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Panorama Papst Benedikt verurteilt Missbrauch als „unbeschreibliches Verbrechen“
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20:53 18.09.2010
Quelle: dpa

Papst Benedikt XVI. hat bei seinem Großbritannien-Besuch den Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche als „unbeschreibliches Verbrechen“ verurteilt und mit Betroffenen gebetet. Benedikt drückte sein tiefes Bedauern über die Verfehlungen von Priestern aus. Er versicherte den Opfern, die Kirche sei dabei, wirksame Maßnahmen zum Schutz junger Menschen zu ergreifen.

In seiner Predigt am Sonnabend in der Londoner Westminster Kathedrale sprach der Papst von dem ungeheuren Leiden, „das durch den Missbrauch von Kindern verursacht wurde, besonders, wenn es in der Kirche und durch ihre Diener geschah.“ Gemeinsam mit den unschuldigen Opfern gestehe er Beschämung und Demütigung ein, „unter der wir alle wegen der Sünden einer geringen Zahl von Priestern gelitten haben.“

Notwendig sei eine Heilung der Opfer und die Läuterung der Kirche. Der Papst hat bereits auf dem Flug zu seinem viertägigen Staatsbesuch in Großbritannien Missbrauch eine Perversion genannt, die ihn geschockt habe. Die Kirche sei nicht wachsam genug gewesen und habe nicht rasch genug auf den Skandal reagiert.

In London traf Benedikt fünf Missbrauchsopfer aus Großbritannien, das im weltweiten Skandal anders als der Nachbar Irland aber nicht im Zentrum gestanden hatte. Die Berichte der Opfer hätten ihn tief betrübt und beschämt.

Tausende Papstgegner zogen am Nachmittag in einer großen Demonstration durch die Straßen der Innenstadt zum Regierungssitz in der Downing Street. Unter anderem kamen bei der Kundgebung Opfer sexueller Übergriffe durch Priester zu Wort. Die Gegner kritisierten aber auch die Haltung des Vatikans zur Rolle der Frau, zu den Rechten Homosexueller und zur Geburtenkontrolle. Die Gegner zeigten sich von der Resonanz selbst überrascht. Mit 10.000 Teilnehmern sei der Demonstrationszug fünfmal so lang gewesen wie erwartet.

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi blieb auch angesichts der oftmals harsch formulierten Kritik an dem Kirchenoberhaupt gelassen: „Das überrascht nicht, schockiert auch nicht besonders“, sagte er und verwies auf die britische Tradition der freien Meinungsäußerung.

Vor der Kathedrale von Westminster hatten sich tausende Gläubige versammelt, darunter viele junge Leute, die dem Papst zujubelten. Ein junger Mann aus Ost-London sprach bei einer kurzen Begegnung mit dem Papst von „einer wirklich lebendigen Kirche“. In einem Gruß an die Jugendlichen warnte der Papst vor Neid, Selbstsucht und Stolz.

Bei einer Gebetswache im Londoner Hyde Park am Abend würdigte Benedikt vor zehntausenden Gläubigen das Lebenswerk von Kardinal John Henry Newman. Sein Leben sei ein Kampf gegen die wachsende Tendenz gewesen, die Religion als eine rein private und subjektive Sache zu betreiben, also als persönliche Meinung. Benedikt wollte Newman, der von anglikanischen zum katholischen Bekenntnis übergetreten war, am Sonntag in Birmingham seligsprechen. Der Papst sprach im Hyde Park mit Sondergenehmigung - religiöse Reden sind dort ansonsten verboten.

Es ist die erste Seligsprechung in Benedikts Pontifikat, die er selbst vornimmt. Der Papst fügte an: „In der heutigen Zeit wird man als Preis für die Treue zum Evangelium nicht mehr gehängt, gestreckt und gevierteilt, sondern man wird häufig abgelehnt, lächerlich gemacht oder verspottet.“ Dennoch könne sich die Kirche nicht von der Aufgabe zurückziehen, das Evangelium auch als ein Fundament für eine gerechte und menschliche Gesellschaft zu verkünden, sagte er.

Bei einem Besuch in einem Londoner Seniorenheim drückte der Papst seine strikte Ablehnung der Abtreibung und der Sterbehilfe in nur einem Satz aus: „Das Leben ist ein einzigartiges Geschenk, und zwar in jedem Stadium von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod; und es steht Gott allein zu, es zu geben oder zu nehmen“, sagte Benedikt.

Vor der Messe in der Westminster Kathedrale am Vormittag- der einzigen in London mit dem Pontifex - war Benedikt zunächst zu einem kurzen Gespräch mit Premierminister David Cameron zusammengekommen. Es folgten Begegnungen mit Camerons Vize Nick Clegg und mit Oppositionsführerin Harriet Harman von der Labour-Partei. Dabei dürfte auch die Festnahme mehrerer Verdächtiger am Freitag in London angesprochen worden sein. Die sechs Nordafrikaner sollen Anschläge im Zusammenhang mit dem Papst-Besuch geplant haben.

Die Verdächtigen blieben in Polizeigewahrsam. Sie stünden unter dem Verdacht der „Anstiftung, Vorbereitung und Beauftragung terroristischer Taten“, teilte die Polizei mit. Die britische Zeitung „Guardian“ berichtete, die sechs Straßenkehrer - darunter mehrere Algerier - seien nur vorsichtshalber festgenommen worden, weil sie berufsbedingt Zugang zur Wegstrecke des Papstes gehabt hätten.

dpa

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