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Panorama Müssen Seeadler der Windkraft weichen?
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16:13 27.07.2015
Von Michael B. Berger
„Schreckliche Bilder von zerhackten Adlern“:  Windräder sind eine große Gefahr für die Tiere. Quelle: dpa
Hannover

„Vier Bruten haben wir hier im Jahr 2015 gehabt“, sagt Hans-Joachim Ropers vom Naturschutzbund (Nabu) Cuxhaven. Zwei Bruten seien allerdings nicht erfolgreich. „Einem Adlerpaar hat ein Orkan den Horst aus dem Baum gepustet.“ Der promovierte Biologe fürchtet, dass die hohen Schutzvorgaben für den Seeadler langfristig den Interessen der Windkraftindustrie untergeordnet werden, auch weil die rot-grüne Landesregierung sie unterstützt: „Die Windkraftlobby steht doch schon Gewehr bei Fuß.“

Tatsächlich stehen gleich drei größere Bauvorhaben im „nassen Dreieck“ im Raum. Nicht jedes ist so weit fortgeschritten wie der Windpark Köhlen, dessen Bau der Landkreis Cuxhaven bereits genehmigt hat, wie Günter Jochimsen, Erster Kreisrat, bestätigt. Auch in der Nähe dieses Standortes liegt in einem Naturschutzgebiet ein Adlerhorst. „Da konnten wir aber leider nichts machen, weil der Horst genau am Rande der Schutzzone lag“, sagt Adler-Schützer Peter Görke. Denn weil Seeadler als „besonders schlaggefährdet“ gelten (Umweltministerium), müssen Raumnutzungsanalysen erstellt werden, die die möglichen Adlerflüge im Dreikilometerradius und im Sechskilometerradius analysieren. Kommt der Adler erst einmal in die unmittelbare Nähe der mehr als hundert Meter hohen Anlage, so hat er keine Chance.

„Es gibt schreckliche Bilder aus Schleswig-Holstein, wo Adler mitten durchgehackt wurden“, sagt Adler-Schützer Görke. Die vom Umweltministerium vorgegebene Sechs-Kilometer-Zone reiche nicht aus, beklagt etwa Walter Lemmermann vom Nabu-Bremervörde: „Vogelschutzwarte sprechen von einem Zehnkilometerradius, der nötig wäre.“ Doch dann könnten die Windenergiebauer wohl einpacken.

Besorgt registrieren Naturschützer schon seit Längerem, dass die Brut von Seeadlern gezielt gestört wird. In einem Fall im Landkreis Cuxhaven zündeten Waldarbeiter mitten im Jahr Böller in unmittelbarer Nähe eines Adlerhorstes. Der Förster habe später von einer „Rieseneselei“ gesprochen, doch über die wirklichen Motive der Unruhestifter konnte auch die Staatsanwaltschaft nichts herausfinden.

Naturschützer glauben, dass mitunter auch Handlanger der Windenergiebranche unterm Adlerhorst aktiv werden. „Die Adler stehen einigen Projekten schon im Wege“, sagt der Vertreter einer Naturschutzbehörde, der es aber vorzieht, zu diesem „heißen Eisen“ weiter nichts zu sagen.

Das Niedersächsische Umweltministerium widerspricht der Vermutung von Naturschützern, dass Minister Stefan Wenzel höchstselbst in der Adler-Frage sich mit den Vertretern der Windenergiebranche verabredet habe. Zwischen dem Landkreis Cuxhaven und dem Ministerium habe es seit Ende des vergangenen Jahres lediglich einen „Schriftwechsel auf Arbeitsebene“ gegeben, erklärt Ministeriumssprecher Rudi Zimmeck. Dabei sei es um eine allgemeine Einschätzung zum Thema Vogelschutz gegangen.

Tatsächlich hatte das Ministerium noch Anfang Januar dieses Jahres für den bereits genehmigten Windpark Köhlen eine „Raumnutzungsanalyse“ für den Seeadler nachgefordert. Eine solche Analyse erfordert allerdings nach Auffassung des Nabu lange Beobachtungszeiträume, da die Beuteflüge der Seeadler zum Beispiel während der Brutzeit anders aussehen als zu anderen Zeiten des Jahres. Viele Gutachten, die vor der Genehmigung von Windparks erstellt werden, seien in dieser Hinsicht relativ wertlos, meint Görke: „Man merkt klar, hier soll die Sache der Windenergie durchgezogen werden.“

Im Landkreis Cuxhaven will Windanlagenbauer PNE schon bald den Windpark Köhlen in Angriff nehmen – eine 50-Millionen-Euro-Investition, wie Firmensprecher Rainer Heinsohn berichtet. In Vorbereitung sei auch ein Windpark bei Kührstedt im Raum Bederkesa. Dort habe man um einen Adlerhorst aber keine aussagekräftige Raumnutzunganalyse machen können. „Dass da der Bruterfolg ausgeblieben ist, kostet uns wegen der Bauverzögerung richtig Geld“, sagt der Unternehmenssprecher. Er kann die Klagen der Naturschützer nur bedingt verstehen. „Die Belange des Naturschutzes werden bei uns sehr hoch angesiedelt.“ In anderen Ländern, in denen PNE Wind auch investiere, gehe es ganz anders zu.

Auch nach der Abschaltung vor vier Jahren kommt es im Atomkraftwerk Unterweser in Rodenkirchen immer wieder zu meldepflichtigen Ereignissen. Bis Ende vergangener Woche hat das für die Aufsicht zuständige niedersächsische Umweltministerium fünf Vorkommnisse für 2015 registriert.

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