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Panorama Land unter im Süden Niedersachsens
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00:17 20.08.2015
Die Leine tritt über die Ufer: Mithilfe eines Krans zogen Retter ein Auto in Göttingen aus den Fluten. Quelle: dpa
Groß Scheen

Rettungskräfte brachten die rund 200 Flüchtlinge, unter ihnen auch zahlreiche Familien mit Kindern, in Sicherheit. Sie kamen zunächst in der benachbarten Carl-Friedrich-Gauß-Schule unter. Da auch dort das Erdgeschoss unter Wasser stand, konnten sie nur die Räume im ersten Stock nutzen. Am Montagnachmittag wurden sie dann in eine kurzfristig als Flüchtlingsunterkunft hergerichtete Turnhalle in der Nachbargemeinde Rosdorf umquartiert. 

Die erste Alarmierung gab es am Sonntagabend um 23.30 Uhr. „Anfangs klang alles noch recht harmlos“, sagte am Montag Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrich. Dann seien die Meldungen jedoch immer beunruhigender geworden. Fassungslos beobachteten die Bürger der betroffenen Ortschaften im Süden Niedersachsens, wie sich Sturzbäche von Wasser und Schlamm über Straßen und Grundstücke ergossen und in die Keller eindrangen. Selbst ältere Bürger hätten gesagt, dass sie noch nie so starke Regenfälle erlebt hätten, sagt der Friedrich.

Rund 140 Feuerwehrleute waren stundenlang vor allem in den Gemeinden Friedland und Rosdorf im Einsatz, um die vielen vollgelaufenen Keller auszupumpen und Straßen frei zu räumen.

Erdrutsch bei Göttingen

An der Autobahn 38 lösten die starken Regenfälle einen Erdrutsch aus. In Höhe des Heidkopftunnels bei Göttingen rutschte auf einer Länge von 25 bis 50 Metern Erdreich auf die Fahrbahn. „Verletzt wurde niemand, aber der Tunnel musste gesperrt werden“, sagte ein Feuerwehrsprecher. In Brome im Landkreis Gifhorn schlug ein Blitz in ein Haus ein und löste einen Zimmerbrand aus, dabei wurde nach Polizeiangaben ein Mensch verletzt. Auf der Autobahn 2 bei Rennau (Landkreis Helmstedt) traf ein Blitz ein fahrendes Auto. Die vier Insassen kamen mit dem Schrecken davon. Der Wagen war danach allerdings nicht mehr fahrtüchtig. Auch in der Region Osnabrück liefen in der Nacht viele Keller voll.

Auch in der Erstaufnahmeeinrichtung in Friedland mussten in der Nacht zwei Zelte aufgegeben werden, sie hielten dem Unwetter nicht stand. Am härtesten traf es jedoch die Flüchtlinge in der Turnhalle von Groß Schneen. Viele von ihnen haben auf der Flucht Schreckliches erlebt. Nun mussten sie erleben, wie das Wasser unter ihren Betten immer höher stieg und ihr weniges Hab und Gut von Schlammmassen überspült wurde. Vor allem für die Kinder sei die nächtliche Evakuierung dramatisch gewesen, sagte Bürgermeister Friedrichs. Viele hätten bereits geschlafen und laut geweint, als die Rettungskräfte sie und ihre Familien aus dem Gebäude holten. Glücklicherweise habe es bis auf einen gebrochenen Finger keine schweren Verletzungen gegeben.

Der Leiter des Lagers Friedland, Heinrich Hörnschemeyer, zeigte sich erleichtert, dass für die Flüchtlinge so schnell eine Notunterkunft in der Turnhalle der Nachbargemeinde Rosdorf geschaffen werden konnte. „Das Lager Friedland platzt aus allen Nähten“, sagte er. Allein am vergangenen Wochenende seien mehr als 200 Flüchtlinge eingetroffen. 

Von Heidi Niemann und Steven Rabe

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