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Panorama Krabbenpulmeister bricht mit der Tradition
Mehr Welt Panorama Krabbenpulmeister bricht mit der Tradition
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17:15 01.08.2014
Lennert Wefer gewann die Meisterschaft mit fast 284 Gramm. Neben ihm seine Tanten Hildegard Schnitger (l) und Alma Müller. Quelle: dpa
Fedderwardersiel

Lennert Wefer hält die Krabbe zwischen beiden Händen, bricht den Panzer mit einer Drehung in der Mitte auf und zieht das zarte Fleisch heraus. Zack, zack, geht das. So schnell, das manchem Zuschauer fast schon schwindelig wird. Nach 20 Minuten häufen sich fast 284 Gramm Krabbenfleisch vor ihm. Keiner der rund 90 Wettpuler im Nordseebad Fedderwardersiel schafft am Freitag mehr. Damit ist der 22-Jährige niedersächsischer Krabbenpulmeister. „Das hätte ich nicht gedacht“, sagt er und lächelt zurückhaltend.

Dabei hat er geschafft, was seinem Vater und all den anderen Seebären in fast 30 Jahren nicht gelungen ist: Bisher war der Titel immer fest in Frauenhand. Was ist Wefers Geheimnis? Ist es die Technik? „Ich mache das wie alle“, meint er achselzuckend. Für ihn halt nichts Besonderes. Krabben pult er, seit er denken kann. In seiner Familie fahren oder fuhren alle Männer mit dem Kutter raus. Er selbst arbeitet seit fünf Jahren als Deckmann auf dem Schiff seines Vaters, das er mal übernehmen wird.

Krabbenpulwettbewerbe gibt es überall an der Küste, Niedersachsens Meisterschaft aber nur in Fedderwardersiel auf der Halbinsel Butjadingen. Für Lennert Wefer ist es ein Heimspiel. Wie alle Kandidaten hat er sich eine Plastikschürze als Spritzschutz umgehängt. Auf das kecke Häubchen, das man aus Fischgeschäften kennt - Schutz vor ausfallenden Haaren -, verzichtet er. An den langen Reihen von Bierbänken haben vor allem ältere Küstenbewohner Platz genommen, einen Berg mit den rosa-braunen Tierchen vor sich. Den gilt es zu bewältigen.

Während sich die Schalen langsam mit Granat, dem Krabbenfleisch, füllen, schaukeln im Hafen vor dem Festzelt die bunten Kutter gemütlich auf den Wellen. Eine Nordsee-Kulisse, wie sie jeder Urlauber liebt. Mit Romantik hat das aber nicht viel zu tun. Früher fuhren die Männer mit ihren Schiffen raus, und die Frauen pulten Zuhause als Nebenerwerb die Meerestiere. „20, 30, 40 Kilo am Tag“, sagt Irma Memenga. Heute sind die Hygienevorschriften aber so streng, dass sich das nicht mehr lohnt. „Man muss einen extra Raum haben mit Fliesen.“ In Übung ist sie immer noch: Sie sichert sich später den zweiten Platz.

Heute ist der Krabbenfang ein internationales Geschäft. Memengas Job haben Arbeiter in Marokko oder Polen übernommen. In Kühllastern fahren die Nordseegarnelen viele tausend Kilometer hin und her, bevor sie nach Tagen in den deutschen Fischgeschäften landen. Frisch sind die trotzdem, meint Dirk Sander. Als Geschäftsführer der größten Erzeugergemeinschaft der Krabbenfischer an der deutschen Küste muss er es wissen. „Die werden sogar per Satellit überwacht. Aber es ist schon ein anderer Geschmack, wenn die direkt von Bord aus dem Kochtopf kommen.“

In den Genuss kommt aber nur, wer selber pult. 50 bis 100 Gramm pro Portion sollten es sein. Für Laien ist das schon eine kleine Herausforderung. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), der sich selbst als Krabbenpul-Laien bezeichnet, schafft bei der Meisterschaft gerade mal 59 Gramm. Dabei hatte er vorher extra noch im Internet die richtige Technik recherchiert. „Wir haben auf dem Weg an einem Fischwagen gehalten, um im Auto zu üben. Aber die hatten nur gepulte Krabben.“

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