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Panorama Kokain überschwemmt Deutschland
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18:18 27.12.2017
Millionenschwerer Fund: Im Februar entdeckten Zollfahnder im Hamburger Hafen einen Container mit 717 Kilo Kokain – Verkaufswert: 145 Millionen Euro. Quelle: Foto: dpa
Hamburg/Wiesbaden

Eine wahre Kokainschwemme ist in diesem Jahr über Deutschland hereingebrochen: Zoll und Polizei haben so viel des weißen Pulvers sichergestellt wie nie zuvor. Das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden rechnet bis Jahresende mit einer Menge von knapp sieben Tonnen – das ist mehr als dreimal so viel wie 2016. Südamerikanische Kokainproduzenten und internationale Schmugglernetzwerke überschwemmten den europäischen Markt, sagte BKA-Rauschgiftbekämpfer Christian Hoppe. „Offensichtlich verfahren die Täter nach dem Motto: Angebot schafft Nachfrage.“ Hoppe erwartet deshalb auch einen steigenden Konsum in Deutschland.

Es ist keine „Schickimicki-Droge“ mehr

Denn mit dem Überangebot geht ein Preisverfall einher, der Kokain plötzlich auch für weniger gut betuchte Käuferschichten erschwinglich macht. Nach Auskunft von René Matschke, Leiter des Zollfahndungsamtes Hamburg, ist die Droge inzwischen schon für 50 oder 60 Euro pro Gramm zu haben. Kokain sei „keine Schickimicki-Droge mehr“.

Zugleich steigt der Reinheitsgehalt des Kokains, das schließlich beim Endkunden landet. Die Bundesdrogenbeauftragte Marianne Mortler (CSU) hatte bereits vor Wochen davor gewarnt, dass der steigende Wirkstoffgehalt der Droge noch größere gesundheitliche Schäden anrichtet. Noch vor sieben Jahren enthielten die Produkte weniger als 40 Prozent reines Kokain, inzwischen liegt dieser Gehalt bei 70 Prozent und mehr.

Viel Stoff aus Brasilien und Ecuador

Kokain wird nahezu ausschließlich in Südamerika hergestellt. Wie die Generalzolldirektion in Bonn auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) sagte, wird das Rauschgift in größeren Mengen zumeist auf dem Seeweg in Containern sowie in geeigneten Schiffsaufbauten versteckt oder legaler Ladung beigepackt. Auf dem Luftweg werde Kokain vor allem im Frachtbereich gewerblicher Cargosendungen sowie im Gepäck oder im Körper von Kurieren geschmuggelt. Als Herkunftsregion kämen nahezu alle Länder Südamerikas in Betracht. Neben Kolumbien seien derzeit aber auch auffällig viele Sicherstellungen mit Transport ab Brasilien und Ecuador zu verzeichnen.

Die größte Menge der in Deutschland sichergestellten Kokainlieferungen kam laut Zollfahnder Matschke in Hamburg und Bremerhaven an. „Die Großmengen gehen nun mal über Schiffscontainer rein“, erklärte Matschke. In Hamburg wurden 2016 insgesamt rund neun Millionen Standardcontainer umgeschlagen. Die Zollfahnder suchen sich darunter auffällige Ladungen raus und überprüfen sie. Es sei ein Erfolg, dass die Täter Geld verlieren, wenn Schmuggelware sichergestellt wird, sagte Matschke. Aber jede abgefangene Sendung werde sofort durch eine neue Lieferung ersetzt. „Es wäre unehrlich zu behaupten, wir würden den Markt groß beeinflussen.“

Das Kokain wurde in Holzkohle versteckt

Die gängigste Methode ist derzeit das sogenannte Rip-off-Verfahren. Dabei werden Kokainpakete in großen Taschen in die Container gestellt, um im Hafen schnell an die Drogen heranzukommen. Doch oft sind die Täter auch regelrecht erfinderisch: „Wir hatten in der letzten Zeit Kokain versteckt in Holzkohle – kleine, schwarz angemalte Stücke Kokain“, berichtet Matschke. Auch Kokain, das in alte Möbel eingepresst worden sei, hätten die Beamten entdeckt. Verschickt wird das Rauschgift meist von südamerikanischen Banden. Kommt es in Deutschland an, wird es von europaweit agierenden Banden weiterverteilt.

„Dahinter steckt eine gewaltige Logistik“, sagte Oliver Malchow, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), am Mittwoch gegenüber dem RND. „Ermittlungen, die diese Strukturen aufdecken, sind sehr personalintensiv. Dabei muss das gesamte Besteck operativer Maßnahmen angewendet werden – bis hin zur Telefonüberwachung und zum Einsatz verdeckter Ermittler.“ Man rede hier nicht über eine Kleinigkeit, betont der Gewerkschaftsvorsitzende. Es sei daher Aufgabe der Politik, bei der Personalausstattung die richtigen Prioritäten zu setzen.

Von Stephanie Lettgen und Rasmus Buchsteiner

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