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"Wir müssen die Erderwärmung stoppen"

Interview mit Professor Mojib Latif "Wir müssen die Erderwärmung stoppen"

Nach Dauerregen zu Beginn der Woche und Überschwemmungen wird mancherorts die Frage aufgeworfen, ob dies Zeichen für den Klimawandel seien. Professor Mojib Latif, Klimaforscher am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, sieht in jedem Fall mehr extreme Wetterlagen aufziehen. Ein Interview.

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Professor Mojib Latif, Klimaforscher am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Quelle: Arno Burgi

Der starke Regen und das Hochwasser in Südniedersachsen - sind das Zeichen für den fortschreitenden Klimawandel?

Man kann sicherlich nicht ein einziges Ereignis als Beweis für den Klimawandel nehmen. Aber wenn bestimmte Ereignisse immer häufiger auftreten, dann sind das Zeichen für einen grundlegenden Wandel. Die Häufung der Extremwetterlagen, die wir jetzt erleben, ist ein Zeichen, dass der Klimawandel auf das alltägliche Wetter übergreift.

Das bedeutet, dass uns noch häufiger Extremwetterlagen drohen?

In der Tat. Allerdings sind das nicht nur starke Regengüsse, das können auch lange Trockenphasen oder sehr heiße Wetterlagen sein. Das sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten einer Medaille - und diese Medaille heißt Erderwärmung.

Wie müssen wir darauf reagieren?

Zum einen müssen wir natürlich alles tun, um die Erderwärmung so weit wie möglich abzubremsen und zu stoppen. Aber darüber hinaus müssen wir uns eben auch grundsätzlich Gedanken machen, wie wir uns für mehr Extremwetterlagen in der Zukunft wappnen wollen. Wir erleben, dass unsere Infrastruktur auf so starke Niederschläge nicht vorbereitet ist: Es laufen U-Bahnhöfe voll, Keller ebenfalls, Straßen werden unterspült. Über solche Szenarien müssen wir nachdenken, auch über die möglichen Folgen langer Dürrephasen. Das kann so weit gehen, dass irgendwann unsere Energieversorgung Probleme bekommt, wenn die Flüsse nicht mehr genug Wasser führen, um die Kraftwerke zu kühlen. Über solche Szenarien müssen wir reden. Und wir müssen bereit sein, dabei auch das Undenkbare zu denken.

Das klingt so, als müssten einige grundlegende Gewissheiten über den Haufen geworfen werden.

Das hat schon begonnen: Wir haben angefangen, den großen Flüssen Überlaufflächen zurückzugeben. Aber wir werden uns ganz neu orientieren müssen, denn es gibt Grenzen der Anpassung. Und das kann dazu führen, dass wir vielleicht bestimmte Dinge nicht mehr tun können, etwa dicht an Bächen oder Flüssen Häuser zu bauen. Da müssen wir vielleicht auch von Liebgewonnenem Abschied nehmen.

Von Heiko Randermann

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