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Panorama Lubitz’ Vater erhebt Vorwürfe gegen Ermittler
Mehr Welt Panorama Lubitz’ Vater erhebt Vorwürfe gegen Ermittler
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16:14 23.03.2017
Gedenkstätte für die Opfer in Le Vernet (Frankreich): Am Freitag jährt sich der Absturz der Germanwings-Maschine in den südfranzösischen Alpen mit 150 Toten zum zweiten Mal. Quelle: dpa
Düsseldorf

Zwei Jahre nach dem Germanwings-Absturz mit 150 Toten äußert der Vater des Kopiloten Zweifel an der Unvoreingenommenheit der Ermittlungsbehörden. „Es gab ganz offensichtlich Dinge, die man gar nicht erst ermittelt hat, vielleicht weil man sie nicht ermitteln wollte“, sagte Günter Lubitz im Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Auch kritische Nachfragen der Familie hätten Behörden einfach ignoriert, behauptete der Vater. Am Freitag, dem zweiten Jahrestag des Absturzes von Germanwings-Flug 4U9525 in den französischen Alpen, will Günter Lubitz in einer Pressekonferenz seine Sicht der Dinge erläutern. Vertreter der Absturzopfer haben das bereits als „unverantwortlich“ und „geschmacklos“ kritisiert.

Am 24. März 2015 hatte Co-Pilot Lubitz einen Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings gegen einen Berg in den französischen See-Alpen geflogen. Die Ermittler gehen von einer absichtlichen Tat und einem Alleinverschulden des Co-Piloten aus. Sein Vater bestreitet das.

„Er hatte keinen Anlass, einen Selbstmord zu planen“

„Unser Sohn war ein sehr verantwortungsvoller Mensch. Er hatte keinen Anlass, einen Selbstmord zu planen und umzusetzen, und erst recht nicht, dabei noch 149 andere unschuldige Menschen mitzunehmen“, sagte Günter Lubitz der Zeitung. „Ein solches Verhalten passt einfach nicht zu ihm und seiner Persönlichkeit.“

Der Berliner Luftfahrtexperte Tim van Beveren hat sich im Auftrag der Familie Lubitz durch die 16.000 Seiten Ermittlungsakten gearbeitet, zudem befragte er Mediziner und recherchierte im Umfeld von Andreas Lubitz und Germanwings. Er will Widersprüche und Unsauberkeiten gefunden haben. Sein Fazit deshalb: „Die These des vorsätzlichen Massenmordes ist nicht haltbar.“

Die Ermittler haben am Donnerstag ihr Vorgehen gegen Kritik verteidigt. Zum Vorwurf, die Staatsanwaltschaft hätte die Patientenakten von Andreas Lubitz nicht beschlagnahmen dürfen, weil ein Beschlagnahmeverbot vorgelegen habe, sagte Staatsanwalt Christoph Kumpa: „Es gibt einen entsprechenden richterlichen Beschluss. Im Rahmen von Todesermittlungsverfahren werden in Deutschland vermutlich täglich Patientenakten beschlagnahmt.“ Die Auffassung, dies sei nicht erlaubt, sei daher aus seiner Sicht abwegig.

Staatsanwalt: Das ist menschlich nachvollziehbar

Der Vorwurf, die Ermittler seien von einer durchgängigen depressiven Erkrankung und Behandlung seit 2008/2009 ausgegangen, sei schlicht falsch. „Das haben wir nie behauptet“, sagte Kumpa. Lubitz sei den Ermittlungen zufolge 2009 erfolgreich behandelt worden. Ende 2014 seien Symptome aufgetreten, die Indizien für eine neuerliche psychische Erkrankung seien.

Die behandelnden Fachärzte hätten diesmal aber keine Depression, sondern eine andere psychische Erkrankung diagnostiziert – ohne Suizidgefahr. Lubitz sei allerdings mit vergleichbaren Medikamenten wie 2009 behandelt worden. „Er stand unter derselben Medikation“, sagte Kumpa. Bei Gewebeproben sollen zwei Antidepressiva und ein Schlafmittel bei Lubitz nachgewiesen worden sein.

Dass die Eltern Zweifel an den Ermittlungsergebnissen äußerten, sei „menschlich nachvollziehbar“, sagte Kumpa. Für die Staatsanwaltschaft stehe dennoch fest: „Es gibt keine Anhaltspunkte für eine Absturzursache, die nicht auf absichtliches – mutmaßlich suizidales – Verhalten zurückzuführen ist“, sagte Kumpa, „etwa auf das Ausgasen von Bauteilen“.

Ähnlich sei dies mit einem Medienbericht über eine angebliche frühere Geliebte oder Freundin „Maria W.“ von Lubitz. „Es gibt eine Frau, die versucht hat, diese Geschichte bei mindestens zwei Medien unterzubringen. Ich bin aber überzeugt, dass diese Geschichte falsch ist“, sagte Kumpa. Für eine solche Beziehung habe man keine Hinweise entdeckt.

Am 24. März 2015 soll Copilot Lubitz den Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings gegen einen Berg in den französischen See-Alpen geflogen haben. Die Ermittler gehen von einer absichtlichen Tat und einem Alleinverschulden des Copiloten aus. Der soll den Chefpiloten aus dem Cockpit ausgesperrt, dann den Sinkflug eingeleitet und die Maschine auf Kollisionskurs programmiert haben.

Von Jan Sternberg/RND/dpa