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Panorama Die Hoffnung auf den Neuling im NSU-Prozess
Mehr Welt Panorama Die Hoffnung auf den Neuling im NSU-Prozess
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17:50 06.07.2015
Seit Prozessbeginn schweigt Beate Zschäpe eisern. An den neuen Verteidiger knüpft sich nun die Hoffnung, dass sie ihre Haltung ändern könnte. Quelle: dpa
München

Das Oberlandesgericht München ist der mutmaßlichen NSU-Terroristin Beate Zschäpe im Streit um ihre Verteidigung entgegen gekommen. Am Montag bestellte es auf Zschäpes Wunsch hin den Münchner Rechtsanwalt Mathias Grasel zum vierten Pflichtverteidiger. "Frau Zschäpe hat mich darum gebeten, ihre Verteidigung zu übernehmen", teilte Mathias Grasel in einer Erklärung mit. Diesem Wunsch habe er entsprochen.

Gegenüber dem Gerichtspsychiater hatte Beate Zschäpe wiederholt geklagt, dass sie unter dem von ihren bisherigen drei Verteidigern angeratenen Schweigen leide. Gegenüber dem Vorsitzenden Richter Manfred Götzel deutete sie jüngst zudem in einem Schreiben an, "etwas" sagen zu können. Grasel will sich nicht zu einer möglicherweise neuen Verteidigerstrategie äußern. "Dazu kann ich nichts sagen", sagt er zu der Frage, ob er nun Zschäpe zur Aussage raten wird.

Anders als das aus erfahrenen Anwälten bestehende bisherige Verteidiger-Trio ist Grasel fast noch ein Justiz-Neuling. Der am Bodensee aufgewachsene Rechtsanwalt, den es nach zwei Semestern an der Universität Konstanz vor zehn Jahren zum weiteren Jura-Studium nach München gezogen hatte, ist erst seit 2011 als Rechtsanwalt zugelassen. Seit 2013 ist er Fachanwalt für Strafrecht.Eine eigene Kanzlei, für die er sich die Räume mit anderen Rechtsanwälten teilt, führt er seit dem vergangenen Jahr.

Der Neuling im NSU-Prozess: Mathias Grasel ist Beate Zschäpes vierter Pflichtverteidiger.

Wie Grasel sagt, brachte ihn einer der Rechtsanwälte aus dieser Kanzleigemeinschaft in Kontakt zu Zschäpe. Diese hatte dort jenseits ihrer eigenen Verteidigung juristischen Rat gesucht. Der Kontakt intensivierte sich, Grasel besuchte Zschäpe, die unter anderem wegen Beihilfe zu den zehn dem rechtsextremen Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) angelasteten Morden angeklagt ist, auch im Gefängnis. Zschäpe habe ihn selbst gebeten, die Verteidigung zu übernehmen, erklärte Grasel. Grasel lasse sich "im Hintergrund" von einem renommierten Strafverteidiger mit langjähriger Erfahrung bei der Aufgabe unterstützen.

Richter Götzl verbindet mit der ungewöhnlichen Berufung eines vierten vom Staat bezahlten Verteidigers offensichtlich die Hoffnung, die Hauptangeklagte Zschäpe aus ihrer selbst gewählten Isolation zu holen. Denn ihr Verteidiger-Trio Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm straft die 40-Jährige seit einigen Prozesstagen mit kalter Missachtung. Sie grüßt sie nicht mal mehr morgens zum Beginn der Verhandlungstage.Warum Zschäpe das tut, ist unklar.

Die von ihr geforderte Abberufung von Rechtsanwältin Sturm wies das Gericht zurück, weil die Vorwürfe Zschäpes gegen Sturm wegen eines angeblichen Vertrauensbruchs zu ungenau und der Wunsch damit für das Gericht unbegründet war. Das Zugeständnis des OLG, Zschäpe einen weiteren Verteidiger zu genehmigen, setzt diese nun allerdings auch unter einen gewissen Zugzwang: Die Neuberufung ergibt keinen Sinn, wenn die Angeklagte einfach so weiter macht wie bisher. Spannend wird sein, ob sie Grasel zu ihrem Sprecher macht und ihn Fragen an Zeugen stellen lässt, die sie selbst bewegen - oder ob sie am Ende womöglich doch selbst sprechen wird.

afp

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