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Panorama Lehrer geben Flüchtlingen Sprachunterricht
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09:00 19.08.2016
„Das Wissen nehmen sie für ihr Leben mit“: Grundschullehrerin Pia Loock unterrichtet Flüchtlingskinder in der Landesaufnahmestelle Bramsche. Quelle: dpa
Bramsche

Ein kleiner Stuhlkreis in einem Klassenzimmer, Lehrerin Pia Loock sitzt mittendrin. „Woher kommst du?“, fragt sie. Die Antwort des kleinen Jungen ist etwas unsicher, aber Loock hilft ihm: „Ich komme aus der Russischen Föderation.“ Auch die anderen sechs Kinder im Alter von sieben und acht Jahren beantworten einfache Fragen: Wie heißt du? Wie alt bist du? Dann springt Loock auf, geht zu einem CD-Spieler und startet ein Lied: „Hallo, hallo, wie geht’s? – Danke, gut!“, singen die sieben Kinder und ihre Lehrerin mit.

So sieht Sprachunterricht für Flüchtlingskinder aus – wobei diese Grundschule im Flüchtlingslager Bramsche steht. In gewisser Weise ist das Sprachlernangebot in Bramsche landesweit einzigartig, sagt Henry Albowsky, Leiter der Grundschule im Bramscher Ortsteil Hesepe, in dem sich die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes befindet. In der Aufnahmestelle betreibt die Grundschule eine kleine Zweigstelle, es unterrichten vier Lehrer der Grundschule. „Das ist ein Stundenkontingent, was wir von der Landesschulbehörde auch zugewiesen bekommen haben“, sagt Albowsky. Die Schülerzahl schwankt. Im März betreuten die Sprachlernklassen in Hesepe 26 Kinder, im Juni zehn, jetzt sind es 43 – Tendenz stark steigend.

Auch die Verweildauer der Kinder in den Klassen ist sehr unterschiedlich. Entweder gehen sie in die Kommunen, oder sie müssen mit ihren Familien in ihre Heimatländer zurückreisen. Das kann manchmal schnell gehen. Aber das beeinträchtige nicht den Erfolg des Unterrichts, sagt Lehrer Hansjörg Hoppe. Ein kleiner Junge aus Serbien habe in wenigen Wochen die Sprache super gelernt. „Er wäre eigentlich schon reif gewesen, auf die reguläre Grundschule zu wechseln“, erzählt der Lehrer. Aber in wenigen Tagen muss er mit seiner Familie wieder zurück in die Heimat. „Da macht ein Wechsel keinen Sinn.“

So kurz der Schulunterricht im Einzelfall auch sein mag, vergeblich ist er aus Sicht der Heseper Pädagogen nicht. „Wir legen da einen Keim hinein, der geht zu Hause auf, und wenn es nur das gute Gefühl ist, in Deutschland haben wir was gelernt“, sagt Albowsky. Viele Kinder seien in dem Erstaufnahmelager überhaupt zum ersten Mal in ihrem Leben in einer Schule gewesen. Gerade diesen Kindern gebe der Schulaufenthalt viel mit, sagt Lehrerin Loock. „Es geht um soziale Interaktionen, wie Schule funktioniert. Dieses Wissen nehmen sie für ihr Leben mit.“

Allerdings treffen die Lehrer auch immer auf Besonderheiten, mit denen sie umgehen müssen. So fahren die Kinder einmal in der Woche mit dem Bus in die Grundschule Hesepe, um in Fachräumen zu arbeiten oder die Sporthalle zu nutzen, erzählt Hoppe. Zu Beginn dieses Schuljahres hätten aber sowohl einige Kinder als auch Eltern Angst gehabt, in den Bus zu steigen: „Da ist meine Kollegin spontan mit in den Bus gestiegen. Ein Papa kam auch noch mit, der saß den ganzen Morgen mit dabei.“ Gerade die syrischen Kinder seien unsicher. „Die hatten richtige Angst vor dem Linienbus, weil sie vermutet haben, dass es hier sein könnte wie damals zu Hause.“ An solchen Details zeige sich oft, dass die Flüchtlinge traumatisiert seien.

Von Elmar Stephan

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