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Mexikanerin trägt Kind ihres schwulen Sohnes aus

Oma als Leihmutter Mexikanerin trägt Kind ihres schwulen Sohnes aus

Große Aufregung um ein bisher ungeborenes Kind in Mexiko: Eine Frau will das Kind ihres schwulen Sohnes austragen. Die Leihmutter ist bereits 50 Jahre alt.

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Quelle: Archiv

Norberto Rivera hat sich noch nicht geäußert. Der Erzbischof von Mexiko-Stadt, der liberale Anwandlungen wie Schwulenhochzeit und Abtreibung in seinem Land „abscheulich“ findet, würde Jorge und seine Mutter wohl zum Teufel wünschen.

Vermutlich aber hat der konservative Kirchenmann noch nichts gehört von dem 31-jährigen homosexuellen Single, der gerne Vater werden wollte. Denn selbst die mexikanischen Medien greifen das Thema äußerst vorsichtig auf. Nur die Tageszeitung „Reforma“ berichtete Ende Juli über den Fall in großer Aufmachung. „Großmutter und Mutter“, titelte das Blatt und erzählte eine erstaunliche Geschichte für ein katholisches Land.

Jorge, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will, lebt in der Sechs-Millionenstadt Guadalajara und wünschte sich schon seit langem ein Kind. „Eines Tages rief mich meine Mutter an und erzählte mir von einer Sendung, die sie im Fernsehen gesehen hat“, sagte er der Zeitung.

Dort hieß es, die beste Leihmutter sei die Oma des Kindes. Und so verkündete die 50-Jährige ihrem Sohn: „Ich will die Mutter Deines Kindes sein, ich biete ihm ein Plätzchen, damit es wächst“. Ein Kind auszutragen, solle doch ein Akt der Liebe und kein Geschäft sein. Zudem konnte die Mutter sich so dafür revanchieren, dass Jorge dem Vater vor einigen Jahren eine Niere gespendet hatte.

Jorge zögerte erst, zu bizarr kam ihm die Idee vor. Er wusste, dass er nicht nur Vater, sondern auch Bruder seines eigenen Kindes sein würde. Aber andererseits: Es war an der Zeit, Vater zu werden, ein Partner als Voraussetzung einer Adoption war nicht in Sicht, dafür aber eine verheiratete Freundin, die gerne eine Eizelle spendete. „Ich habe immer schon gedacht, Jorge wäre ein guter Vater“, berichtete sie. Die Drei finden im November 2009 einen Gynäkologen und Endokrinologen, der das Leben über die Moral stellt, und sich zur künstlichen Befruchtung bereiterklärt. „Gott sei Dank helfe ich den Menschen dabei, Leben zu schaffen“, sagte Dr. Juan Manuel Casillas.

Heute ist Jorges Mutter im sechsten Monat. Die Schwangerschaft verlaufe komplikationslos, trotz ihrer 50 Jahre, sagt sie. „Ich dachte, ich hätte wegen meines hohen Alters Probleme, aber tatsächlich nehme ich nur ordentlich zu. Wie damals, als ich mit Jorge schwanger war“.

Der künftige alleinerziehende Vater trifft zwischenzeitlich alle Vorbereitungen. Ein Zimmer ist bereits eingerichtet, er hat sich in San Francisco in einen Kurs für schwule Väter eingeschrieben und will sich nach der Geburt Zeit nehmen für das Baby: „Sechs Monate Auszeit von meinem Job sind vorgesehen“.

Sein Kind wird ein Junge. Er soll David heißen. Und Jorge will ihm die Wahrheit sagen, sobald er verständig ist. Der zukünftige Vater bastelt schon an der Formulierung. „Ich werde ihm sagen, dass er keine Mama hat, aber eine Freundin seine biologische Mutter ist“. Kompliziert genug.

Vorerst konzentrieren sich aber Jorge, seine Mutter, die Eizellen-Spenderin und Geburtshelfer Dr. Casillas auf den 1. November. Das soll der Geburtstermin sein. David soll mit Kaiserschnitt zur Welt kommen, empfehlenswert wegen des Alters der Leihmutter.

Wahrscheinlich wird Erzbischof Rivera dann am nächsten Tag wieder an die Öffentlichkeit treten und einen weiteren moralischen Verfall in seinem katholischen Mexiko beklagen.

Klaus Ehringfeld

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