß weder wo sich der Flüchtige aufhält noch wissen sie, was er bei sich trägt. Medienberichten zufolge entkam er knapp seiner Verhaftung, bei der Erstürmung soll auch ein Warnschuss abgegeben worden sein. Ein LKA-Sprecher erklärte dem Spiegel: „Wir waren dabei, den Zugriff vorzubereiten, als der Verdächtige das Haus verließ.“

In der Wohnung fanden die Einsatzkräfte tatsächlich „Hunderte Gramm hochexplosiven Sprengstoff“. Der mutmaßliche Bombenbauer war allerdings geflüchtet. Die Polizei nahm jedoch drei syrische Bekannte des Mannes fest, zwei von ihnen am Hauptbahnhof. „Das sind Kontaktpersonen unseres Tatverdächtigen“, erklärte LKA-Sprecher Bernhardt. Die mutmaßlichen Komplizen würden vernommen. “Ergebnisse stehen noch aus.“ Das Gepäck der Syrer sei überprüft worden, es habe sich als ungefährlich herausgestellt.

Am Sonntag wurden zwei Männer aber wieder freigelassen. Einzig bei dem dritten Syrer bestehe der Verdacht einer Mittäterschaft, heißt es. Die Haftprüfung läuft, berichtet eine Sprecherin. Vorwurf: Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Eine Spur führt zur Terrormiliz IS

Weitere Angaben machte die Polizei zunächst nicht. „Hintergrund, Motivation – das wissen wir noch nicht“, sagte Bernhardt. „Wir hoffen, das ergibt sich aus den Vernehmungen.“ Das Magazin „Focus“ berichtete, Anschlagsziel sei ein deutscher Flughafen gewesen.

„Solche Gerüchte kann man nicht dementieren, denn traditionelle Ziele von Sprengstoffanschlägen sind natürlich solche Knackpunkte in unserer Infrastruktur“, sagte Bernhardt. Sicherheitskreise berichteten der Deutschen Presse-Agentur, es gebe eine Spur zur Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS).

Sprengstoff war „gefährlicher als TNT“

Der sichergestellte Sprengstoff wurde am Abend vor Ort unschädlich gemacht. Er sei „nicht ohne weiteres transportfähig“ gewesen, sagte LKA-Sprecher Tom Bernhardt in einem Statement auf der Facebook-Seite der Polizei Sachsen. „Es war ein hochbrisanter Sprengstoff, weit gefährlicher als das weithin bekannte TNT“. Selbst eine geringe Menge hätte „extremen Schaden“ anrichten können.

Bei dem Sprengstoff soll es sich um den gleichen gehandelt haben, der schon bei den fürchterlichen Anschlägen von Brüssel im März dieses Jahres zum Einsatz gekommen ist. Damals starben 35 Menschen, 300 wurden verletzt. Auch in Paris wurde der TATP genannte Sprengstoff, der von den Terroristen „Mutter des Teufels“ genannt wird, eingesetzt.

Beamte hoben am Abend mehrere Löcher aus, um das explosive Material kontrolliert zu sprengen. Quelle: Polizei Sachsen

Von den Einsatzkräften wurden im Wohngebiet Löcher ausgehoben. „In diesen Gruben wurde der Sprengstoff entsorgt“, erklärte Bernhardt. „Wenn Sie hier vor Ort waren, haben Sie die Detonation und die Druckwelle mitbekommen.“ Es sei aber niemand verletzt worden.

Die Polizei kam im Morgengrauen

Der Einsatz hatte am frühen Morgen begonnen. Eine Bewohnerin des Viertels berichtete dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), dass sie von der Polizei geweckt worden sei. Sie und ihre Nachbarn seien aufgefordert worden, ihre Wohnungen schnell und leise zu verlassen. Anwohner seien mit Bussen aus dem Gebiet gebracht worden.

Wie das LKA mitteilte, wurden zunächst etwa 80 Personen vorsichtshalber in Sicherheit gebracht. Nachdem der Sprengstoff gefunden wurde, seien weitere sechs Wohnungen evakuiert worden. Die meisten Bewohner kamen bei Freunden und Verwandten unter, einige auch im Hotel.

Von RND/wer/cab

Unermüdlich kämpfte der 80-Jährige auf Facebook gegen rechte Hetzer. Aber jetzt zieht sich Kapitän Schwandt aus der Öffentlichkeit zurück. „Ich bin krank“, erklärte er am Sonnabend. „Meine Beerdigung ist geplant.“

08.10.2016

In der Nacht zum Samstag kam es in Goslar zu einem schweren Streit: Weil der Lebensgefährte seine Mutter verprügelte, hat ein elf Jahre alter Junge die Polizei alarmiert. Außer ihm waren auch sein sechs Jahre alter Bruder und die fünf Monate alte Schwester in der Wohnung.

08.10.2016

Weiter fallen Flüge des Ferienfliegers Tuifly aus: Insgesamt sind am Samstag 118 Flüge gestrichen worden. Am Sonntag soll der Verkehr wieder lückenlos laufen. Derweil warten viele Gäste in Urlaubsgebieten darauf zurückgeholt zu werden.

08.10.2016