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Panorama Dr. House rettet 55-Jährigem das Leben
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11:20 08.02.2014
„Genial recherchiert“: Dr. House (Hugh Laurie, 2.v.l.) behandelt mit seinem Team einen Patienten. Quelle: Archiv
Marburg

Fernsehen kann Menschenleben retten. Zumindest eine gut recherchierte Serie wie „Dr. House“. Der kauzige und zynische US-Mediziner, gespielt von Hugh Laurie, bekommt es im fiktiven Princeton-Plainsboro Teaching Hospital regelmäßig mit rätselhaften Erkrankungen zu tun – genau wie seine realen Kollegen in Marburg. Ein Fall bereitete dem Ärzteteam des Zentrums für unerkannte Krankheiten besonders großes Kopfzerbrechen: Der 55-jährige Deutsche, der an einer Herzschwäche litt, zeigte diverse unerklärliche wie lebensbedrohliche Symptome. Er hatte geschwollenen Lymphknoten und unerklärliche Fieberschübe. Während der Untersuchung nahm zudem sein Seh- und Hörvermögen immer weiter ab.

Wie das Fachblatt „The Lancet“ am  Freitag berichtete, war es ausgerechnet eine „Dr. House“-Folge, die das Marburger Ärzteteam um Professor Jürgen Schäfer auf die richtige Spur brachte. Untersuchungen brachten kein Ergebnis, auch der Lebenslauf des 55-Jährigen lieferte keine Anhaltspunkte für seine dramatische Erkrankung. Das einzig Auffällige war eine Operation, bei dem ihm zwei neue Hüftgelenke eingesetzt worden waren. Das machte die Mediziner stutzig: In der „Dr. House“-Episode „Spießrutenlauf“ wurde eine Patientin mit ähnlichen Symptomen eingeliefert. Wie sich nach mehreren Fehldiagnosen herausstellte, litt sie an einer Kobalt-Vergiftung – hervorgerufen durch eine künstliche Hüfte. Die Bluttests, die der Kardiologe und Endokrinologe Schäfer durchführen ließ, bestätigten den Verdacht.

Kurz nachdem die Metallprothese des Marburger Patienten durch ein Keramikmodell ersetzt wurden, seien die Kobalt- und Chromwerte im Blut gesunken. Der Zustand des Patienten habe sich „stabilisiert“, sagte Schäfer, er habe sich langsam erholt. Vierzehn Monate später habe sein Herz nun 40 Prozent seiner Leistung  wiedererlangt, Hör- und Sehvermögen dagegen verbesserten sich allerdings nur sehr langsam.

Nicht allem, was in der US-Serie zu sehen war, dürfe man freilich trauen, räumt Schäfer ein. Manches sei „hanebüchener Unsinn“, vieles aber „genial recherchiert“. Der Medizinprofessor, der mit „Housemedizin“ ein eigenes Buch über den spleenigen TV-Arzt geschrieben hat, setzt die Serie seit 2008 deshalb auch zu Schulungszwecken ein. Das Seminar „Dr. House revisited – oder: Hätten wir den Patienten in Marburg auch geheilt?“ ist noch immer ein Renner – auch wenn die Serie bei RTL 2012 nach 177 Episoden auslief.

afp/vm

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