Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama „Gesunde Wölfe sind selten gefährlich“
Mehr Welt Panorama „Gesunde Wölfe sind selten gefährlich“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:39 13.01.2017
Von Gabriele Schulte
Quelle: Holger Hollemann

Die Rückkehr der Wölfe nach Niedersachsen hat anfangs viele euphorisch gestimmt. Inzwischen trauen sich da, wo Wölfe leben, Spaziergänger oft kaum noch allein in den Wald. Viele Eltern dort lassen ihre Kinder nicht mehr draußen spielen. Muss man im „Wolfsland“ jetzt immer eine Trillerpfeife zum Vertreiben der Wölfe dabeihaben?

Mein Vor-Vorgänger im Umweltministerium hatte gemeint, dass nur „liebe Wölfe“ kommen, das war so natürlich nicht haltbar. Uns war immer klar, dass die Rückkehr der hier 150 Jahre lang ausgestorbenen Beutegreifer eine große Herausforderung sein würde. Die Menschen müssen aber vor dem Wolf keine Angst haben, das zeigen die Erfahrungen in anderen Ländern. Nur ganz vereinzelt hat es Wolfsunfälle mit Menschen gegeben, und da spielte meist Tollwut eine Rolle. In der Regel geht von einem gesunden Wolf keine Gefahr für den Menschen aus.

Lange hieß es, auch Landwirte müssten sich keine Sorgen machen. Tatsächlich hören wir nun ständig von Wölfen, die Schafe, Damwild und sogar Rinder gerissen haben, und die immer wieder zurückkehren. Weidetierhalter sprechen schon vom Ende ihrer, auch emotionalen, Belastbarkeit. Haben Sie dafür Verständnis?

Verständnis habe ich auf jeden Fall, ich habe selbst mal Ziegen gehalten. Es ist sicher schrecklich, nach einem Wolfsriss tote und verletzte Tiere auf und neben der Weide zu finden. Der Herdenschutz gehört aber zu den Pflichten jedes Weidetierhalters, das ergibt sich auch aus der Nutztierverordnung. Für die Schafhalter gab es bisher nur nicht die Notwendigkeit, wolfssichere Zäune zu bauen. Die Aufgabe ist neu, aber „Ende der Belastbarkeit“ klingt sehr zugespitzt. Schweinehalter etwa haben einen deutlich höheren Aufwand, was zum Beispiel die Ställe und Filteranlagen angeht.

Die wolfssicheren Zäune, auf denen Sie immer beharren, sind aber mit viel Zeit- und Materialaufwand verbunden und in der Praxis oft schwer umzusetzen. Schäfer und Damwildhalter fühlen sich dabei vom Umweltministerium und seinem Wolfsbüro alleingelassen.

Wir haben die Weidetierhalter schon bisher unterstützt, haben ihnen freiwillig Zuschüsse für neue Zäune, für Herdenschutzhunde und -esel gezahlt, außerdem eine freiwillige Entschädigung nach Nutztierrissen. Bei der Herausforderung Wolf lernen wir aber immer weiter dazu, es fehlen noch Erfahrungen. In diesem Jahr werden wir nicht nur die Entschädigungen vereinfachen und ausweiten, sondern den Haltern bei Bedarf auch eine Art Taskforce zur Seite stellen.

Wie kann man sich diese schnelle Eingreiftruppe vorstellen?

Wir sind dabei, eine Gruppe zusammenzustellen. Sie wird vom Wolfsbüro koordiniert und aus Fachleuten und Ehrenamtlichen bestehen. Ein Schäfer mit Herdenschutzhunden kann dazugehören, außerdem Fachleute für das Vergrämen von Wölfen. Auch Hilfe beim Zaunbau bieten wir an, dabei können auch Ehrenamtliche zum Einsatz kommen. Ich rechne damit, dass wir Mitte des Jahres so weit sind.

Hundertprozentigen Schutz gibt auch der beste Zaun nicht, wie Sie selbst schon mal gesagt haben. Landwirte und besorgte Dorfbewohner fordern Sie auf, „Problemwölfe“ abschießen zu lassen, die regelmäßig Weiden und Siedlungen aufsuchen. Unter anderem in Brockhimbergen bei Uelzen haben Bürger aus Angst nächtelang Wache gehalten. Sind Sie bereit, nach MT 6 im vergangenen Jahr weitere Wölfe ins Visier zu nehmen?

