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Panorama Kopfschüsse in Kneipe: Ein Toter
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17:51 05.07.2010
Spurensuche. Quelle: dpa

Der Tatort ist keine Fankneipe, die geschmückt ist mit Nationalflagge, Wimpeln oder schwarz-rot-goldenen Schals - Public Viewing gibt es hier auch nicht. Trotzdem spielt sich am Montagmorgen hinter den blickdichten und verrauchten Vorhängen des durchgehend geöffneten „Columbus“ in Hannover ein Tragödie ab, die ihren Ursprung in der uralten Fußballrivalität der Deutschen und der Italiener hat. Nach einem Streit um die Anzahl der WM-Titel beider Teams schießt ein 42 Jahre alter Deutscher morgens um 07.20 Uhr zwei Italiener mit Kopfschüssen nieder. Ein 47-Jähriger erliegt wenig später seinen Verletzungen, ein 49-Jähriger schwebt in akuter Lebensgefahr.

„Bei der tödlichen Auseinandersetzung ging es nicht um die aktuelle Fußballweltmeisterschaft in Südafrika“, sagt Polizeisprecher Heiko Steiner. Die Opfer hatten laut Augenzeugen geprahlt, dass Italien mit vier WM-Titeln einen mehr habe als Deutschland. Von der jetzigen WM hatte sich Italien schon nach der Vorrunde verabschiedet, während Deutschland im Halbfinale steht.

„Nach dem Streit hat der Mann das Lokal verlassen, kam aber wenig später wieder und feuerte auf seine Opfer“, erläutert Steiner die bisherigen Erkenntnisse zum Tatgeschehen. Woher der Täter die Pistole hatte und wie oft er geschossen hat ist noch unklar. Auf der Flucht wirft er die Tatwaffe nur wenige Meter vom Tatort entfernt weg. Mit Hilfe von Augenzeugen kann der Mann schnell identifiziert werden. Es ist ein 42-jähriger Deutscher, der nicht vorbestraft ist. Die Fahndung nach ihm läuft auf Hochtouren.

Streitigkeiten sind im „Columbus“, direkt in Hannovers Rotlichtviertel eher an der Tagesordnung. Seit Jahren treffen sich zwielichtige Nachtschwärmer auf ein letztes Glas. Wirklich einladend wirken weder der Eingangs- noch der dunkle, stark verrauchte Thekenbereich. Tageslicht ist eine Seltenheit und durchflutet den langen dunklen Thekenbereich nur wenige Meter. Hierher lockt vor allem die Öffnungszeit - 24 Stunden rund um die Uhr gibt es Alkohol.

Die Besitzerin eines benachbarten Kiosk hatte am Morgen einen heftigen Streit in dem eher unscheinbaren Lokal gehört. „Es klang, als würden Stühle gegen die Wand geworfen. Dann hörte ich Schüsse und Schreie“, erzählt die 46-jährige Hatice Topcu. Für sie war es nur eine Frage der Zeit, wann so etwas passiert.

Auch für einen Angestellten des benachbarten Supermarktes ist es nicht verwunderlich, dass die Situation eskaliert ist. Häufig seien schon am frühen Morgen Betrunkene bei ihm im Geschäft, die randalieren und Kunden anpöbeln. „Vor allem am Wochenende kam es immer wieder zu Schlägereien in der Gaststätte“, sagt der 29-Jährige.

Das „Columbus“ liegt im hannoverschen Amüsierviertel „Steintor“ nur wenige hundert Meter von der Haupteinkaufsstraße entfernt. Neben Musikkneipen sowie Tanz- und Stripplokalen gibt es dort zahlreiche Imbissbuden von Inhabern verschiedener Nationalität. Vor etlichen Jahren hatte es im „Steintor“ immer wieder blutige Revierkämpfe verfeindeter Gruppen gegeben. In den vergangenen Monaten kam es nach Polizeiangaben zwar immer wieder zu Körperverletzungen und Schlägereien. „Aber eine Tat wie diese hatten wir lange nicht mehr“, sagt der Polizeisprecher.

dpa

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