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00:20 29.08.2015
100 000 Besucher in drei Monaten: Der Baumwipfelpfad in Bad Harzburg. Quelle: dpa
Hannover

Es ist ein Weilchen her, dass unsere Vorfahren von den Bäumen herabgestiegen sind. Das ging viele Jahrtausende gut, doch neuerdings sind etliche Mitbürger wieder gern auf dem Baum. Beziehungsweise zwischen den Bäumen. Denn quer durch die Republik laden Baumwipfelpfade zum Bummel hoch oben ein.

Wer immer nur in Wurzelnähe wandert, muss wissen, dass es sich um breite, aufgeständerte, gut gesicherte Holzwege handelt, auf denen Entdecker durch das grüne Dach des Waldes laufen. Mehr als 100.000 Neugierige pilgerten bereits auf Niedersachsens ersten Kronenpfad in Bad Harzburg. Leiterin Eva-Christin Ronkainen freut sich über den Erfolg nach nur drei Monaten, nun will sie mit Veranstaltungen wie "Nachts in den Wipfeln" oder "Musik und Kabarett mit Aussicht" punkten.

Am kommenden Freitag zieht Brandenburg nach. In Beelitz-Heilstätten, einem Landstrich, der gewöhnlich für feinen Spargel gerühmt wird, öffnet in 23  Metern Höhe der tausend Meter lange Rundweg. Und damit es nicht nur durch Gehölze geht, hat die Betreiberin den Weg über die Ruinen der mehr als 100 Jahre alten Beelitzer Heilstätten gelegt.

So führt die Route über das 1944 durch eine Brandbombe zerstörte Sanatorium und den Chirurgietrakt, aus dessen Dach Bäume wuchern. Das Unternehmen, das 40 Millionen Euro investieren will, hat seine Erfahrungen bereits in Thüringen gemacht. Im Nationalpark Hainichen, der als größtes zusammenhängendes Laubwaldgebiet Deutschlands und als Ur-Buchenwald zum Unesco-Weltnaturerbe zählt, gibt es – natürlich – einen Baumwipfelpfad.

Weitere Baumkronenpfade schlängeln sich etwa durch die Wälder im Sauerland, in der Pfalz und auf Rügen. Und in Bayern, nur dass sie tief im Süden ganz eigene Namen erfunden haben. Während in St. Englmar ein "Waldwipfelweg" vom Woid-Wipfe-Häusl durch den weiß-blauen Himmel über dem Bayerischen Wald führt, lädt im Allgäu kurz vor der österreichischen Grenze ein futuristischer "Sky Walk" zum Kraxeln, gerne auch barfuß.

Und wer des Wanderns müde ist, darf auf den nächsten Trend hoffen: Baumhaushotels sind schwer im Kommen. Sieht so aus, als ob wir noch ein wenig länger auf den Bäumen bleiben würden.

Von Harald John

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