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Panorama Lehrer wegen Freiheitsberaubung vor Gericht
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17:17 04.08.2016
Ein Lehrer soll Schülern eine Strafarbeit aufgebrummt und sie am Verlassen der Klasse gehindert haben. Die Schüler riefen die Polizei. Vor Gericht bestreitet der Pädagoge die Vorwürfe. Quelle: dpa
Neuss

Ein Musiklehrer aus Kaarst soll seinen Schülern eine Strafarbeit aufgebrummt haben. Um zu verhindern, dass sie den Klassenraum vorzeitig verlassen, habe er sich mit einem Stuhl in den Türrahmen gesetzt, so der Vorwurf der Anklage.

Als ein Junge trotzdem gehen wollte, soll der Lehrer ihn in den Bauch geboxt haben. Die Schüler riefen die Polizei. Jetzt steht der 50-jährige Pädagoge wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung vor Gericht. Der Lehrer weist die Vorwürfe zurück. Er habe weder dem Jungen in den Bauch geboxt, noch jemanden eingesperrt, sagte er zu Prozessbeginn am Donnerstag.

Mehrere Schüler und Eltern waren nach einem Bericht der Bild-Zeitung zu dem Prozess am Neusser Amtsgericht gekommen. Viele hätten Partei für den Lehrer ergriffen. Ein Foto zeigt eine Schülerin mit einem Solidaritäts-T-Shirt.

Prozess wird unterbrochen

Nach der Schilderung des Lehrers sei es in der Klasse trotz Ermahnung zu laut gewesen. Deshalb habe er den Unterricht in schriftlicher Form fortgesetzt. Von einer Strafarbeit wollte der Pädagoge in diesem Zusammenhang nicht sprechen.

Eigentlich war das Urteil für Donnerstag erwartet worden. Doch das Gericht hat die Verhandlung am Mittag unterbrochen. Der Junge, den der Lehrer laut Anklage in den Bauch gestoßen haben soll und der als Zeuge geladen war, war nicht erschienen. Der Prozess soll nun voraussichtlich am 24. August fortgesetzt werden.

Sanktionen müssen verhältnismäßig sein

In einem gewissen Maß dürfen Lehrer Strafen verhängen, um Störenfriede unter den Schülern zur Besinnung zu bringen. "Sie können einen Schüler in eine andere Klasse schicken oder bis zu zwei Stunden nachsitzen lassen", erklärt Wilhelm Achelpöhler, Anwalt für Verwaltungsrecht in Münster. Was über diesen Zeitraum hinausgeht, sei unangemessen.

Auch Ordnungsmaßnahmen dürfen Lehrer unter bestimmten Voraussetzungen ergreifen. Sie können einen Schüler zum Beispiel für längere Zeit vom Unterricht ausschließen. Als schärfste Ordnungsmaßnahme gilt der Schulverweis.

"Außerdem dürfen Lehrer noch eingreifen, um Gefahren abzuwehren", sagt Achelpöhler. Das gilt beispielsweise, wenn Schüler auf der Klassenfahrt Drogen nehmen und damit sich oder andere gefährden. In diesem Fall darf der Lehrer den Schüler nach Hause schicken.

Eltern können Widerspruch einlegen

Wenn Eltern eine Strafe für überzogen halten, können sie sich im ersten Schritt bei der Schulleitung beschweren. Sie können aber auch Widerspruch beim Verwaltungsgericht einlegen.

Bei Sanktionen, die mit Vorlauf angekündigt werden wie etwa das Kehren des Schulhofes, hat das aufschiebende Wirkung. Die angedrohte Strafe tritt dann also erst einmal nicht in Kraft. Richter müssen dann entscheiden, ob die Sanktion angemessen ist oder nicht.

dpa/RND/fh

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