Wir nehmen die Sorgen ernst. Wenn es irgendwo Auffälligkeiten gibt, hilft es sehr, wenn uns die Menschen genau melden, was sie wo gesehen haben. Wir gehen dem dann nach. Manchmal hat sich herausgestellt, dass die vermeintlichen Wölfe in Wirklichkeit Wolfshunde oder Schäferhunde waren. Vergrämen oder gar Entnahme eines Wolfes geht erst dann, wenn er Menschen gegenüber zu wenig scheu ist oder wenn Herdenschutzmaßnahmen bei ihm nicht greifen, er also auch mehrmals einen normalerweise wolfssicheren Zaun überwindet. Die Sicherheit steht für uns an erster Stelle.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), aber auch Ihr Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), haben eine mögliche Begrenzung der Wolfspopulation ins Spiel gebracht. Können Sie sich vorstellen, dass die Zahl der Rudel über Abschüsse reguliert werden könnte?

Wir haben gerade eine Anfrage an den Bund gestellt, wie es mit dem Erhaltungszustand der Wolfspopulation zurzeit aussieht. Es gibt ja unterschiedliche Definitionen, welche Regionen da zusammengefasst werden. Davon macht das Europäische Artenschutzrecht aber abhängig, wann die Zahl erreicht ist, ab der reguliert werden darf. Bis dahin ist der Wolf streng geschützt.

Das klingt sehr langwierig.

Einen schnellen Beitrag zur Regulierung könnten jetzt schon die Jäger leisten, indem sie mehr Schalenwild schießen. Je mehr Rehe es gibt, desto größer ist nämlich erwiesenermaßen die Zahl der Beutegreifer. Weniger Rehe würden also auch weniger Wölfe bedeuten. Keiner muss Angst haben, dass dann stattdessen mehr Nutztiere gerissen werden. Aus Sachsen, das in dieser Hinsicht schon länger Erfahrung hat, wissen wir: Nutztiere stehen nur zu 0,8 Prozent auf dem Speisezettel der Wölfe.

Interview: Gabriele Schulte

Zur Person

Stefan Wenzel (Grüne) 
ist seit dem Regierungswechsel in Niedersachsen im Februar 2013 Umweltminister im Kabinett von Stephan Weil (SPD). Der 54-Jährige hat ein Diplom als Agrarökonom. Für den Wahlkreis Göttingen-Stadt ist er Abgeordneter im Landtag.
Als Umweltminister ist er für den Artenschutz zuständig. Die nach dem Ende des Eisernen Vorhangs von Osten nach Niedersachsen eingewanderten Wölfe – inzwischen geschätzt 90 Tiere – fallen damit in sein Ressort.
Beim Landesbetrieb für Wasserwirtschaft-, Küsten- und Naturschutz baute Wenzel 2015 ein Wolfsbüro auf. Im April 2016 ordnete er den Abschuss des MT 6 genannten Wolfs im Heidekreis an, der Menschen gefährlich nah gekommen war. Der Minister sucht das Gespräch auch mit besorgten Weidetierhaltern, zuletzt bei einem Besuch in dieser Woche in Uelzen.

Die Ankündigung des SPD-Landesvorsitzenden Stephan Weil, im Falle eines Sieges bei der Landtagswahl 2018 die Kita- Kosten durch den Landeshaushalt zu übernehmen, trifft auf ein geteiltes Echo. Während der Städtetag und auch die Unternehmerverbände den Plan im Grundsatz begrüßen, setzt die Opposition Fragezeichen an das Projekt.

Michael B. Berger 13.01.2017
Panorama Vermeintlicher Unglückstag - Kuriose Fakten zu Freitag, den 13.

Passieren am vermeintlichen Unglückstag Freitag, den 13. tatsächlich mehr Unfälle auf Deutschlands Straßen als an anderen Tagen? Und was hat eigentlich Dornröschen damit zu tun? Wir haben den Faktencheck für Sie gemacht.

13.01.2017

Tief "Egon" hat in Teilen Niedersachsen den Verkehr lahmgelegt. Während in der Region Hannover die erwarteten Schneefälle bislang ausgeblieben sind, hat es andere Regionen Niedersachsens deutlich stärker getroffen. Die Bahnstrecke Hannover-Bremen musste am Morgen gesperrt werden. Es kommt zu Schulausfällen.

13.01.2017