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Panorama Löst der Mindestlohn für Pflegekräfte die Probleme?
Mehr Welt Panorama Löst der Mindestlohn für Pflegekräfte die Probleme?
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11:10 20.07.2017
Die Bundesregierung hat den Mindestlohn für Pflegekräfte angehoben. Quelle: dpa
Hannover

Der Mindestlohn für Pflegekräfte in Deutschland steigt in mehreren Schritten auf 11,35 Euro pro Stunde im Westen und 10,85 Euro im Osten. Das hat das Bundeskabinett in Berlin gestern beschlossen. Die Pflegebranche hofft, dass ihre Einrichtungen dadurch für ungelernte Kräfte attraktiver werden. „Das könnte helfen, den akuten Mangel an Fachkräften zu dämpfen“, sagte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Pflege, Rainer Brüderle, Mittwochder HAZ. Die niedersächsische Landesregierung zeigte sich eher skeptisch.

Aktuell beträgt der Mindestlohnsatz für Pflegekräfte in Westdeutschland 10,20 Euro in der Stunde und 9,50 Euro im Osten. Zum Jahresbeginn 2018 soll er auf 10,55 Euro beziehungsweise 10,05 Euro steigen; Anfang 2020 müssen 11,35 Euro beziehungsweise 10,85 Euro erreicht sein. Die Anpassung betrifft rund 908 000 Beschäftigte – sie gilt jedoch nicht, wenn private Haushalte als Arbeitgeber fungieren: Hier greift der allgemeine Mindestlohn von 8,84 Euro.

„Es ist gut, dass der Pflegemindestlohn eine absolute Untergrenze für alle markiert“, sagte Eva-Maria-Güthoff von der Landesarbeitsgemeinschaft Altenhilfe der Caritas in Niedersachsen. Obwohl die Tariflöhne in den eigenen Einrichtungen schon heute über dem Minimum lägen, tue man sich mit der Personalsuche schwer.

Jüngsten Schätzungen zufolge werden Ende dieses Jahres 3,4 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig sein – das wäre ein Plus von 17 Prozent innerhalb von zwei Jahren. Den hohen Anstieg führen Experten auch auf die Pflegereform zurück, durch die sich der Kreis der Anspruchberechtigten erhöht hat.

Wie groß der Mangel an Pflegekräften heute schon ist, darüber gehen die Angaben auseinander: Während der Deutsche Pflegerat von 100 000 unbesetzten Stellen allein in Krankenhäusern spricht, beziffern die Gewerkschaft Verdi und der Arbeitgeberverband Pflege das Defizit auf 70 000 beziehungsweise auf 30 000 fehlende Kräfte.

Im vergangenen Jahr war rund eine Million Menschen als Gesundheits-, Kinder- und Krankenpfleger und 611 000 als Altenpfleger beschäftigt. Die Engpässe beim Personal fallen laut Bundesagentur für Arbeit regional unterschiedlich aus – in Niedersachsen sei die Lage noch entspannter als etwa in Bayern oder Baden-Württemberg.

Nach Einschätzung der niedersächsischen Landesregierung können nur bessere Arbeitsbedingungen und ein generell höheres Gehaltsniveau die Misere in der Pflege lindern. „Ein Mindestlohn kann da nicht die Lösung sein und sollte sich nicht zum heimlichen Standardniveau entwickeln“, sagte Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD). Sie forderte die Kranken- und Pflegekassen auf, über eine entsprechende Bezahlung der Pflegedienstleistungen angemessene Löhne in der Branche zu ermöglichen. Im nächsten Schritt seien die Tarifpartner gefordert, Verträge für Beschäftigte auszuhandeln.

Jens Heitmann

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