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Panorama Klingebiel-Zelle könnte nach Hannover kommen
Mehr Welt Panorama Klingebiel-Zelle könnte nach Hannover kommen
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17:49 23.02.2015
Bemalt bis unter die Decke: Die Zelle des Psychiatrie-Patienten Julius Klingebliel im Verwahrhaus des ehemaligen Landeskrankenhauses Göttingen. Quelle: dpa
Göttingen

"Derartige Raumkunstwerke gibt es nur ganz vereinzelt auf der Welt." Der pensionierte Psychiatrie-Professor Andreas Spengler gerät ins Schwärmen, wenn er über die Klingebiel-Zelle im Verwahrhaus des ehemaligen Landeskrankenhauses Göttingen spricht. Der Psychiatrie-Patient Julius Klingebiel (1904-1965) hat dort den neun Quadratmeter großen Raum, in der er Jahrzehnte seines Lebens eingesperrt war, bis unter die Decke bemalt. "Klingebiel hatte als ein jahrzehntelang untergebrachter psychisch Kranker keine Möglichkeit, ein größeres künstlerisches Oeuvre zu entwerfen", sagt Spengler. "Er hat seine ganze Weltvorstellung und seine Lebensgeschichte in dieser einen Zelle verdichtet."

Spengler und seine Mitstreiter vom "Klingebiel-Projekt" haben es sich zum Ziel gesetzt, das einzigartige Werk der sogenannten Außenseiter-Kunst zu bewahren und dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Chancen dafür sind gut. Denn inzwischen steht die etwa neun Quadratmeter große Zelle unter Denkmalschutz. Und das Land möchte das Kunstwerk als Ganzes abbauen lassen und am liebsten im Sprengel-Museum in Hannover zeigen. Niedersachsen ist Eigentümer des Raumes.

Denn das Feste Haus in Göttingen, das demnächst nicht mehr benötigt wird, gehört zum Maßregelvollzugszentrums im nahen Moringen. Es dient derzeit noch zur Unterbringung gefährlicher psychisch kranker Straftäter. Die Stadt Göttingen ist allerdings nicht einverstanden damit, dass das beispiellose Kunstwerk in die Landeshauptstadt verlegt werden soll. Der Kulturausschuss habe sich dafür ausgesprochen, die Zelle im örtlichen Museum zu zeigen, sagt ein Verwaltungssprecher.

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) habe sich deshalb an Ministerpräsident Stephan Weil gewandte. "Wir warten jetzt auf eine Antwort." Dirk Hesse, Direktor des Maßregelvollzugszentrums Moringen und Mitinitiator des "Klingebiel-Projektes", sieht den sich anbahnenden Streit gelassen. "Unsere Intention war und ist es, die Zelle als Gesamtkunstwerk zu erhalten". Das scheine zu gelingen. "Dies ist das Wesentliche", sagt auch sein Mitstreiter Spengler. "Die Zelle ist ein Kunstwerk von besonderem Rang.Man darf es nicht kaputt gehen lassen."

Klar sei allerdings, dass das Kunstwerk nicht im Festen Haus bleiben kann, wenn dieses außer Dienst gestellt wird. "Für mich hätte dann der Aufstellungsort in einem hochrangigen international renommierten Museum Priorität", sagt Spengler. Dort würde "eine dem Kunstwerk zukommende Ausstrahlung möglich, die bei einer lokalen Präsentation nur schwerlich zu erreichen wäre." Derzeit fehle es allerdings noch an konkreten Realisierungs-Konzepten - hier wie dort.

dpa

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