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Panorama Lana Del Rey hat erstes Album veröffentlicht
Mehr Welt Panorama Lana Del Rey hat erstes Album veröffentlicht
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07:21 27.01.2012
Von Christiane Eickmann
Die viel diskutierte Oberlippe ist hier mal nicht zu sehen – und das ist gut so. Quelle: Nicole Nodland
Hannover

Auf der Bühne steht eine dünne 19-Jährige und singt eine Ballade. Die junge Frau namens Lizzy Grant fühlt sich fremd in der „Lilo Lounge“ im hippen New Yorker Stadtteil Williamsburg, denn dort wird normalerweise Rock gespielt. Als dann aber nach ihrem Auftritt einfach Stille herrscht, niemand klatscht und niemand buht, erschrickt sie doch. Sie sagt „Danke“, lässt ihre Jacke hängen und rennt nach draußen.

Wie bei allen Geschichten aus ihrer Vergangenheit, die Lana Del Rey (ehemals Lizzy Grant) derzeit in zahllosen Interviews verbreitet, weiß man nicht, ob sie stimmt – aber hübsch ist diese Anekdote über einen ihrer ersten Auftritte allemal. Zahlreiche Legenden ranken sich mittlerweile um die Sängerin mit der sinnlichen Nancy-Sinatra-Stimme, seit ihr Hit „Video Games“ vor rund einem halben Jahr das erste Mal auf YouTube lief.

In seltener Einigkeit besprechen, ja bejubeln Musikkritiker von „Bravo“ bis „Spex“ seit Wochen das Phänomen Lana Del Rey. Zwischenzeitlich wurde sie gar zur neuen großen Hoffnung des Pop ausgerufen. Die Netzgemeinde diskutiert derweil fleißig, ob die 25-Jährige nun tatsächlich eine Zeit lang in einem Trailerpark vor den Toren New Yorks hauste oder ob sie ihre Oberlippenaufspritzung vom ersten Vorschuss für den Plattenvertrag bezahlt hat. Als würde es im Jahr 2012 noch irgendeine Rolle spielen, ob ein Popstar authentisch ist. Als wohne Pop nicht immer auch die große Illusion inne.

Mit ihren falschen Wimpern, den Sechziger-Jahre-Locken, dem künstlichen Schmollmund und den modellierten Fingernägeln ist Lana Del Rey eindeutig eine Kunstfigur. Selbst ihr Name zitiert – die Hollywood-Diva Lana Turner und den Achtziger-Jahre-Mittelklassewagen Ford Del Rey. Die gebürtige New Yorkerin reiht sich in eine popkulturelle Tradition ein, die es keineswegs erst seit der verkleidungswütigen Lady Gaga gibt. Bereits Elvis (den Del Rey als Vorbild nennt) wirkte in seiner Las-Vegas-Phase wie ein Musiker, der in fiesen Glitzerkostümen einen Star spielt, David Bowie soll sich eine Zeit lang gar als sein Alter Ego „Ziggy Stardust“ am Telefon gemeldet haben. Und war es nicht Malcom McLaren, der vier junge Männer, die ihre Instrumente nicht beherrschten, als Punks kleidete und sie „Sex Pistols“ nannte?

Nun also ist ein Wesen namens Lana Del Rey dem Pop-Zirkus beigetreten. Verweist auf das gute, alte Hollywood einerseits und den heutigen Porno-Chic andererseits. Verkörpert – ganz postfeministisch – ein Frauenbild, das Männerphantasien bedient, die Pop-Lolita aber gleichzeitig karikiert. Ob man sich dafür gleich die Oberlippe aufspritzen lassen muss, ließe sich allerdings diskutieren. 

Seit heute nun ist Lana Del Reys erstes Album „Born to die“ auf dem Markt. Zeit, um mehr über ihre Musik und weniger über Lanas Äußeres zu diskutieren. „Born to die“ ist kein Meisterwerk, aber ein gutes Bombast-Pop-Album geworden. Die Produzenten Guy Chambers und Eg White haben der 25-Jährigen einen Teppich aus Harfen, Glöckchen, Streichern und modernen Beats bereitet, auf den sie ihre traurigen Liebeslieder bettet. Lana Del Rey selbst nennt diesen Stil „Sad­core“.

Vor allem beim Titelsong „Born to die“ und den bereits bekannten Singles „Blue Jeans“ und „Video Game“ entwickelt Del Reys lasziver, beeindruckend variantenreicher Gesang einen echten Sog. Von den neuen Liedern bleibt „Carmen“ im Ohr, das mit einem peitschenden Rhythmus unterlegt worden ist, und „National Athem­“, in dem sich Hip-Hop-Gesang, ein kitschiger Chor und ein Beat, der an Human Leagues „Being boiled“ erinnert, zu einem Ganzen fügen. Überhaupt ist das ganze Album unerwartet stark von den Achtzigern inspiriert. Das geht im Mitwipp-Tanzhit „Summertime Sadness“ gut. Das geht aber auch bei „Dark Paradise“, einem üblen, billig klingenden Schlager, böse daneben.

Wenn schon Achtziger würde man sich weniger Madonna und mehr Siouxsie and the Banshees wünschen. Ein leichter Hang zum Gothic ist bei Del Reys häufig mit Hall unterlegter Stimme durchaus rauszuhören. Insgesamt hätte auch eine dramatische Ballade, wie sie Del Rey einst als Lizzy Grant ganz ohne Keyboard-Gedudel bei einem anderen Label veröffentlicht hatte, dem Album gut getan – vor allem angesichts der konsequent traurigen, fast pubertären Liebeskummertexte. Lana Del Rey ist sich nicht für Zeilen wie „Don’t make me sad, don’t make me cry“ („Mach mich nicht traurig, bring mich nicht zum Weinen“) zu schade. 

Mit dem Erscheinen von „Born to die“ fällt der Hype um Del Rey ein wenig in sich zusammen. Doch das ist durchaus positiv. Denn kaum misslang jüngst ihr Auftritt bei „Saturday Night Life “, brach im Netz eine Welle der Häme los. Die Sängerin bemühte sich trotzig zu erklären, sie habe Liveauftritte im Fernsehen noch nie gemocht. Da schien dann doch die verunsicherte, 19-jährige Lizzy Grant durch, die aus dem Klub rennt. Mit etwas weniger Hysterie um ihre Person hat Del Rey vermutlich bessere Chancen, ein Star zu werden.

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