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Panorama Jäger schießen mehr als 10.000 Waschbären
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09:45 09.12.2016
Am weitesten verbreitet sind Waschbären im Süden Niedersachsens. Quelle: dpa
Hannover

In Niedersachsen sind so viele Waschbären erlegt worden wie nie zuvor. Im abgelaufenen Jagdjahr wurden genau 10 070 Tiere abgeschossen. Wie aus dem aktuellen Landesjagdbericht 2015/2016 hervorgeht, sind dies rund 200 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2014/2015. Die Abschusszahlen lassen nach Angaben der Landesjägerschaft Rückschlüsse auf die Größe der Waschbärenpopulation zu: Die Experten gehen davon aus, dass auf jedes erlegte Tier eine Vielzahl lebender Waschbären kommt.

Am weitesten verbreitet sind Waschbären, die bis zu 65 Zentimeter groß und bis zu zwölf Kilogramm schwer werden, im Süden Niedersachsens. Erneut wurden die mit Abstand meisten Tiere im Landkreis Göttingen (2031 Abschüsse) erlegt. Auch der Landkreis Northeim (1205 Abschüsse) ist ein Gebiet, das der Waschbär weitgehend für sich erobert hat. In der Statistik folgt mit 1115 erlegten Tiere der Landkreis Lüchow-Dannenberg.

Der Spitzenplatz des Landkreises Göttingen bei den Abschusszahlen wird mit der geografischen Nähe zum nordhessischen Edersee erklärt. Dort wurden im Jahr 1934 zwei Paare der ursprünglich aus Nordamerika stammenden Tiere ausgewildert. Andere Waschbären wurden ein Jahr später in der brandenburgischen Schorfheide frei gelassen.

Seither breiteten sich die Waschbären vor allem von Süden, aber auch von Osten kommend in Niedersachsen „sehr stark“ aus, schreibt der Wildtierexperte Egbert Strauß im Landesjagdbericht. So werde auch im Weserbergland inzwischen aus fast jedem Revier ein Besatz gemeldet. Die Abschusszahlen sind entsprechend hoch. Im Landkreis Hameln-Pyrmont wurden im vergangenen Jagdjahr 591 Tiere und im Kreis Schaumburg 300 Waschbären erlegt. Auch im Harz werden immer mehr Tiere zur Strecke gebracht. Allein im niedersächsischen Teil des Mittelgebirges waren es im vergangenen Jagdjahr rund 850 Waschbären.

Vor zehn Jahren waren in Niedersachsen nur etwa 2400 Waschbären abgeschossen worden. Damals gab es in weiten Gebieten im Westen und Norden des Landes noch gar keine oder nur wenige Abschüsse. Das hat sich inzwischen geändert. In fast allen Landkreisen werden regelmäßig Waschbären erlegt.

Dies ist nach Darstellung der Landesjägerschaft auch dringend erforderlich. Denn der Waschbär als Allesfresser habe zunehmend einen negativen Einfluss auf gefährdete Tierarten. Er frisst Singvögel und Niederwild, plündert die Nester von Greifvögeln oder Schwarzstörchen und macht sich über Fische, Unken und Kröten her. Eine Ausrottung der Waschbären durch die Jagd sei angesichts der großen Zahl der Tiere allerdings illusorisch, meinte Experte Strauß. Als Schätzzahl nennt er für das Jahr 2009 bis zu 500 000 Tiere in Deutschland. 

Von Matthias Brunnert 

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