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Panorama Italienische Polizei nimmt Hunderte Mafiosi fest
Mehr Welt Panorama Italienische Polizei nimmt Hunderte Mafiosi fest
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14:48 13.07.2010
Italienische Polizisten einer Anti-Mafia-Spezialeinheit bei der Durchsuchung des Hauses des kalabresischen Mafia-Bosses Pasquale Condello vor zwei Jahren. Quelle: dpa

In der größten Anti-Mafia-Aktion seit Jahren haben italienische Sondereinheiten im Morgengrauen einen durchschlagenden Erfolg gegen die mächtige kalabrische ’Ndrangheta erzielt. Mit mehr als 300 Haftbefehlen rückten die Polizisten bei der Blitz-Operation unter dem Decknamen „Il crimine“ (das Verbrechen) in Kalabrien und im Norden Italiens an. Und als „Sahnehäubchen“ ihrer Großrazzien gelang es den Ermittlern, auch den 80-jährigen Domenico Oppedisano dingfest zu machen, der seit einem knappen Jahr als der „Boss der Bosse“ gilt.

Die Sondereinheiten brachten eine lange Liste von Anschuldigungen gegen die Mafiosi der ’Ndrangheta mit - sie reicht von der Bildung krimineller Vereinigungen über Waffen- und Drogenhandel bis hin zu Mord, Erpressung und Wucherei. „Wir haben die ’Ndrangheta ins Herz getroffen“, freute sich Innenminister Roberto Maroni über den Coup.

Vorausgegangen waren umfangreiche und lange Ermittlungen der Anti- Mafia-Staatsanwaltschaften in Mailand und Reggio Calabria. Dabei sei es vor allem gelungen, „die Infiltration des italienischen Nordens durch die ’Ndrangheta zu dokumentieren“, teilten Ermittler mit. Die süditalienische Mafia-Organisation habe ihre illegalen Geschäfte in die verschiedensten Wirtschaftsbereiche des Nordens ausgeweitet. Im Zuge der Operation wurden erneut bewegliche Güter und Immobilien im Wert von mehreren zehn Millionen Euro beschlagnahmt. Und mit dem Boss der ’Ndrangheta in der Lombardei, Pino Neri, ging ihnen bei dem „Maxi-Blitz“ noch ein anderer großer Fisch ins Netz.

Herz und Hirn der „Krake“ ’Ndrangheta arbeiten in der Provinz Reggio Calabria, doch die mafiosen Tentakeln haben sich über die ganze Welt ausgebreitet, bis nach Australien und Amerika. Die Clans aus dem italienischen Süden gelten als „Marktführer“ im illegalen Drogengeschäft, vor allem beim Kokain. Sie verhandeln direkt mit den kolumbianischen Drogenbaronen. „Der ’Ndrangheta ist es gelungen, die wirkliche Holding des Drogenmarktes zu werden, und zwar dank ihrer verzweigten Organisation in allen Teilen der Welt“, erläutert der Anti-Mafia-Staatsanwalt von Reggio Calabria, Giuseppe Pignatone.

Von der Super-Razzia betroffen waren die Familienclans von Crotone bis Vibo Valentia. Allein in der Provinz Reggio Calabria kamen 120 Mafiosi hinter Gitter. Wobei es zu den Erkenntnissen der Ermittler gehört, dass sich die ’Ndrangheta inzwischen weniger in Familienclans organisiert, sondern einen hierarchischen, führungsbetonten Aufbau - nach dem Vorbild der sizilianischen Cosa Nostra - bevorzugt. Eine Familienfehde war es aber noch, die hinter dem ’Ndrangheta-Blutbad von Duisburg im August 2007 mit sechs Toten stand. Fachleute warnten mehrfach vor den verstärkten ’Ndrangheta-Aktivitäten in Deutschland. Es gibt kaum eine größere Anti-Mafia-Aktion in Italien, die nicht auch Querverbindungen zur Politik offenzulegen scheint. So soll Boss Neri Wahlen zugunsten des Berlusconi-Abgeordneten Giancarlo Abelli manipuliert haben. Gegen Abelli wird allerdings nicht ermittelt.

Erst am Vortag hatten Mafia-Jäger bei zwei Razzien gegen die ’Ndrangheta und die neapolitanische Camorra Milliarden-Beute gemacht. Allein bei einem Unternehmer mit dem Spitznamen „Videopoker-König“ konfiszierten Beamte der Finanzpolizei wertvolle Bilder sowie 260 Wohnungen im geschätzten Gesamtwert von etwa 330 Millionen Euro. Das Gesetz erlaubt die „präventiven“ Beschlagnahmungen bereits dann, wenn nur der begründete Verdacht einer Zugehörigkeit zur Mafia besteht.

dpa

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