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Panorama Leuphana-Bau verdrängt die Haubenlerche
Mehr Welt Panorama Leuphana-Bau verdrängt die Haubenlerche
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00:28 08.11.2017
Leuchtturm für Lüneburg: Die Leuphana Universität wurde von dem amerikanischen Stararchitekten Daniel Liebeskind entworfen Fotos: dpa, Wege, imago Quelle: Philipp Schulze
Lüneburg

Zwar fehlen noch Fahrradständer vor dem neuen Zentralgebäude der Leuphana Universität Lüneburg, aber drinnen brummt bereits seit einem halben Jahr der Betrieb. Seminare und Vorlesungen, Konzerte und Festveranstaltungen laufen auf Hochtouren. Ein halbes Jahr nach der Eröffnungsfeier des Prestigebaus scheinen die kritischen Stimmen in der Öffentlichkeit verstummt. Doch jetzt melden sich Naturschützer zu Wort: Mehr als sechs Jahre nach der Baugenehmigung seien die erforderlichen Ausgleichmaßnahmen noch immer nicht in Gänze umgesetzt.

Vor zehn Jahren hatte die Uni-Spitze zum ersten Mal ihre Pläne gemeinsam mit dem Stararchitekten Daniel Libeskind vorgestellt: Der Campus, ein ehemaliges Kasernengelände, sollte ein neues Zentrum bekommen, einen futuristischen Komplex, entworfen von dem New Yorker. Ziemlich genau acht Jahre ist es her, da schaffte es das Projekt zum ersten Mal in die bundesweiten Medien: weil ein Vogel den Uni-Neubau gefährdete, noch bevor der erste Bagger auf den Campus rollte. Naturschützer hatten zwei Paare der Haubenlerche auf dem für das zukünftige Audimax ausgesuchte Areal ausfindig gemacht, eine vom Aussterben bedrohte Art, von der es damals bloß noch 40 Paare in ganz Niedersachsen gab.

Doch weder Wissenschaft noch Politik wollten sich von den Vogelschützern schrecken lassen. Sollte doch der Neubau als ein Leuchtturm weit über das kleine Lüneburg mit seinen 10.000-Studierenden hinaus strahlen.

Und so fand sich auch in diesem Fall eine Lösung, die sich stets in solchen Fällen findet: Dafür, dass der Bauherr mit seinem Projekt in Natur und Landschaft eingreifen darf, muss er einen Ausgleich schaffen. So wollen es Bundesnaturschutzgesetz und Baugesetzbuch, der juristische Begriff dazu lautet Eingriffsregelung.

Die Dächer von Hörsälen sowie der Bibliothek sollte die Hochschule begrünen, eine Feldhecke anlegen, Bäume pflanzen sowie eine weitere Fläche als neues Zuhause für die Haubenlerche schaffen: am Rande der Stadt, auf einem kleinen Flugplatz.

„Diese Fläche gibt es immer noch nicht“, sagt Thomas Mitschke, Vorsitzender der Lüneburger Kreisgruppe des Naturschutzbundes (Nabu). „Mehr als sechs Jahre nach der Baugenehmigung ist der Bebauungsplan damit bis heute nicht korrekt umgesetzt.“ Mitschke wirkt sichtlich verärgert, wenn er darüber spricht. „Das Zentralgebäude wird mehr als 100 Millionen Euro kosten, und die Natur zahlt mit.“

Die Stadt Lüneburg verteidigt ihr Vorgehen als Aufsichtsbehörde. „Die Ausgleichsfläche konnte noch nicht eher angelegt werden, weil sich in Vorbereitung auf die Umsetzung herausgestellt hat, dass sich auf der dafür ursprünglich vorgesehenen Fläche eine vielfältige Flora und Fauna entwickelt hat“, sagt Sprecherin Suzanne Moenck. „Der Bestand hätte durch die geplanten Maßnahmen geschädigt oder zerstört werden können.“

In Zusammenarbeit mit einem Ornithologen und ausgewiesenen Haubenlerchen-Experten habe man daher auf demselben Gelände nach geeigneteren Flächen gesucht und im Februar dieses Jahres gefunden. „Wir stimmen uns bei allen Maßnahmen zur Haubenlerche eng mit dem Ornithologen ab, der ein absoluter Experte auf dem Gebiet ist“, betont Moenck. Nun solle es an die Umsetzung gehen, und zwar noch in diesem Winterhalbjahr.

Im Übrigen sei die Feldhecke bereits angelegt worden, und auch die Dächer der Uni-Gebäude seien inzwischen mit einer extensiven Trockenrasenmischung versehen worden. Nach Abschluss der Bauarbeiten würden neun Bäume auf dem Campus respektive entlang der Universitätsallee neu gepflanzt. Auch das Dach des neuen Zentralgebäudes selbst ist nach Angaben der Universität begrünt worden.

Die nach dem Alarm um zwei Vogel-Pärchen vereinbarten Maßnahmen haben ihren Preis: Die Begrünung aller Dächer schlägt nach Angaben der Uni mit 500 000 Euro zu Buche, hinzu kommen mehr als 100.000 Euro für die Feldhecke und das neue Zuhause der Vögel.

Von Carolin George

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