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Nervig, penetrant - genial und vielseitig

Dirk Bachs überraschender Tod Nervig, penetrant - genial und vielseitig

Er war der kugelrunde Moderator im Dschungelcamp, quirliger Komiker und leidenschaftlicher Schauspieler: Dirk Bach. Mit nur 51 Jahren stirbt der Kölner wenige Tage vor einer Theaterpremiere

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Komiker Dirk Bach ist im Alter von 51 Jahren überraschend gestorben, das teilte das Schlosspark-Theater am Montag in Berlin mit.

Quelle: dpa

Berlin. Der kleine König. So sollte seine letzte Rolle heißen. Doch Dirk Bach erschien am Montag nicht zu den Proben im Schlosspark-Theater in Berlin. Am Samstag sollte dort das Stück „Der kleine König Dezember“ Premiere feiern, ein modernes Märchen von Axel Hacke. Besorgt fuhr Regisseur Christian Köhler in das Apartment im Stadtteil Lichterfelde, in dem Bach untergebracht war. Er fand den Schauspieler tot. Die Todesursache ist noch unklar. Bach wurde nur 51 Jahre alt. 

Der Sprecher des Schlosspark-Theaters, Harald Lachnit, bestätigte den Tod. Mehr könne man derzeit noch nicht sagen. „Der Schock sitzt noch zu tief. Alle Kollegen sind völlig sprachlos.“

Laut Polizei gebe es keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen, derzeit gehe man von einem natürlichen Tod aus. Es ist der Tod eines großen Entertainers, einem Urgestein der deutschen Comedy-Szene. Nervig und penetrant, genial und vielseitig.

Seine Karriere begann in Köln, ohne Schauspielausbildung bekam er 1978 eine Rolle in „Prometheus“. Es begann eine schauspielernde Reise um die Welt, bevor er 1992 festes Mitglied des Kölner Schauspielhaus-Ensembles wurde.Etwa zeitgleich begann auch seine TV-Karriere. Für RTL produzierte er die „Dirk Bach Show“, für das Zweite Deutsche Fernsehen später „Der kleine Mönch“ und das preisgekrönte „Lukas“.

Dass der erklärte Vegetarier nicht nur der älteren Generation vorbehalten blieb, verdankt er einem oft heftig kritisierten, aber enorm populären Format. „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“, das er erstmals 2004 moderierte, sollte sein größter Erfolg werden. An der Seite der spröden Sonja Zietlow machte er den Clown, die Outfits schriller als Thomas Gottschalk, die Witze mal zotig, mal extrem spitzfindig.

Eine neue Staffel war für Januar geplant. Zweifel, ob er ein fragwürdiges Format unterstütze, das Menschen ihre Würde nehme, wischte Bach weg: „Nein, das sind Entertainmentschaffende wie wir. Die wissen, was sie tun und worauf sie sich einlassen.“ Dass ihm neben der Darbietung geschriebener Texte auch das Spontane nie fern war, zeigte Bach unter anderem in der „Schillerstraße“, die er mehrere Jahre auf Sat.1 bewohnte und das Genre der Improvisationscomedy fürs Fernsehen gemeinsam mit Cordula Stratman belebte.

Aber er trat auch in Hape Kerkelings Musical „Kein Pardon“ in Düsseldorf auf, der Sesamstraße, in Spielshows wie „Wer wird Millionär?“.Privat setzte sich Bach vor allem für die Gleichberechtigung von Homosexuellen ein, oft gemeinsam mit seiner guten Freundin Hella von Sinnen. Seinem langjährigen Lebensgefährten hatte Bach in Florida die Ehe versprochen, behielt sich eine Hochzeit aber bis zu dem Tage vor, an dem Homosexuellenehen den Heterosexuellen gleichberechtigt wären.Bach war zudem stets daran gelegen, über Aids und HIV aufzuklären.

Am 20. Oktober hätte er für die Berliner Aidshilfe die Veranstaltung „Aids – Ist immer ein Thema!“ moderieren sollen.In einem anderen Gespräch erklärte Bach auf die Frage, wie sich das über-50-sein anfühle, er sehe keine größeren Krisen auf sich zukommen. Es kam der Tod. Als kleiner König hätte Bach das am Sonnabend auf der Bühne pragmatisch gesehen: „Und wer tot ist, wird ein Stern!“, hätte er gesagt.

von Sebastian Scherer 
Nund Nora LyskBerlin

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