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00:17 07.01.2018
ARCHIV - Der Ringelschwanz eines Landschweines, aufgenommen am 26.06.2014 vor dem Landtag auf dem Alten Markt in Potsdam (Brandenburg). (zu dpa "Was wird aus der Ringelschwanzprämie?" vom 04.01.2018) Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa-Zentralbild
Hannover

Das niedersächsiche Landwirtschaftsministerium vermeldet einen Aufwärtstrend: Mehr Landwirte als früher beantragen die sogenannte „Ringelschwanzprämie“, durch die den Mastschweinen der Schwanz erhalten bleiben soll. Nach Auskunft des Ministeriums haben sich die Zahlen verdreifacht. Allerdings wird die Prämie vielfach auch kritisch gesehen. Und bezogen auf alle Schweinehalter im Land, sagen Bauernvertreter, handele es sich um marginale Größen.

Das Land zahlt Schweinehaltern, die ihren Ferkeln nicht kurz nach der Geburt den Schwanz abknipsen, einen Betrag von 16,50 Euro, wenn es das Schwein unverletzt bis zur Schlachtung schafft, seit 2017 gibt es zusätzlich 5 Euro pro Ferkel. 2017 sind  Prämien für 59.200 Tiere ausgezahlt worden, aktuell liegen Anträge für 201.000 Tiere vor. Dabei handelt es sich also um etwa 2,5 Prozent aller acht Millionen in Niedersachsen gehaltenen Schweine. 

Gängige Praxis

Dem Vernehmen nach sind es vorwiegend Öko-Betriebe, die die Prämie beantragen. Die Maßnahme gehörte zu den Vorzeigeprojekten des Grünen-Landwirtschaftsministers Christian Meyer aus der rot-grünen Vorgängerregierung. Die neue Ministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hat erklärt, sie wolle die Regelung einer ergebnisoffenen Prüfung unterziehen.  Alle Anreizsysteme, die es im Bereich Tier- und Umweltschutz gibt, sollten in regelmäßigen Abständen begutachtet werden, teilte das Landwirtschaftministerium mit.

Das Kupieren des Schweineschwanzes ist in Europa weitgehend gängige Praxis. Der Grund ist, dass sich Schweine unter Stress häufig gegenseitig die Schwänze abbeißen. Eigentlich ist das Abknipsen der Schwänze bereits seit 2001 nach EU-Recht verboten und wird auf dem Papier nur in Ausnahmefällen toleriert. Allerdings ist die Ausnahme nach wie vor in den meisten Ländern die Regel: Unter den derzeitigen üblichen Haltungsbedingungen, sagt etwa das niedersächsische Landvolk, würden die Verletzungen der Tiere untereinander schwerer wiegen als das Entfernen des Schwanzes kurz nach der Geburt. Die Landwirte würden durchaus mehr für Tierschutz und Ringelschwänze tun, erläuterte eine Sprecherin, wenn sie die Kosten über die Fleischpreise wieder erlösen könnten. 

Auch die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands sagt, dass es nach wie vor schwierig sei, die Schweinemast komplett ohne Schwanzbeißen hinzubekommen. Die ökologisch orientierte Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft sieht die Prämie hingegen als Anreiz, sich um den Ausstieg aus dem Schwänzekürzen zu kümmern.

Wühlen hilft

Tierschützer bemängeln, dass das Kupieren ein Anpassen des Schweins an die Haltungsbedingungen sei – richtig wäre es umgekehrt. Elisabeth große Beilage, Professorin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und Fachärztin für Schweine, nennt den Ringelschwanz einen „Top-Indikator für das Wohlbefinden“ der Schweine eines Bestands. Wenn ein Schwein ein anderes beiße, sei das eine Verhaltensauffälligkeit, wenn dergleichen nicht geschehe, sei alles okay. Ohne Ringelschwänze könne der Bauer das Problem aber nicht erkennen.

Große Beilage verweist auf Norwegen, wo die Schweine sich auch in konventioneller Haltung und bei vergleichbaren Stallgrößen wie in Deutschland nur zu 2 bis 3 Prozent beißen. Der Unterschied sei, dass die Tiere dort nicht auf Spaltenböden stehen müssten, unter denen sich ihre Gülle befindet, sondern auf festem Boden. Außerdem bekämen sie jeden Tag Stroh oder Holzspäne zum Wühlen, ausreichend für alle Tiere im Stall – nicht bloß etwas Beschäftigungsspielzeug.

Norwegen habe das Schwanzkupieren nie erlaubt, sagte die Tierärztin. In Schweden, Finnland, Litauen und der Schweiz sei es mittlerweile abgeschafft. Sie plädiert dafür, den deutschen Landwirten zu helfen, ihre Höfe ähnlich zu führen.

Kupiert wird ohne Betäubung

Die Ringelschwänze der Mastschweine werden heute routinemäßig bei jungen Ferkeln abgeschnitten. In der Regel macht das der Landwirt bis zum vierten Lebenstag und ohne Betäubung. Schweine brauchen den Schwanz nicht für ihr Gleichgewicht oder als Ausdrucksmittel wie Hunde. Andererseits verlangt der Tierschutz, Tiere möglichst unversehrt zu lassen.

Schwanzbeißen ist unter Schweinen ein Problem, dessen Ursachen nicht immer eindeutig zuzuordnen sind.  Es kann an fehlenden Beschäftigungsmöglichkeiten liegen, an zu hohen Temperaturen oder zu wenig Abkühlungsmöglichkeiten, an direktem Einfall von Sonnenlicht, an zu hohem Tierbestand, an Stress durch Krankheiten oder auch daran, dass das Wasser aus der Tränke zu schnell oder zu langsam fließt. Schwanzbeißen kommt in konventionellen ebenso wie in Bioställen vor.

Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft meldet, wenn man die Schwänze nicht abschnitte, gäbe es 60 Prozent Schwanzbeißer in der herkömmlichen Haltung, in der Biohaltung bis zu 20 Prozent. 

Von Bert Strebe

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