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Panorama „Wir müssen sehen, dass es um Menschen geht“
Mehr Welt Panorama „Wir müssen sehen, dass es um Menschen geht“
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07:12 29.12.2016
ARCHIV - Der Patientenschutzbeauftragte Peter Wüst blickt am 25.07.2016 während einer Pressekonferenz in Hannover (Niedersachsen) in die Kamera. Wüst beklagt Überlastung, Zeitdruck und Personalnot in vielen der 182 Kliniken im Land. (zu dpa "«Es geht um Menschen» - Peter Wüst streitet für Patienten" vom 20.12.2016) Foto: Holger Hollemann/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: Holger Hollemann

Herr Wüst, seit Juli sind Sie Niedersachsens erster Landespatientenschutzbeauftragter. Was war die größte Überraschung in dieser Zeit?

In den ersten viereinhalb Monaten haben sich etwa 130 Menschen an mich gewandt, die meisten Anrufer waren ältere Patientinnen. Ich war ziemlich überrascht, dass die größte Zahl der Anfragen aus dem Krankenhausbereich kam. Eine häufige Beschwerde waren lange Wartezeiten in den Notfallambulanzen der Kliniken. Ich habe gemerkt, dass viele Patienten einen Ansprechpartner suchten, der Zeit für sie hat.

Die 182 Krankenhäuser des Landes unterliegen ökonomischen Zwängen. Steht das dem Patientenschutz entgegen?

Auf der einen Seite habe ich für eine gewisse Ökonomisierung Verständnis. Auf der anderen Seite müssen wir sehen, dass es um Menschen geht. Wenn die Ökonomisierung dazu führt, dass Patienten gefährdet werden, ist das nicht hinzunehmen. So gab es den Fall, dass auf einer Psychiatrie-Station, auf der zwei Vollkräfte 25 Patienten betreuen, bei einem Medikament Tropfen mit Millilitern verwechselt wurden. Überlastung, Zeitdruck und Personalnot können zu Fehlern mit gravierenden Folgen führen.

Muss die Politik gegensteuern?

Gesundheitsministerin Cornelia Rundt ist in diesem Bereich sehr engagiert. Sie hat viel dazu beigetragen, dass voraussichtlich im Jahr 2020 die Psychiatrie das erste Fachgebiet sein wird, bei dem es einen Mindestper­sonalstandard geben wird. Das ist ein Meilenstein.

Ihr Posten wurde als Konsequenz aus der Mordserie des Krankenpflegers Niels H. geschaffen. Inzwischen wurde Anklage gegen Klinikmitarbeiter in Delmenhorst wegen Totschlags durch Unterlassen erhoben. Sind solche Taten heute noch möglich?

Die Mordserie war nicht ausschlaggebend für meine Position, hat ihre Errichtung aber sicher beschleunigt. Solange es Menschen gibt, gibt es Verbrechen. Es wird auch immer wieder Verbrechen geben. Aber in Niedersachsen hat nach der Mordserie ein Sonderausschuss des Landtags sinnvolle Vorschläge gemacht, damit solche Taten schneller entdeckt werden. Dazu zählen Stationsapotheken, die erweiterte Leichenschau sowie die Einführung von Patientenfürsprechern in allen Kliniken.

Haben Ihr neuer Job und die damit verbundenen Gespräche mit Patienten Ihren Blick auf das Gesundheitssystem verändert?

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir in Deutschland eines der besten Gesundheitssysteme haben und die Klagen auf einem hohen Niveau zu sehen sind. Das Gesundheitssystem ist aber auch ein Spiegel der Gesellschaft, insofern gibt es auch Ungerechtigkeiten, etwa teilweise lange Wartezeiten auf Facharzttermine für Kassenpatienten. Hier muss es Grenzen geben. Es wäre für mich zum Beispiel unvorstellbar, dass Kliniken getrennte Intensivstationen für Privat- und Kassenpatienten einrichten.

Interview: Christina Sticht

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