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Panorama Lüneburger Schule verzichtet auf Weihnachtsfeier
Mehr Welt Panorama Lüneburger Schule verzichtet auf Weihnachtsfeier
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00:15 22.12.2017
Am Johanneum im Unterricht tabu: Christliche Weihnachtslieder sollen dort nicht mehr gesungen werden. Quelle: dpa
Lüneburg

 Das Lüneburger Gymnasium Johanneum blickt auf eine 600-jährige Geschichte zurück – und versteht sich zugleich als „Vorreiter für zeitgemäße, zukunftsorientierte Neuerungen“. So heißt es auf der Homepage der traditionsreichen Schule. Um die Frage, was zeitgemäß ist, ist am Johanneum jetzt ein Streit entbrannt: Die Schule hat entschieden, im Unterricht keine Weihnachtsfeier mehr zu veranstalten – um nicht-christliche Schüler nicht zu diskriminieren. 

Teilnahme an Weihnachtsfeier freiwillig

Wie der NDR berichtet, soll es im vergangenen Jahr eine Beschwerde einer muslimischen Schülerin gegeben haben. Diese monierte, die dort gesungenen christlichen Lieder seien mit ihrem Glauben nicht vereinbar. Demnach verzichtete die Schulleitung in diesem Jahr auf eine für alle Schüler verpflichtende Weihnachtsfeier, um den Niedersächsischen Schulgesetz zu entsprechen, das Rücksicht auf die Empfindungen Andersgläubiger verlangt. 

Die Schulleitung erklärte nach dem Bericht, man habe mit Blick auf das Schulgesetz auf das Singen christlicher Lieder während des Unterrichtes verzichtet. Die Weihnachtsfeier im Johanneum soll nun nach dem Unterricht stattfinden, die Teilnahme ist freiwillig.

Eine Sprecherin der Landesschulbehörde erklärte unterdessen, jede Schule könne selbst entscheiden, wie die gesetzliche Regelung umgesetzt werde. Ein Verbot christlicher Lieder lasse sich aus dem Schulgesetz nicht ableiten.

Aus den Kirchen kommt Kritik

Auch aus den Kirchen kam Kritik am Verzicht auf die Weihnachtsfeier. Er könne die Entscheidung der Schule nicht nachvollziehen, sagte Prälat Felix Bernard vom Katholischen Büro Niedersachsen: „Das Singen von Adventsliedern ist noch kein religiöses Bekenntnis, es geht dabei nicht um einen Gottesdienst.“ 

Bernard verweist auf Paragraf 2 des Schulgesetzes, nach dem die Erziehung ausdrücklich auch auf Grundlage des Christentums zu geschehen habe. „Religiöse Musik gehört zu unserem kulturellen Erbe“, sagt Bernard, „sonst wäre es auch nicht mehr möglich, Bach-Kantaten im Musikunterricht zu behandeln.“ Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger sagte, in einem christlich geprägten Land sei es selbstverständlich, dass bei Weihnachtsfeiern christliche Weihnachtslieder gesungen würden. „Dass eine schulische Weihnachtsfeier nicht während der Unterrichtszeit stattfinden kann, finde ich schade und auch etwas absurd.“

In der evangelischen Kirche stößt die Entscheidung ebenfalls auf Kritik. Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track. Religion müsse in Schulen sensibel behandelt werden – doch das bedeute gerade nicht den Ausschluss von Religion aus der Schule. Vielmehr gehe es um eine „religionssensible Vermittlung der adventlichen und weihnachtlichen Inhalte“. Diese gehörten zu den „grundlegenden kulturellen Pfeilern unserer Gesellschaft“.

Muslime sind skeptisch

Auch Muslime beurteilen den Verzicht auf schulische Weihnachtsfeiern skeptisch. Er habe selbst mit seinen Kindern schon an Weihnachtsfeiern teilgenommen, sagt Recep Bilgen, der Vorsitzende des muslimischen Verbandes Schura. „Die Schule hat mit ihrem vorschnellen Handeln eine unnötige Diskussion angestoßen“, sagte Bilgen dieser Zeitung. Er fürchtet, dass die Absage von Weihnachtsfeiern Vorurteile gegenüber Muslimen eher schüre. 

Tatsächlich sprach der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland mit Blick auf Lüneburg von einer „Islamisierung unserer Gesellschaft“: „Wenn diese muslimische Schülerin mit christlichen Weihnachtsliedern nicht leben kann, dann soll sie sich einen Kulturkreis aussuchen, wo sie damit nicht belästigt wird.“

Die Landesmigrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf mahnt unterdessen, die „Empörung über diesen Einzelfall einer Schule in gebotenen Grenzen zu halten“. Es sei allerdings wichtig, Schüler mit den vielfältigen religiösen Traditionen vertraut zu machen: „Diese habe nicht nur eine identitätsstiftende Bedeutung für religiöse Menschen, sondern sind auch verbindende Gemeinschaftserlebnisse.“

Von Simon Benne

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